Backhaus wirbt für Balance zwischen Küstenfischerei und Naturschutz
Anlässlich des Reusenfestes in Baabe beteiligt sich Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt, Dr. Till Backhaus, am Freitag, den 22. Mai 2026, am sogenannten „Reusentalk“ zur Zukunft der Küstenfischerei. Die Gesprächsrunde beginnt gegen 16.30 Uhr im Rahmen des traditionellen Festprogramms am Hafen von Baabe.
Gemeinsam mit Fischern, Vertretern der Gemeinde, des Tourismus sowie weiteren Akteuren will der Minister über die aktuelle Situation der Küstenfischerei, den Naturschutz und die Zukunft der Küstenregionen sprechen.
„Die Küstenfischerei gehört zu Mecklenburg-Vorpommern wie die Ostsee selbst. Sie ist Teil unserer kulturellen Identität, sichert regionale Wertschöpfung und prägt seit Generationen das Leben an unseren Küstenorten. Gleichzeitig tragen wir Verantwortung für den Schutz unserer Meere und ihrer empfindlichen Ökosysteme. Beides gegeneinander auszuspielen, führt nicht weiter“, sagte Backhaus im Vorfeld der Veranstaltung.
Die Branche steht seit Jahren unter erheblichem Druck. Stark gesunkene Fangquoten bei Dorsch und Hering, steigende Betriebskosten, Umweltauflagen sowie Konflikte mit Prädatoren wie Kegelrobben und Kormoranen belasten viele Betriebe existenziell. Während in Mecklenburg-Vorpommern 2017 noch bis zu [] über (genau 15.663 t) 15.000 Tonnen Fisch angelandet wurden, lag der Gesamtfang 2024 nur noch bei rund 2.400 Tonnen.
Das Land unterstützt die Küstenfischerei deshalb seit Jahren mit umfangreichen Hilfen. Allein für zeitweilige Stilllegungen zum Schutz von Dorsch und Hering flossen seit 2017 rund 23 Millionen Euro aus EU- und Landesmitteln nach Mecklenburg-Vorpommern. Hinzu kommen Investitionshilfen, Unterstützung bei der Direktvermarktung sowie Entschädigungen für Schäden durch Kegelrobben.
Gleichzeitig investiert Mecklenburg-Vorpommern massiv in den Meeresschutz. Knapp 50 Prozent des Küstenmeeres stehen bereits heute als Natura-2000-Gebiete unter europäischem Schutz. Hinzu kommen Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturschutzgebiete, die sich vielfach mit den europäischen Schutzkategorien überlagern. Aktuell ist keine Ausweisung neuer Schutzgebiete im Küstenmeer geplant.
Dazu gehören Renaturierungsprojekte an der Ostseeküste, Schutzgebietsbetreuungen, Monitoringprogramme sowie das mit rund 12 Millionen Euro geförderte Projekt „MV Seagrass for Climate“ zur Wiederansiedlung von Seegraswiesen als natürliche Kohlenstoffspeicher und Lebensräume vieler Arten.
Auch die Ereignisse rund um den gestrandeten Buckelwal vor Poel hätten gezeigt, wie sensibel die Ostsee als Lebensraum sei und wie wichtig klare Regeln und abgestimmte Verfahren für den Schutz mariner Arten künftig sein werden.
„Der Wal hat viele Menschen bewegt und deutlich gemacht, wie sensibel unsere Meeresökosysteme sind. Umso wichtiger ist es, Naturschutz, Fischerei, Tourismus und Küstenentwicklung gemeinsam zu denken“, sagte Backhaus.
Die Landesregierung setze bei Nutzungskonflikten bewusst auf Dialog, wissenschaftliche Grundlagen und möglichst tragfähige Lösungen gemeinsam mit den Menschen vor Ort. Die Ostsee sei ein vergleichsweise kleines und intensiv genutztes Meer mit vielfältigen Interessen von Fischerei, Naturschutz, Tourismus, Wassersport, Schifffahrt und Energiewirtschaft.
„Wir brauchen einen fairen Ausgleich zwischen Natur-, Arten- und Meeresschutz auf der einen Seite und einer wirtschaftlich tragfähigen Fischerei auf der anderen Seite. Die Menschen an der Küste erwarten zurecht, dass ihre Interessen gehört werden“, betonte der Minister.
Das Reusenfest in Baabe verbindet maritime Tradition, regionale Kultur und aktuelle Diskussionen rund um die Zukunft der Fischerei. Neben dem Reusentalk stehen unter anderem das traditionelle Aufziehen einer Reuse, maritime Musik sowie Gespräche mit Fischern und Gästen auf dem Programm.