Neuer Leitfaden stärkt Qualität von Gedenkstättenbesuchen
Bildungsministerium unterstützt Lehrkräfte bei Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung von Gedenkstättenfahrten
Das Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung Mecklenburg-Vorpommern hat einen neuen Leitfaden für Gedenkstättenbesuche mit Schulklassen veröffentlicht. Die kompakte Handreichung unterstützt Lehrkräfte dabei, Besuche pädagogisch fundiert vorzubereiten, erfolgreich durchzuführen und umfassend im Unterricht nachzubereiten. Ziel ist es, die historisch-politische Bildung an Schulen weiter zu stärken und die Bildungswirkung von Gedenkstättenfahrten zu erhöhen.
„Im Rahmen meiner Präsidentschaft der Bildungsministerkonferenz habe ich im vergangenen Jahr einen besonderen Schwerpunkt auf die historisch-politische Bildung gelegt. In zahlreichen Gesprächen mit Gedenkstätten aus der gesamten Bundesrepublik wurde deutlich, dass die Einrichtungen eine höhere Qualität schulischer Gedenkstättenbesuche anstreben. Dazu gehören längere und intensivere Formate ebenso wie eine gezielte Vor- und Nachbereitung im Unterricht“, erklärte Bildungsministerin Simone Oldenburg. „Mit dem neuen Leitfaden geben wir Lehrkräften praxisnahe Unterstützung und mehr Handlungssicherheit.“
Der Leitfaden entstand in enger Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Gedenkstätten des Landes, der Fachstelle Gedenkstättenarbeit der Landeszentrale für politische Bildung sowie dem Rostocker Geschichtsdidaktiker Prof. Dr. Oliver Plessow. Die Handreichung bündelt konkrete Empfehlungen für die Planung und Durchführung von Gedenkstättenfahrten.
Im Mittelpunkt stehen zwei zentrale Aspekte: Zum einen unterstützt der Leitfaden Lehrkräfte dabei, realistische Erwartungen an Gedenkstättenbesuche zu entwickeln sowie passende Lernziele und Methoden auszuwählen. Er verdeutlicht, dass Gedenkstätten als authentische Orte historischer Gewaltverbrechen besondere Lernorte sind, die sich grundlegend von Museen unterscheiden. Zum anderen enthält die Handreichung zahlreiche praktische Hinweise für eine gelingende Durchführung – von organisatorischen Fragen über Verhaltensregeln bis hin zu einer ausführlichen Checkliste für Lehrkräfte.
Die Handreichung wurde bewusst kurz und praxisnah gestaltet, um Lehrkräften einen schnellen Zugang zu ermöglichen. Ergänzend enthält sie Literaturhinweise, digitale Unterrichtsmaterialien sowie Informationen zu Fördermöglichkeiten für Gedenkstättenfahrten. Veröffentlicht ist die Handreichung auf dem Bildungsserver Mecklenburg-Vorpommern.
Das Land stärkt die Gedenkstättenfahrten als wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung mit Gewaltherrschaft, Antisemitismus und Extremismus. Seit diesem Jahr können Schulen höhere Zuschüsse für Gedenkstättenfahrten erhalten; zugleich wurde das Antragsverfahren vereinfacht.
Darüber hinaus widmen sich ab dem Schuljahr 2026/2027 alle weiterführenden Schulen ab Jahrgangsstufe 5 am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust intensiv, jahrgangsbezogen oder jahrgangsübergreifend der Erinnerungsarbeit. Die Verpflichtung zum Gedenk- und Projekttag bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Aktivitäten zur Auseinandersetzung mit der NS-Gewaltherrschaft ausschließlich an diesem Tag stattfinden müssen. Ziel ist vielmehr, den 27. Januar sinnvoll in bestehende Unterrichtskonzepte einzubinden. Grundschulen werden ermutigt, sich ebenfalls zu beteiligen.