Drese würdigt Engagement des Lotsennetzwerks MV: „Suchtkranke Menschen brauchen Verständnis, Hilfe und Begleitung“
Im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche Alkohol finden vom 13. bis zum 21. Juni in ganz Deutschland zahlreiche Aktionen statt, die dazu einladen, sich kritisch mit Alkohol und Alkoholkonsum auseinanderzusetzen. Eine wichtige Veranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern war zum Auftakt der Aktionswoche der Fachtag des Lotsennetzwerkes der Suchtselbsthilfe in MV.
Der Fachtag in Rostock brachte Fachkräfte aus Suchthilfe, Selbsthilfe und Gesundheitswesen zusammen, zeigte aber auch die große Bedeutung der in einem Lotsennetzwerk arbeitenden ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleitern, die suchtkranke Menschen in das Hilfesystem integrieren und sie beim Ausstieg aus der Sucht unterstützen.
„Nach einer Entgiftung oder einer Therapie ist es oft schwer, wieder Fuß zu fassen, sich in der neuen Lebenssituation zu orientieren und abstinent zu leben. Dabei helfen unsere Lotsinnen und Lotsen, die oft selbst über Erfahrungen mit Suchterkrankungen verfügen oder die Herausforderungen als Angehörige kennen“, erklärte Gesundheitsministerin Stefanie Drese, die den Fachtag mit einem Videogrußwort eröffnete.
Diese Erfahrungen seien besonders wertvoll, weil die Lotsen den Betroffenen so auf Augenhöhe und ohne Vorurteile begegnen können. „Außerdem machen sie Mut und zeigen: Keiner ist allein und es gibt ein Leben nach der Sucht“, so Drese.
Die Ministerin verwies in diesem Zusammenhang auch auf die weiterhin große Häufigkeit von Suchterkrankungen in Mecklenburg-Vorpommern. So suchten im Jahr 2024 insgesamt 8.850 Menschen Unterstützung in den 24 Sucht- und Drogenberatungsstellen Mecklenburg-Vorpommerns. Das waren 290 Personen mehr als im Jahr davor. „Diese Zahlen zeigen, dass Suchterkrankungen keine Randerscheinung sind. Sie betreffen viele Menschen und wirken sich oft auf ganze Familien aus“, sagte Drese.
Für Kinder aus psychisch- und suchtbelasteten Familien gibt es deshalb in MV seit 2023 ein eigenes Angebot in Form der KipsFam-Regionalstellen, um auch ihnen Hilfestellung im Umgang mit der belastenden Lebenssituation zu geben, in der sie großwerden. „Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle. Schätzungen zufolge sind rund 73.000 Kinder allein in MV betroffen“, unterstrich Drese.
Sie hoffe aber auch, dass die Aktionswoche Alkohol dazu beitrage, noch bestehende Stigmata abzubauen, die oft auch den Weg in das Hilfsnetz blockieren. „Sucht ist keine Charakterschwäche, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung, für die man sich, wie bei anderen Krankheiten auch, Hilfe suchen kann und sollte. Ich würde mir deshalb wünschen, dass wir die Scham rund um dieses Thema verlieren, damit Betroffene möglichst frühzeitig Hilfe bekommen“, so die Ministerin weiter.
Je früher das der Fall sei, desto größer seien auch die Chancen auf eine erfolgreiche Stabilisierung und ein selbstbestimmtes Leben. „Denn wir wissen, dass Sucht eine Erkrankung ist, die tief in die menschliche Psyche eingreift. Wir wissen, dass das eigene Belohnungssystem unseres Gehirns gegen einen arbeitet. Und das zu durchbrechen, das braucht eine unvorstellbar große Menge an Kraft und eben auch Menschen wie unsere Lotsinnen und Lotsen, die an einen glauben“, betonte Drese.
Informationen zu den Lotsen finden Interessierte unter https://lotsennetzwerk-mv.org/. Eine Übersicht aller Suchtberatungsstellen sowie verschiedener Onlineberatungsangebote stellt unterdessen die Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen (LAKOST) zur Verfügung: https://www.lakost-mv.de/unterstuetzung. Auch die KipsFam-Anlaufstellen sind kostenfrei, ebenso wie die weiteren Veranstaltungen zur Aktionswoche Alkohol.