MV will mehr Forschung in seine Biosphärenreservate holen

Nr.208/2026  | 30.06.2026  | LM  | Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt

 

Mecklenburg-Vorpommern will seine UNESCO-Biosphärenreservate künftig noch stärker als Forschungsstandorte etablieren. Mit einem neuen Forschungsthemenkatalog laden die Biosphärenreservate Schaalsee und Flusslandschaft Elbe Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gezielt ein, zentrale Zukunftsfragen zu Klimawandel, Artenvielfalt und nachhaltiger Landnutzung direkt vor Ort zu erforschen.

„Unsere Biosphärenreservate sind keine Freilichtmuseen. Sie sind Zukunftslabore, in denen wir Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit entwickeln – vom Klimawandel über den Schutz der biologischen Vielfalt bis hin zu einer nachhaltigen Landnutzung. Mit dem neuen Forschungsthemenkatalog laden wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausdrücklich ein, Mecklenburg-Vorpommern als Forschungsstandort zu nutzen“, sagte Umweltminister Dr. Till Backhaus.

Mecklenburg-Vorpommern verfügt mit drei Nationalparken, drei UNESCO-Biosphärenreservaten und sieben Naturparken über eines der dichtesten Netze großflächiger Schutzgebiete Deutschlands. Insgesamt stehen 545.700 Hektar und damit fast 18 Prozent der Landesfläche unter besonderem Schutz. Allein die drei Biosphärenreservate umfassen rund 100.000 Hektar.

Ein besonderer Vorteil für die Forschung sind die über Jahrzehnte aufgebauten Datenbestände der Biosphärenreservate. Langfristige Erhebungen zu Artenvielfalt, Wasserhaushalt und Landnutzung ermöglichen es, Veränderungen wissenschaftlich fundiert zu bewerten und praxisnahe Lösungen für Natur-, Klima- und Ressourcenschutz zu entwickeln. Der neue Forschungsthemenkatalog knüpft daran an, bündelt konkrete Forschungsfragen und erleichtert die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Praxis.

Wie praxisnah diese Forschung ist, zeigen zahlreiche Projekte: Auf der Techiner Waldweide wird mithilfe eines Senderhalsbandes untersucht, wie Rinder naturschutzfachlich wertvolle Weideflächen nutzen. Die gewonnenen Daten helfen, extensive Beweidung gezielt zu steuern und Naturschutz mit landwirtschaftlicher Nutzung in Einklang zu bringen.

Ein weiteres Beispiel ist die Schaalseemaräne. Nachdem genetische Untersuchungen nachgewiesen hatten, dass eine Restpopulation der seltenen Fischart erhalten geblieben war, wurde ein wissenschaftlich begleitetes Wiederansiedlungsprogramm entwickelt. Dabei entstanden neue Erkenntnisse zur Aufzucht der Jungfische und zu ihren Lebensraumansprüchen.

Auch gesellschaftliche Fragestellungen stehen im Fokus. Gemeinsam mit der Universität Lüneburg wurde für die Stadt Boizenburg ein kommunaler Nachhaltigkeitsbericht entwickelt, der Politik, Verwaltung und Bürgerschaft als Grundlage für eine nachhaltige Stadtentwicklung dient und inzwischen Vorbildcharakter für weitere Kommunen besitzt.

Bereits heute zeigt sich das große Interesse an den neuen Forschungsangeboten: Allein in den vergangenen Monaten wurden auf Grundlage des Forschungsthemenkatalogs bereits sieben studentische Abschlussarbeiten in den beiden Biosphärenreservaten begonnen. Hinzu kommen zahlreiche Projekte mit unmittelbarem Nutzen für den Natur- und Klimaschutz. So wurden beispielsweise 40 Kleingewässer für Amphibien wie die Rotbauchunke saniert oder neu angelegt. Im Bundesförderprojekt BROMMI fließen seit 2021 gemeinsam mit dem WWF und weiteren Partnern rund acht Millionen Euro in den Insektenschutz.

Forschung und Umweltbildung gehen dabei Hand in Hand. Zwischen 2021 und 2025 nahmen mehr als 3,67 Millionen Besucherinnen und Besucher an Führungen, Exkursionen, Vorträgen und Ausstellungen in den Nationalen Naturlandschaften Mecklenburg-Vorpommerns teil. Dafür steht ihnen heute ein Netz von rund 7.480 Kilometern Wander-, Rad-, Reit- und Lehrpfaden zur Verfügung.

„Forschung endet nicht im Labor. Sie liefert konkrete Lösungen für den Natur-, Klima- und Ressourcenschutz und unterstützt Kommunen, Landnutzer und Politik gleichermaßen. Mit dem Forschungsthemenkatalog schaffen wir jetzt die Voraussetzungen dafür, dass noch mehr wissenschaftliche Projekte ihren Weg nach Mecklenburg-Vorpommern finden und unsere Biosphärenreservate ihre Rolle als Modellregionen nachhaltiger Entwicklung weiter ausbauen können“, so Backhaus.

Der Forschungsthemenkatalog ist sowohl auf der Website des Biosphärenreservats Schaalsee (Forschungsthemenkatalog) als des Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe M-V (Forschungsthemenkatalog) zu finden.

Auch in dem Biosphärenreservat Südost-Rügen, den 3 Nationalparken und den 7 Naturparken in Mecklenburg-Vorpommern wird intensiv geforscht. Weiterführende Informationen stehen unter Natur in Mecklenburg-Vorpommern