Reise nach Zentralasien: Teilnehmende ziehen Bilanz
Werben um Fachkräfte für M-V: „Erwerbsmigration beginnt nicht erst am Flughafen“
Mecklenburg-Vorpommern will stärker um Arbeits- und Fachkräfte aus Zentralasien werben. Deshalb ist Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Schulte in dieser Woche gemeinsam mit hochrangigen Vertretern der IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern, der Bundesagentur für Arbeit, der Vereinigung der Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern sowie von Unternehmen nach Usbekistan und Kirgisistan gereist. Die Delegation aus Mecklenburg-Vorpommern hat dort eine Vielzahl von Gesprächen mit Regierungsstellen, Bildungseinrichtungen, Sprachschulen, Wirtschaftsvertretern und deutschen Institutionen geführt.
Ziel ist es, junge Menschen bereits im Herkunftsland auf Ausbildung und Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern vorzubereiten. Dazu gehören Sprachunterricht, berufliche Orientierung, Informationen über das Leben in Deutschland und der direkte Kontakt zu Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern.
„Unsere Unternehmen brauchen Arbeits- und Fachkräfte – auch aus dem Ausland. Dafür müssen wir auch international stärker werben. Wichtig ist aber: Erwerbsmigration darf nicht erst am Flughafen beginnen. Junge Menschen müssen vorher wissen, was sie erwartet. Sie brauchen Sprachkenntnisse, Orientierung und faire Bedingungen“, sagte Schulte.
Ein Ergebnis der Reise ist die Unterzeichnung einer gemeinsamen Absichtserklärung mit der Agentur für Arbeitsmigration der Republik Usbekistan. Darin vereinbaren beide Seiten eine engere Zusammenarbeit bei beruflicher Ausbildung und Arbeitsmigration. Es geht unter anderem um Sprachbildung im Herkunftsland, Vorbereitung auf Ausbildung und Arbeit in Deutschland sowie faire Bedingungen nach deutschem Recht.
Auch Unternehmen aus Mecklenburg-Vorpommern waren in die Reise eingebunden. Sie stellten sich und ihre Bedarfe vor. Zugleich wurde Mecklenburg-Vorpommern als Ausbildungs-, Arbeits- und Lebensort präsentiert.
„Sprache ist ein wichtiger Schlüssel, aber sie allein reicht nicht. Wer zu uns kommt, muss wissen, wie Ausbildung und Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern funktionieren. Und unsere Betriebe müssen frühzeitig mit möglichen Bewerberinnen und Bewerbern ins Gespräch kommen“, sagte Schulte.
Der Chef der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Markus Biercher, hat die Delegationsreise begleitet und folgendes Fazit gezogen: „Die Delegationsreise hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial die zentralasiatischen Länder für die Gewinnung von Fachkräften und Auszubildenden bieten. Besonders beeindruckt haben die hohe Kooperationsbereitschaft und das große Engagement der lokalen Akteure. Für die Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern eröffnen sich dadurch gute Perspektiven, um ihren Bedarf an Fachkräften langfristig zu sichern.“
Aus Sicht der Industrie und Handelskammer kommt es vor allem darauf an, die Gewinnung internationaler Fachkräfte stärker mit praktischen Anforderungen der Betriebe zu verbinden. Krister Hennige, Präsident der IHK Neubrandenburg, wertet die Delegationsreise als vollen Erfolg. „Unsere Unternehmen brauchen verlässliche Perspektiven. Genau diese Weichen haben wir auf der Reise gestellt. Wir haben tragfähige Partnerschaften aufgebaut und den Grundstein dafür gelegt, Fachkräfte aus Zentralasien zu gewinnen. Jetzt gilt es, die vereinbarten Kooperationen nachhaltig in die Praxis umzusetzen“, so Hennige.
Auch die Vereinigung der Unternehmensverbände Mecklenburg-Vorpommern sieht in der Reise einen wichtigen Schritt, um Erwerbsmigration stärker an den Bedarfen der Betriebe auszurichten. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der VU, Sven Müller, betonte: „Die VU und das Bildungswerk der Wirtschaft MV befinden sich bereits im 5. Jahr in einem intensiven Austausch mit den Arbeitgeberdachverbänden Zentralasiens. Die Zusammenarbeit in den Bereichen der Ausbildung/Qualifikation und Erwerbsmigration stehen dabei in einem besonderen Fokus. Die Delegationsreise und die gewonnenen Erkenntnisse haben gezeigt, dass die Länder Zentralasiens und MV gemeinsame Projekte auf den Weg bringen können, die allen gleichermaßen nutzen.“
Schulte kündigte an, die Kontakte nun gemeinsam mit Kammern, Verbänden, Arbeitsverwaltung und Unternehmen weiterzuverfolgen. Der nächste Schritt sei, feste Ansprechpartner zu benennen, geeignete Berufsfelder zu identifizieren und konkrete Wege in Ausbildung und Beschäftigung zu entwickeln.