Weltdrogentag 2026: Alkohol bleibt die gefährlichste Droge in MV

Nr.155  | 25.06.2026  | SM  | Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport

Anlässlich des Internationalen Weltdrogentages am 26. Juni hat Sozialministerin Stefanie Drese vor den weiterhin dramatischen Folgen von Alkoholmissbrauch und Alkoholsucht in Mecklenburg-Vorpommern gewarnt.

„Wenn wir über Drogen sprechen, denken viele zuerst an Cannabis oder synthetische Substanzen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Alkohol ist mit großem Abstand die Droge Nummer eins in unserem Land – und die mit den schwerwiegendsten gesundheitlichen und sozialen Folgen“, erklärte Drese.

Nach aktuellen Schätzungen leben in Mecklenburg-Vorpommern rund 38.200 alkoholabhängige Menschen. Damit weist das Land mit einem Anteil von 2,35 Prozent der Bevölkerung bundesweit den höchsten Wert auf. Das Risiko, alkoholabhängig zu werden, ist in Mecklenburg-Vorpommern etwa 56 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt.

Auch die Zahl der Menschen, die alkoholbedingt Hilfe benötigen, bleibt auf hohem Niveau. Nach Angaben der Krankenkasse BARMER befanden sich zuletzt mehr als 42.000 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern aufgrund einer Alkoholsucht in medizinischer Behandlung – darunter fast 33.700 Männer und mehr als 8.800 Frauen. Besonders häufig betroffen sind Menschen in der zweiten Lebenshälfte.

„Diese Zahlen machen deutlich: Alkohol ist und bleibt eine der größten gesundheitlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen unseres Landes“, betonte Drese. Dies zeige auch die Entwicklung in den Sucht- und Drogenberatungsstellen. Nachdem die Zahl der betreuten Menschen mit Alkoholabhängigkeit über mehrere Jahre rückläufig gewesen war, steigt sie nun wieder an. Wurden 2023 noch 4.978 Betroffene beraten, waren es 2024 bereits 5.223 und im Jahr 2025 sogar 5.287 Menschen.

„Hinter jeder Zahl steht ein persönliches Schicksal – Familien, Partnerschaften und Arbeitsverhältnisse, die durch eine Suchterkrankung belastet oder zerstört werden. Deshalb dürfen wir die Alkoholproblematik nicht verharmlosen“, sagte die Ministerin. Vor allem Kinder in suchtbelasteten Familien seien betroffen und benötigen Hilfe und Unterstützung, wie etwa durch die neu aufgebauten KipsFam-Beratungsstellen, die es in allen Landkreisen und den beiden kreisfreien Städten des Landes gibt.  

Dass Alkohol auch bei jungen Menschen weiterhin eine große Rolle spielt, zeigen aktuelle Ergebnisse einer Studie der Universität Greifswald. Demnach haben bereits 61,5 Prozent der Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern Erfahrungen mit Alkohol gemacht. Das durchschnittliche Erstkonsumalter liegt bei lediglich 13,1 Jahren. Besonders alarmierend: Vier von zehn befragten Jugendlichen weisen Hinweise auf einen riskanten oder problematischen Alkoholkonsum auf.

„Wer mit 13 Jahren erstmals Alkohol trinkt, entwickelt früh problematische Konsummuster. Deshalb müssen Prävention und Aufklärung deutlich früher beginnen als bislang“, so Drese. Die Ministerin verwies darauf, dass Alkohol unter Jugendlichen wesentlich weiterverbreitet sei als illegale Drogen. Während knapp 30 Prozent der Jugendlichen in den vergangenen 30 Tagen Alkohol konsumierten, lag dieser Wert bei Cannabis bei lediglich 5,2 Prozent. Andere illegale Drogen spielen nach den Ergebnissen der Studie nur eine untergeordnete Rolle.

Drese spricht sich deshalb zum Weltdrogentag für eine konsequente Stärkung der Präventionsarbeit aus. „Kinder und Jugendliche brauchen klare Orientierung und Schutz. Dazu gehört auch, kritisch zu hinterfragen, welche Signale wir als Gesellschaft aussenden. Alkohol gehört vielerorts selbstverständlich zum Alltag, zu Familienfeiern, Vereinsfesten oder öffentlichen Veranstaltungen. Gleichzeitig wissen wir um die enormen gesundheitlichen Risiken. Diese Widersprüche müssen wir offen ansprechen, um Verhaltensmuster aufzubrechen.“