Land sichert Zukunft für Gut Dummerstorf
Für das traditionsreiche Gut Dummerstorf beginnt ein neues Kapitel: Die Geschäftsanteile der Gut Dummerstorf GmbH sowie die Hofstelle werden an Friederike von Hollen veräußert. Die landwirtschaftlichen Nutzflächen von rund 1.000 Hektar bleiben im Eigentum des Landes Mecklenburg-Vorpommern und werden langfristig an die Erwerberin verpachtet. Damit werden die Zukunft des Standortes, die Arbeitsplätze der Beschäftigten und die landwirtschaftliche Forschungsinfrastruktur langfristig gesichert. Zugleich wird ein wesentlicher struktureller Wettbewerbsnachteil beseitigt: Der Betrieb erhält künftig erstmals Zugang zu den regulären Investitionsförderprogrammen der Europäischen Union und damit neue Möglichkeiten für Investitionen und Weiterentwicklung.
„Heute geht es nicht um das Ende einer Geschichte, sondern um einen Neuanfang. Mit der Übergabe an eine junge Landwirtin aus der Region schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass Gut Dummerstorf auch künftig ein starker Forschungs- und Agrarstandort bleibt. Wir sichern Arbeitsplätze, ermöglichen Investitionen und geben dem Betrieb eine langfristige Perspektive“, erklärte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus.
Die Gut Dummerstorf GmbH wurde 1999 als Tochtergesellschaft der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern gegründet. Ihre Aufgabe bestand darin, Flächen und Stallanlagen für Forschung, Wissenschaft und Lehre in Kooperation mit der Landesforschungsanstalt, der Universität Rostock und dem Forschungsinstitut für Nutztierbiologie bereitzustellen und gleichzeitig einen leistungsfähigen landwirtschaftlichen Betrieb zu führen.
Der Betrieb entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem der leistungsstärksten Milchviehbetriebe Mecklenburg-Vorpommerns. Die Milchleistung liegt aktuell bei rund 13.500 Kilogramm Milch je Kuh und Jahr. Im Jahresdurchschnitt werden regelmäßig Werte zwischen 11.500 und 12.000 Kilogramm je Kuh erreicht. Damit zählt Gut Dummerstorf seit Jahren zu den Spitzenbetrieben des Landes und unterstreicht die hohe fachliche Kompetenz der Beschäftigten.
„Die Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Stall und auf dem Feld zeigen, welches Know-how und welches Engagement am Standort vorhanden sind“, sagte Backhaus. Gleichzeitig waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Unternehmens seit seiner Gründung schwierig. Der Betrieb verfügte weder über eigene landwirtschaftliche Flächen noch über eine ausreichende Eigenkapitalausstattung für größere Zukunftsinvestitionen.
Hinzu kam ein struktureller Nachteil in der Eigentümerkonstellation des Unternehmens: Als Tochtergesellschaft einer landeseigenen Gesellschaft war die Gut Dummerstorf GmbH von zentralen Investitionsförderprogrammen der Europäischen Union ausgeschlossen. Während andere landwirtschaftliche Betriebe Fördermittel für Stallmodernisierungen, Digitalisierung, Energieeffizienz oder Tierwohlmaßnahmen nutzen konnten, mussten notwendige Investitionen in Dummerstorf weitgehend aus eigener Kraft finanziert werden.
„Die wirtschaftlichen Herausforderungen des Unternehmens waren nicht das Ergebnis mangelnder Leistung. Im Gegenteil: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben über viele Jahre bewiesen, dass in Dummerstorf auf höchstem Niveau gewirtschaftet wird. Land und Landgesellschaft haben den Betrieb über Jahre hinweg unterstützt, unter anderem durch Pachterleichterungen und Darlehen. Dennoch ist deutlich geworden, dass eine dauerhafte wirtschaftliche Stabilisierung innerhalb der bisherigen Struktur nicht erreichbar ist“, erklärte Backhaus.
Deshalb beschloss der Aufsichtsrat der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern bereits im Februar 2025, einen neuen Weg einzuschlagen. In einem Interessenbekundungsverfahren wurde gezielt nach einer Lösung gesucht, die sowohl die Zukunft des Betriebes als auch die Forschungsinfrastruktur langfristig sichert. Den Zuschlag erhielt nun Friederike von Hollen. Sie legte das wirtschaftlich überzeugendste Gesamtangebot vor und verpflichtete sich zugleich, die Forschungsinfrastruktur am Standort weiterhin zur Verfügung zu stellen.
„Mit Friederike von Hollen übernimmt eine engagierte Unternehmerin aus der Region Verantwortung. Das ist ein starkes Signal für die Zukunft unserer Landwirtschaft. Familienbetriebe denken in Generationen, investieren langfristig und sind eng mit ihrer Heimat verbunden. Genau diese Perspektive braucht Gut Dummerstorf jetzt“, betonte Backhaus.
Der bisherige Geschäftsführer der Gut Dummerstorf GmbH und Geschäftsführer der Landgesellschaft MV, Till Pagels, ergänzte: „Ich freue mich, dass wir mit Friederike von Hollen eine Nachfolgerin gefunden haben, die den Betrieb, die Region und die Besonderheiten des Forschungsstandortes kennt. In den kommenden Monaten werden wir die Übergabe gemeinsam gestalten und einen reibungslosen Übergang gewährleisten. Dass im Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft eine junge Unternehmerin die Verantwortung für einen so bedeutenden Betrieb übernimmt, ist zudem ein starkes Signal für die Zukunft unserer Branche.“