Reise nach Zentralasien: Teilnehmende ziehen Bilanz

Werben um Fachkräfte für M-V: „Erwerbsmigration beginnt nicht erst am Flughafen“

Nr.89/26  | 04.07.2026  | WM  | Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit

Mecklenburg-Vorpommern will stärker um Arbeits- und Fach­kräfte aus Zentralasien werben. Deshalb ist Wirtschaftsstaats­sekretär Jochen Schulte in dieser Woche gemeinsam mit hochrangigen Vertretern der IHK Neubrandenburg für das öst­liche Mecklenburg-Vorpommern, der Bundesagentur für Arbeit, der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern sowie von Unternehmen nach Usbekistan und Kirgisistan gereist. Die Delegation aus Meck­lenburg-Vorpommern hat dort eine Vielzahl von Gesprächen mit Regierungsstellen, Bildungseinrichtungen, Sprachschulen, Wirtschaftsvertretern und deutschen Institutionen geführt.

Ziel ist es, junge Menschen bereits im Herkunftsland auf Aus­bildung und Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern vorzube­reiten. Dazu gehören Sprachunterricht, berufliche Orien­tierung, Informationen über das Leben in Deutschland und der direkte Kontakt zu Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpom­mern. 

„Unsere Unternehmen brauchen Arbeits- und Fachkräfte – auch aus dem Ausland. Dafür müssen wir auch international stärker werben. Wichtig ist aber: Erwerbsmigration darf nicht erst am Flughafen beginnen. Junge Menschen müssen vorher wissen, was sie erwartet. Sie brauchen Sprachkenntnisse, Orientierung und faire Bedingungen“, sagte Schulte.

Ein Ergebnis der Reise ist die Unterzeichnung einer gemein­samen Absichtserklärung mit der Agentur für Arbeitsmigration der Republik Usbekistan. Darin vereinbaren beide Seiten eine engere Zusammenarbeit bei beruflicher Ausbildung und Arbeitsmigration. Es geht unter anderem um Sprachbildung im Herkunftsland, Vorbereitung auf Ausbildung und Arbeit in Deutschland sowie faire Bedingungen nach deutschem Recht.

Auch Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern waren in die Reise eingebunden. Sie stellten sich und ihre Bedarfe vor. Zugleich wurde Mecklenburg-Vorpommern als Ausbildungs-, Arbeits- und Lebensort präsentiert. 

„Sprache ist ein wichtiger Schlüssel, aber sie allein reicht nicht. Wer zu uns kommt, muss wissen, wie Ausbildung und Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern funktionieren. Und unsere Betriebe müssen frühzeitig mit möglichen Bewerberinnen und Bewerbern ins Gespräch kommen“, sagte Schulte. 

Der Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Markus Biercher, hat die Delegationsreise begleitet und folgendes Fazit gezogen: „Die Delegationsreise hat ein­drucksvoll gezeigt, welches Potenzial die zentralasiatischen Länder für die Gewinnung von Fachkräften und Auszubil­denden bieten. Besonders beeindruckt haben die hohe Kooperationsbereitschaft und das große Engagement der lokalen Akteure. Für die Unternehmen in Mecklenburg-Vor­pommern eröffnen sich dadurch gute Perspektiven, um ihren Bedarf an Fachkräften langfristig zu sichern.“ 

Aus Sicht der Industrie und Handelskammer kommt es vor allem darauf an, die Gewinnung internationaler Fachkräfte stärker mit praktischen Anforderungen der Betriebe zu ver­binden. Krister Hennige, Präsident der IHK Neubrandenburg, wertet die Delegationsreise als vollen Erfolg. „Unsere Unter­nehmen brauchen verlässliche Perspektiven. Genau diese Weichen haben wir auf der Reise gestellt. Wir haben trag­fähige Partnerschaften aufgebaut und den Grundstein dafür gelegt, Fachkräfte aus Zentralasien zu gewinnen. Jetzt gilt es, die vereinbarten Kooperationen nachhaltig in die Praxis um­zusetzen“, so Hennige.

Auch die Vereinigung der Unternehmensverbände Mecklen­burg-Vorpommern sieht in der Reise einen wichtigen Schritt, um Erwerbsmigration stärker an den Bedarfen der Betriebe auszurichten. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der VU, Sven Müller, betonte: „Die VU und das Bildungswerk der Wirtschaft MV befinden sich bereits im 5. Jahr in einem inten­siven Austausch mit den Arbeitgeberdachverbänden Zentral­asiens. Die Zusammenarbeit in den Bereichen der Ausbil­dung/Qualifikation und Erwerbsmigration stehen dabei in einem besonderen Fokus. Die Delegationsreise und die gewonnenen Erkenntnisse haben gezeigt, dass die Länder Zentralasiens und MV gemeinsame Projekte auf den Weg bringen können, die allen gleichermaßen nutzen.“ 

Schulte kündigte an, die Kontakte nun gemeinsam mit Kam­mern, Verbänden, Arbeitsverwaltung und Unternehmen weiterzuverfolgen. Der nächste Schritt sei, feste Ansprech­partner zu benennen, geeignete Berufsfelder zu identifizieren und konkrete Wege in Ausbildung und Beschäftigung zu entwickeln.