Nach Buckelwal-Einsatz: Backhaus fordert Antworten und bessere Strukturen
Im Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern sind bislang keine Daten zum Verbleib und Zustand des in die Nordsee verbrachten Buckelwals eingegangen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Dr. Till Backhaus kritisierte die fehlende Rückmeldung der privaten Initiative und forderte mehr Transparenz.
„Ich hätte mir hier deutlich mehr Transparenz gewünscht“, sagte Backhaus. Vereinbart gewesen sei, dass der Initiative Daten zum Zustand des Tieres sowie zur Ortung übermittelt werden. „Diese Informationen liegen bislang nicht vor.“
Zugleich stellte der Minister klar, dass er sich nicht an Spekulationen über das Schicksal des Wals beteiligen werde: „Es gibt keinen gesicherten Nachweis über den Tod des Tieres. Ich beteilige mich nicht an Spekulationen.“
Der Minister zog zugleich eine differenzierte Bilanz des Einsatzes: „Der Rettungsversuch hat dem Wal die Chance gegeben, in seinem natürlichen Lebensraum zu überleben. Genau darum ging es.“
Für die Zukunft brauche es jedoch bessere Strukturen und klare Abläufe bei vergleichbaren Ereignissen. Auf der Umweltministerkonferenz, die heute in Leipzig mit Ländervorbesprechungen startet, setzt sich MV für einen runden Tisch Walstrandungen ein, um künftig klare Zuständigkeiten, abgestimmte Verfahren und verbindliche Strukturen für vergleichbare Einsätze zu schaffen.
Backhaus mahnte zudem, die Debatte nicht auf den Einzelfall zu verengen: „Der Wal ist ein sichtbares Zeichen – die eigentlichen Probleme liegen tiefer.“ Er verwies auf den Zustand der Meere insgesamt: Jährlich gelangen weltweit rund 400 Millionen Tonnen Schadstoffe in die Ozeane. Etwa 80 Prozent der Verschmutzung stammen von Land, rund drei Viertel des Mülls im Meer bestehen aus Kunststoff. „Wenn wir Meeressäuger wirksam schützen wollen, müssen wir diese Ursachen angehen – Verschmutzung, Lärm, Schiffsverkehr und Beifang.“
Der Minister betonte, dass es sich bei dem Buckelwal um einen Ausnahmefall handele. „Diese Tiere sind in der Ostsee nicht heimisch.“ Der eigentliche Handlungsbedarf liege beim Schutz des Schweinswals: „In der zentralen Ostsee leben nur noch wenige hundert Tiere. Hier müssen wir ansetzen.“ Auf der Umweltministerkonferenz setzt sich das Land deshalb unter anderem für mehr Schutzräume, gezielte Maßnahmen gegen Beifang und einen wissenschaftsbasierten Ansatz im Meeresschutz ein. Bereits heute stehen rund 50 Prozent des Küstenmeeres unter Schutz, und es wurden zahlreiche Maßnahmen wie Renaturierungen und Seegrasprojekte umgesetzt.
Abschließend verwies Backhaus auf die Bedeutung der Fischerei: „Die Küstenfischerei ist Teil unserer kulturellen Identität und ein anerkanntes immaterielles Kulturerbe.“ Die Zahl der Betriebe sei seit der Wende von rund 950 auf etwa 270 zurückgegangen. „Das zeigt, wie sensibel wir hier abwägen müssen. Meeresschutz und Küstenfischerei müssen zusammen gedacht werden.“