Moor sucht Zwilling: Klimaschutz zwischen Deutschland und der Ukraine
Trockengelegte Moore stoßen Treibhausgase aus. Das Verschwinden dieser Feuchtgebiete trägt wesentlich zum Klimawandel bei. Denn wichtige Funktionen für den Wasserhaushalt und Artenschutz gehen durch die Trockenlegung von Mooren verloren. Diese wiederzuvernässen ist ein wertvoller Beitrag zum Erreichen der Klima- und Naturschutzziele.
In Mecklenburg-Vorpommern wurden in den zurückliegenden Jahrzehnten umfangreiche Erfahrungen in diesem Bereich gesammelt, die nun auch international zur Anwendung kommen. Aktuell besteht ein Interesse an einer Zusammenarbeit im Rahmen der Partnerschaft zwischen Mecklenburg-Vorpommern und der Ukraine.
Kürzlich fand dazu eine deutsch-ukrainische Online-Konferenz statt, zu der das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt und das Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten gemeinsam eingeladen hatten. Von der ukrainischen Seite nahmen Vertreter der Regionalen Militärverwaltung Tschernihiw sowie von ukrainischen Naturschutzorganisationen teil. Darüber hinaus waren auch die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und die Michael Succow Stiftung als Projektpartner dabei.
Ziel ist eine Zusammenarbeit bei der Moorwiedervernässung und ein Erfahrungsaustausch beider Länder. Konkret wird aus Mecklenburg-Vorpommern die gemeinsame Nutzung des Ökowertpapiers „MoorFutures“ samt Standard und Methodologie für die ukrainische Seite angeboten. MoorFutures sind CO₂-Zertifikate und folgen international anerkannten Umweltstandards.
„Mit den MoorFutures gelingt es seit etwa 15 Jahren, privates Kapital für die Moorwiedervernässung zu akquirieren. Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Mittlerweile interessieren sich zahlreiche deutsche Unternehmen für den Moorklimaschutz. Wir bieten der ukrainischen Seite gerne an, dieses bestens praxiserprobte Instrument zu nutzen“, sagt Umweltminister Dr. Till Backhaus.
Europa- und Wissenschaftsministerin Martin: „Für die ukrainische Seite kommt zum Naturschutz auch noch der Sicherheitsaspekt für ihr Land hinzu, denn Moore sind für feindliche Truppen und schweres Gerät nur schwer passierbar. So bilden sie eine natürliche Barriere, die nicht nur ökologischen, sondern auch strategischen Wert hat.“
Ein Grund für das Vertrauen, welches die MoorFutures genießen, liegt auch darin, dass die Projekte leicht zu erreichen und in Augenschein zu nehmen sind. Die Moore werden über einen Zeitraum von 30 bis 50 Jahren intensiv untersucht und dokumentiert.
Dies ist bei den Mooren in der Ukraine aktuell wegen des Krieges nicht möglich. Daher soll ein Referenzprojekt in Mecklenburg-Vorpommern Teil des Gesamtprojektes sein. „Mit einem solchen Koppelprojekt können wir interessierten Unternehmen beides bieten: ein mit geringem Aufwand besuchbares Wiedervernässungsprojekt in Mecklenburg-Vorpommern und ein großflächiges Projekt in der Ukraine, die gemeinsam die Standards der MoorFutures erfüllen“, erläutert Minister Backhaus.
Seit Januar 2024 arbeiten Mecklenburg-Vorpommern und die ukrainische Region Tschernihiw im Rahmen einer Regionalpartnerschaft zusammen. Es liegt nahe, genau hier auf die Suche nach einem ukrainischen „Zwilling“ für die MoorFutures zu gehen. Das Projekt ist die erste Zusammenarbeit der beiden Regionen im Bereich Klima- und Naturschutz. Bereits seit längerem gibt es Kooperationen unter anderem im Hochschulbereich, zwischen Krankenhäusern, Verwaltungen und in der Kultur.
Die Machbarkeit der Kopplung der beiden Projekte wird die Michael Succow Stiftung im Auftrag des Ministeriums für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt MV und der GIZ mit einer Pilotstudie testen. Die GIZ setzt gegenwärtig in der Ukraine eine Reihe von Projekten für die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) um. MVs Partnerregion Tschernihiw unterstützt das Projekt. Von April bis September dieses Jahres wird die Michael Succow Stiftung die Machbarkeitsstudie durchführen. Die Ergebnisse sollen anschließend veröffentlicht werden. Fällt das Ergebnis positiv aus, können Moorflächen in Mecklenburg-Vorpommern und Tschernihiw gekoppelt mithilfe der MoorFutures wiedervernässt werden.
Ministerin Martin: „Neben Unterstützungsaktivitäten aus der Vergangenheit wie Hilfsgütertransporte, Kulturgüterschutz, Jugendaustausch und psychotherapeutische Online-Workshops freue ich mich, dass auch neue und nachhaltige Bereiche wie der Klima- und Naturschutz in einem gemeinsamen Projekt erschlossen werden.“