Europäische Tagung der Leitungen von Justizvollzugsschulen in MV
Justizministerin Jacqueline Bernhardt begrüßt in Güstrow Gäste aus 15 deutschen Bundesländern, Österreich und der Schweiz.
„Ich freue mich, die Leiterinnen und Leiter der Justizvollzugsschulen aus fast allen Bundesländern, der Schweiz und Österreich dieses Jahr in Güstrow begrüßen zu dürfen. Die jährliche Tagung hat in Güstrow historischen Charakter. Hier soll Luxemburg offiziell als neuer Teilnehmer aufgenommen werden. Der Austausch auf der Tagung ist wie die Arbeit im Vollzug sehr wichtig. Länderübergreifend haben wir alle ein Ziel: Unsere Auszubildenden sollen das Rüstzeug für die Straffälligenarbeit, für Resozialisierungsarbeit bekommen. Wenn es uns gelingt, verurteilte Menschen nach der Haftentlassung auf ein Leben ohne neue Straftaten vorbereitet zu haben, dann haben wir für das friedliche Zusammenleben in der Gesellschaft das Beste geleistet. Das bedeutet aber auch, dass wir unsere Ausbildung stetig auf den Prüfstand stellen und mit der Zeit gehen“, sagte die Ministerin für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz an der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow zur Begrüßung der 20 Tagungsgäste.
„Wir haben unsere Ausbildung bewusst praxisnah ausgerichtet. Die Lernphasen in den Justizvollzugsanstalten sind unverzichtbar für das Verständnis im Vollzug. Auch dass wir am Ende der Ausbildung eine praktische Prüfung fordern, trägt zur Qualität der Ausbildung bei. Der theoretische Teil wurde weiterentwickelt. Als Ministerin, die neben der Justiz auch für Gleichstellung zuständig ist, bin ich sehr dankbar, dass aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und Themen Einzug in den Lehrplan gehalten haben wie etwa der Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz oder Mobbing. Diese Themen sollen aber nicht nur Theorie sein. Wir haben auch praktische Umsetzungen vollzogen. In der JVA Bützow beispielsweise gibt es ein Supervisions- und Schutzformat für weibliche Bedienstete“, so Ministerin Bernhardt.
„Die Gleichstellungspolitik hat in meiner Amtszeit einen sehr bedeutenden Platz in der gesamten Justiz eingenommen. Wenn ich mir die gesellschaftlichen Debatten und auch die Vorfälle zum Nachteil von Frauen ansehen, muss ich sagen: Endlich hat das Umdenken auch hier begonnen. In jedem Bereich des Lebens sollte Gleichstellung eine Rolle spielen“, erklärte die Ministerin für Justiz, Gleichstellung und Verbraucherschutz Jacqueline Bernhardt weiter.
„Wie alle suchen auch wir händeringend Nachwuchs. Dafür investieren wir. In diesem Jahr wurde die Zulage für Anwärterinnen und Anwärter von 35 auf 50 Prozent erhöht. Das machen immerhin rund 200 Euro mehr im Monat aus. Wir haben das Einstiegsalter auf 18 herabgesetzt. Somit sind die Klassen jünger geworden. Früher lag der Durchschnitt um 26 bis 29 Jahre. Heute liegt er im Schnitt bei 22 Jahren. Wir werben auf Social Media oder auf Ausbildungsmessen. Die Justizvollzugsanstalten organisieren Berufsinfotage, an denen junge Menschen hautnah den Beruf im Vollzug kennenlernen können. Auf Veranstaltungen wie dem MV-Tag, den Gänsemarkttagen in Bützow oder bei Tagen der offenen Tür im Ministerium in Schwerin fahren wir den großen Gefangenenbus auf. Das alles hat uns zumindest in den letzten Jahren wieder steigende Bewerbungszahlen beschert. Wir müssen laut trommeln, um sogar innerhalb des öffentlichen Dienstes auf uns aufmerksam zu machen. Das machen wir, obwohl der Justizvollzug eigentlich am erfolgreichsten ist, wenn es nahezu still um ihn ist. Aber er ist eben eine der verantwortungsvollsten und damit wichtigsten Bereiche unseres Rechtsstaates. Einher geht auch die Frage nach der Gewinnung von Lehrkräften. Denn keine Ausbildung ohne Ausbilderinnen und Ausbilder“, so Ministerin Bernhardt.