Kirchenschätze aus Barth sind national wertvolles Kulturgut
Der historische Buchbestand der Kirchenbibliothek Barth ist in das Verzeichnis des national wertvollen Kulturgutes des Landes Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen worden
Im Rahmen der auswärtigen Kabinettssitzung der Landesregierung in Barth am Dienstag (28. April) besuchte die Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten, Susanne Bowen, die Kirchgemeinde St. Marien und ihre historische Kirchenbibliothek.
Barth ist ein wichtiger Ort für die Religionsgeschichte des Landes und auch aktuell: Die Kirchenbibliothek gehört zu den ältesten in Deutschland und wurde erstmals 1398 urkundlich erwähnt und birgt viele einzigartige, historische Dokumente. Die Bibliothek steht eng mit der Geschichte des Buchdrucks in der Region im 16. Jahrhundert in Verbindung, denn hier wurde 1588 eine niederdeutsche Version der Bibel gedruckt. In Barth befindet sich auch das von der Nordkirche mit der Mecklenburgischen und Pommerschen Bibelgesellschaft e.V. betriebene Bibelzentrum.
Bei einem Rundgang mit Pastor Kornelius Werner machte sich Staatssekretärin Bowen einen Eindruck von der mehr als 600 Jahre alten Bibliothek, in der hunderte historische Bücher, Drucke und Handschriften aus der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns verwahrt werden. Damit gehört sie zu den ältesten ununterbrochen am selben Ort bestehen Pfarrbibliotheken, verfügt über mehrere Unikate und zählt neben den Bibliotheken des Geistlichen Ministeriums und der Kirche St. Petri (beide Greifswald) zu den wichtigsten Kirchenbibliotheken des Landes.
Dass diese Sammlung zu den besonderen Kulturschätzen in Mecklenburg-Vorpommern gehört und auch hier verbleiben soll, hat die Gemeinde nun seit Anfang des Jahres schriftlich durch eine Entscheidung aus dem Landeskulturministerium auf Empfehlung der zuständigen Sachverständigenkommission:
Die Kirchenbibliothek Barth wurde in das in das Verzeichnis des national wertvollen Kulturgutes des Landes Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen.
Die Kirchengemeinde hatte den Antrag 2025 eingereicht.
Die für Kirchenangelegenheiten zuständige Ministerin Bettina Martin:
„Die Kirchenbibliotheken bewahren oft Zeugnisse der Geschichte, aus Zeiten lange bevor andere Stellen daran dachten, diese aufzubewahren und zu erhalten. Damit öffnet sich ein Fenster in die Vergangenheit, die gleichsam für das Land von Bedeutung ist und auch einen großen Schatz für die Forschung bildet.
Die Nordkirche bewahrt für uns als Land also nicht nur Baukunst, in Form ihrer Kirchen und Kathedralen, sondern auch einzigartige historische Schätze. Auch in die Pflege und Reinigung von rund 4.000 Büchern und die Sanierung lange vergessener Räume hier in Barth hat sie hohe Summen investiert.
Diese Investitionen sind ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung von Kulturgütern. Ich gratuliere der Kirchengemeinde Barth zur Aufnahme ihrer Bibliothek in das Landesverzeichnis. In Barth finden wir die Zeugnisse sogar am selben Ort, wie vor über 600 Jahren. Das ist auch der Verdienst eines engagierten Fördervereins.“
Für die Bedeutung und den Umfang der Sammlung gibt es eine ganze Reihe von Beispielen, die auch Eingang in die Bewertung fanden:
Die Büchersammlung von Johannes Block
Die Büchersammlung des aus Barth stammenden Reformators Johannes Block stammt aus der Zeit von 1470 bis 1545 und ist fast ausschließlich in Originaleinbänden erhalten.
Handschriften
Die Sammlung umfasst neun Signaturen, teilweise aus dem Zeitraum zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert.
Sie ist Teil des Digitalisierungsprojektes der Universität Rostock „Digitalisierung mittelalterlicher Handschiften“, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurde. Sie wurde in der Digitalen Bibliothek MV veröffentlicht.
Inkunabeldrucke
Die 152 Inkunabeln (Drucke aus der Frühzeit des Buchdruckes im 15. Jahrhundert) stammen aus zahlreichen Orten und umfassen auch sonst selten im Zusammenhang erhaltene Sammelbände und besondere Pergamentfragmente.
Der gesamte Bestand wurde 2015 im Rahmen des Modellprojektes „Vergessene Kostbarkeiten“ sorgfältigen Schutzmaßnahmen unterzogen.
Bibelsammlung
Neben einem Exemplar der 1588 erschienenen „Barther Bibel“ in niederdeutscher Sprache finden sich hier weitere 33 Bibelausgaben aus der Frühzeit des Buchdruckes. Beispielweise eine „Halberstädter Bibel“ von 1522 und eine „Magdeburger Lutherbibel“ von 1545.
Die Aufnahme in das Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes des Landes Mecklenburg-Vorpommern nach §§ 7, 9 und 14 Kulturgutschutzgesetz (KGSG) bedeutet, dass ihr Verbleib in Deutschland von großem öffentlichem Interesse ist. Daher ist eine Ausfuhr untersagt beziehungsweise in Einzelfällen nur mit Genehmigung möglich.
Mit der Eintragung sind keine finanziellen Mittel von Landesseite verbunden, die Bestände werden weiter im Kirchenbesitz erhalten.
Das Kulturministerium unterstützte in der Vergangenheit beispielsweise die Stadt Barth und den Förderverein der Kirchenbibliothek bei mehreren Publikationen und einer Restauration.
In Barth gibt es nicht nur die Kirchenbibliothek – hier steht auch das von der Nordkirche mit der Mecklenburgischen und Pommerschen Bibelgesellschaft e.V. betriebene Bibelzentrum Barth. Es richtet unter anderem den alle drei Jahre stattfindenden Bibelwettbewerb unter der Schirmherrschaft der für Kirchen zuständigen Ministern Bettina Martin aus.
Anlagen
070 - Besuch Kirchenbibliothek Barth_0.3_.pdf (PDF, 0,25 MB)
bibliothek_barth 02.JPG
(JPG, 0,34 MB)
Staatssekretärin Susanne Bowen gemeinsam mit Annett Drews und Renate Hill vom Förderverein der Kirchenbibliothek sowie dem Vorsitzenden des Kirchengemeinderates, Jobst-Hinrich Zimmermann, und Pastor Kornelius Werner.