Drese auf dem ersten landesweiten Fachtag: „Einsamkeit ist ein subjektives Gefühl – aber ihre Folgen sind gesellschaftlich sichtbar.“
Einsamkeit ist längst kein Randphänomen mehr. Etwa jede neunte erwachsene Person in Deutschland fühlt sich einsam. Sie betrifft Menschen aller Generationen und Lebenslagen und stellt eine der großen sozialen Herausforderungen unserer Zeit dar.
Beim ersten vom Sozialministerium organisierten landesweiten Fachtag „Gemeinsam statt einsam – mit Teilhabe gegen Einsamkeit“ kamen heute in Schwerin über 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Verbänden, Wissenschaft, Initiativen, Ehrenamt und Politik zusammen, um gemeinsam Strategien gegen Einsamkeit zu entwickeln und bestehende Netzwerke zu stärken.
„Die große Resonanz auf diesen Fachtag zeigt, wie sehr das Thema die Menschen bewegt. Einsamkeit ist kein individuelles Problem einzelner Menschen, sondern eine Herausforderung für unsere gesamte Gesellschaft“, betonte Sozialministerin Stefanie Drese in ihrer Grundsatzrede zum Auftakt des Fachtags.
„Wer sich dauerhaft ausgeschlossen fühlt, verliert nicht nur Lebensqualität, sondern oft auch Vertrauen in Mitmenschen und gesellschaftliche Institutionen und hat häufiger psychische und körperliche Erkrankungen“, sagte Drese.
Besonders betroffen seien häufig Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Aber auch junge Menschen in Übergangsphasen wie dem Start ins Studium oder Berufsleben fühlen sich oft einsam. „Deshalb müssen wir möglichst frühzeitig ansetzen und Menschen in allen Lebensphasen unterstützen“, verdeutlichte die Ministerin.
Drese betonte, dass Mecklenburg-Vorpommern das Thema frühzeitig u.a. in der Koalitionsvereinbarung aufgegriffen und bereits wichtige Strukturen aufgebaut hat. So wurden im Rahmen des „Runden Tisches gegen Einsamkeit im Alter“ mit mehr als 60 Beteiligten konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet. Daraus entstanden Maßnahmen zur Stärkung von Begegnungsorten, zur Verbesserung von Mobilität und Barrierefreiheit sowie zur Förderung von Engagement und digitaler Teilhabe.
Für die Zukunft setzt das Land verstärkt auf niedrigschwellige Begegnungsangebote und sogenannte „Dritte Orte“ – offene, kostenfreie Treffpunkte für Menschen aller Generationen. „Wir können keine Freundschaften verordnen. Aber wir können Orte schaffen, an denen Menschen sich begegnen, miteinander ins Gespräch kommen und Gemeinschaft erleben können“, erklärte Drese.
Zugleich hob die Ministerin die zentrale Rolle von Kommunen, Vereinen und Ehrenamtlichen hervor. „Die Orte, an denen Gemeinschaft entsteht, finden wir vor allem in unseren Städten und Gemeinden. Dort wird Zusammenhalt gelebt – in Nachbarschaften, Vereinen, Begegnungsstätten und Mehrgenerationenhäusern.“
Der Fachtag soll zugleich den Auftakt für eine noch engere Vernetzung im Land bilden. Perspektivisch soll aus den bisherigen Erfahrungen ein landesweites Netzwerk gegen Einsamkeit entstehen. Mecklenburg-Vorpommern beteiligt sich zudem an der bundesweiten Allianz gegen Einsamkeit.
„Einsamkeit lässt sich nicht mit einer einzelnen Maßnahme überwinden“, so Drese abschließend. „Sie braucht Begegnung, Teilhabe und verlässliche Strukturen. Wo Menschen dazugehören und sich einbringen können, entsteht eine starke Gemeinschaft. Daran arbeiten wir gemeinsam.“