Backhaus: Sauberes Wasser ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr
Anlässlich des gemeinsamen wasserpolitischen Abends in Mecklenburg-Vorpommern der BDEW-Landesgruppe Norddeutschland (Bundesverband der Energie – und Wasserwirtschaft) und der KOWA MV (Kooperationsgemeinschaft Wasser und Abwasser MV) erläutert Umwelt- und Klimaschutzminister Dr. Till Backhaus die Bedeutung des Ressourcenschutzes im Land.
„Wasser ist eine unserer wichtigsten Ressourcen und ihr Schutz kostet Geld. Wir investieren in Grundwasserschutz, Monitoring, Gewässerentwicklung, Wasserschutzgebiete, Klimaanpassung und Versorgungssicherheit. Genau dafür brauchen wir eine verlässliche Finanzierung.
Deshalb haben wir das Wasserentnahmeentgelt angepasst. Dabei gilt für mich ein klarer Grundsatz: Die Einnahmen dürfen kein Selbstzweck sein. Sie müssen den wasserwirtschaftlichen Zielen dienen. Dem Schutz unserer Ressourcen, Sicherung der Trinkwasserversorgung und der Vorsorge, damit Schäden und teure Aufbereitung gar nicht erst entstehen.
Genauso wichtig ist mir aber: Wir müssen über die konkrete Mittelverwendung im Gespräch bleiben. Gerade Kooperationen zwischen Wasserwirtschaft und Landwirtschaft, Maßnahmen zur Nitratreduktion, Monitoring oder Vorsorgeprojekte zeigen, dass Prävention am Ende günstiger ist als Reparatu. Sauberes Rohwasser ist die günstigste Form der Trinkwasseraufbereitung.
Wer Wasser schützen will, muss daher die Entwicklungen erkennen. Deshalb haben wir das Grundwassermessnetz in MV erheblich modernisiert. Seit 2016 wurden mehr als 160 neue Grundwassermessstellen ergänzt oder erneuert. Aktuell werden 425 Messstellen hinsichtlich ihrer Wasserqualität untersucht und an 711 Messstellen Wasserstände erfasst. Das ist eine erhebliche Datengrundlage. Und diese Daten zeigen: Der Klimawandel wirkt. Im März 2026 zeigten nur 9 Messstellen steigende Trends. 53 Messstellen dagegen fallende oder sogar stark fallende Entwicklungen. Das können und dürfen wir nicht ignorieren. Deshalb modernisieren wir auch die Grundwasserressourcenkarte. Künftig soll über ein digitales Instrument quasi auf Knopfdruck sichtbar werden: Wo steht wie viel Grundwasser zur Verfügung? Das hilft Kommunen, den Unternehmen und Wasserversorgern. Und es hilft uns, Nutzungskonflikte frühzeitig zu vermeiden. Die erste Aktualisierung der Karte wird in Kürze abgeschlossen anschließend erfolgt digitale Umsetzung in kommenden Jahren.
Ein weiteres Zukunftsthema ist die Klimaanpassung. Denn wir sehen bereits Veränderungen. Der Meeresspiegel der Ostsee ist in den vergangenen rund 100 Jahren um knapp 20 Zentimeter gestiegen. Gleichzeitig nehmen sinkende Grundwasserstände zu. Damit verändert sich auch die Lage der Süß-Salzwasser-Grenzen im Untergrund. Salzhaltiges Tiefenwasser kann zunehmend aufsteigen. Auch darauf reagieren wir. Die Klimaanpassungsstrategie MV, die aktuell in Ressortabstimmung befindet, wird hierfür konkrete Maßnahmen enthalten.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist der Schutz unserer tertiären Tiefengrundwasserleiter. Wir haben diesen Schutz ausdrücklich im neuen Landeswasser- und Küstenschutzgesetz verankert. Diese Wasservorkommen sind besonders sauber und bilden sich über sehr lange Zeiträume. Deshalb dürfen sie künftig nur dort genutzt werden, wo besondere Reinheit erforderlich ist: für die öffentliche Wasserversorgung, für Heil- oder Mineralwasser, oder medizinische Zwecke. Denn bei diesem Schatz dürfen wir keine kurzfristige Perspektive anlegen.
Unsere Arbeit ist damit keineswegs abgeschlossen, die nächsten Jahre werden entscheidend. Wir werden die Wasserstrategie weiter konkretisieren und mit Maßnahmen untersetzen, die Trinkwasserkooperationen stärken, die digitale Grundwasserressourcenkarte fertigstellen, Klimaanpassungsstrategie umsetzen, Wasserschutzgebietsausweisung weiterentwickeln, Versorgungssicherheit weiter stärken
Wir müssen zugleich schneller werden: bei wasserrechtlichen Verfahren, Genehmigungen, Digitalisierung und Umsetzung ohne dabei den Schutz unserer Ressourcen zu relativieren.
Zur Zukunftsfähigkeit unserer Wasserwirtschaft gehört selbstverständlich auch die Abwasserinfrastruktur. Dazu zählen neue europäische Anforderungen zur Spurenstoffelimination, Fragen der vierten Reinigungsstufe und die Herausforderung, notwendige Investitionen solide zu finanzieren. Gerade angesichts neuer sicherheitspolitischer Herausforderungen gewinnt zudem die Wassersicherstellung an Bedeutung. Es geht um robuste und widerstandsfähige Infrastruktur physisch wie digital. Denn die Wasserversorgung gehört zur kritischen Infrastruktur unseres Landes. Deshalb brauchen wir praktikable Sicherheitsstandards, resiliente Systeme und eine Umsetzung, die in der Praxis funktioniert. Zugleich werden wir interkommunale Kooperationen, Digitalisierung und resiliente Infrastrukturen weiter stärken. Denn Versorgungssicherheit entsteht nicht im Alleingang“, so Backhaus abschließend.