Digitale Führung durch Auschwitz-Birkenau
Bildungsministerin würdigt langjähriges Engagement des Eldenburg-Gymnasiums Lübz
Anlässlich des Projekts „Auschwitz. In front of your eyes“ hat Bildungsministerin Simone Oldenburg das langjährige Engagement des Eldenburg-Gymnasiums Lübz für Demokratiebildung und Erinnerungskultur gewürdigt. Im Rahmen der Themenwoche „Mensch sein“ der 9. Jahrgangsstufe haben Schülerinnen und Schüler der Schule an einem digitalen Live-Rundgang durch die Gedenkstätte Auschwitz teilgenommen. „Die digitale Führung ist ein wichtiges Angebot, um jungen Menschen das Wissen über den Holocaust eindringlich zu vermitteln – gerade dann, wenn ein Besuch vor Ort nicht möglich ist. Erinnerungskultur ist das Fundament unserer Demokratie. Sie schützt vor Geschichtsverfälschung und dem Wiedererstarken menschenverachtender Ideologien“, so die Bildungsministerin.
Mit dem Projekt „Auschwitz. In front of your eyes“ eröffnet die Stiftung Auschwitz-Birkenau neue Wege der historischen Bildung. Die rund 105-minütige Live-Führung wird von speziell geschulten Guides durchgeführt und kombiniert Kamerabilder vom Gelände mit Archivmaterial, Zeitzeugen-Videos und interaktiven Elementen. Sie ist in sieben Sprachen verfügbar und kann über visit.auschwitz.org gebucht werden. Das Angebot ist didaktisch fundiert, interaktiv und niedrigschwellig. Es ersetzt keinen realen Besuch, sondern ergänzt die schulische Vermittlung historisch-politischer Bildung.
Die Idee für das Projekt entstand während der Corona-Pandemie, als die Gedenkstätte für Besucherinnen und Besucher geschlossen war. Heute ist es eine Antwort auf schwindende Zeitzeugen und wachsende gesellschaftliche Herausforderungen. „Da immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen persönlich von ihren Erfahrungen berichten können, gewinnen neue Formate der Erinnerungsarbeit, wie dieses digitale Angebot, an Bedeutung“, sagte Simone Oldenburg. „Denn sie helfen, die Erinnerung an die Menschheitsverbrechen des Nationalsozialismus lebendig zu halten und den Opfern auch für kommende Generationen eine Stimme zu geben“, so Oldenburg.
Wie dies auch in der schulischen Praxis gelingen kann, zeigt das Eldenburg-Gymnasium Lübz nach Ansicht der Ministerin seit vielen Jahren in besonderer Weise durch die Umsetzung zahlreicher Projekte zur historisch-politischen Bildung. So waren Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums beispielsweise an dem Projekt „Als junger Mensch in der Shoah“ beteiligt. Dabei wurden Interviews mit Holocaust-Überlebenden aufgezeichnet und für den Unterricht dauerhaft zugänglich gemacht.
Zur Stärkung der historisch-politischen Bildung hat die Landesregierung die Mittel für Gedenkstättenfahrten in die ehemaligen deutschen NS-Vernichtungslager in Polen auf 300.000 Euro aufgestockt und im Vergleich zum Jahr 2021 damit versechsfacht. Allein in diesem Jahr können somit mehr als 1.000 Schülerinnen und Schüler unter anderem nach Auschwitz fahren. Darüber hinaus wurde die Beantragung von Mitteln für Gedenkstättenfahrten im Inland erleichtert und die Schulen erhalten höhere Zuschüsse. Zusammen mit den Gedenkstätten im Land hat das Bildungsministerium zudem einen Leitfaden sowie Qualitätsstandards für schulische Besuche entwickelt.
Ab dem kommenden Jahr widmen sich alle weiterführenden Schulen ab Jahrgangsstufe 5 am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust intensiv, jahrgangsbezogen oder jahrgangsübergreifend der Erinnerungsarbeit. Die Verpflichtung zum Gedenk- und Projekttag bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Aktivitäten zur Auseinandersetzung mit der NS-Gewaltherrschaft ausschließlich an diesem Tag stattfinden müssen. Ziel ist es vielmehr, den 27. Januar sinnvoll in bestehende Unterrichtskonzepte einzubinden. Grundschulen werden ermutigt, sich ebenfalls zu beteiligen.