Backhaus übergibt Fördermittelbescheid an Landesjagdverband
Der Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Dr. Till Backhaus übergibt am Nachmittag (Freitag, 10. Februar 2026) in Zarrentin einen Fördermittelbescheid in Höhe von rund 263.550 Euro für den Zeitraum vom 30. Juni 2026 bis zum 15. November 2030 an den Präsidenten des Landesjagdverbandes. Mit dieser Summe soll ein in Deutschland bisher einmaliges Pilotprojekt der Wildökologischen Raumplanung im Landkreis Vorpommern-Greifswald in den kommenden fünf Jahren realisiert werden. Das Projektgebiet umfasst Flächen der beiden Forstämter Torgelow und Rothemühl sowie das Gut Klepelshagen im Eigentum der Deutschen Wildtierstiftung. Das Pilotprojekt umfasst eine Jagdfläche von rund 114.200 Hektar. Die Wildökologische Raumplanung sei ein Planungs- und Steuerungsinstrument für das Wildtiermanagement, um die Bedürfnisse von Wildtieren mit den Anforderungen von Land- und Forstwirtschaft in Einklang zu bringen, erklärt Backhaus.
„Die Landschaft und damit der Lebensraum für Wildtiere ist eine begrenzte Ressource, an die der Mensch immer mehr Nutzungsansprüche stellt. Kommt es zu Konflikten wie Wildschäden in der Landwirtschaft oder im Wald, gibt es viele Gründe dafür. Zur nachhaltigen Lösung dieser Wildtier-Mensch-Nutzungskonflikte in unserer Kulturlandschaft bedarf es einer objektiven Ursachenanalyse, der Einbeziehung aller beteiligten Akteure und eines umfassenden Instrumentensets. Ziel ist es, Lösungen zu finden. Dabei nur den einseitigen Lösungsansatz der Wildbestandsreduktion zu fordern, ist aus ökologischer sowie wildbiologischer Sicht sachlich nicht immer richtig und auch nicht nachhaltig wirkungsvoll. Ein multifaktorielles Schadensgeschehen erfordert nicht einen monokausalen Ansatz, sondern einen integralen Ansatz im Wildtiermanagement. Dies beinhaltet zum einen die Analyse aller Faktoren, die zu Wildschäden führen und zum anderen ein lokal angepasstes Lösungskonzept, an dem alle beteiligten Akteure zielgerichtet mitwirken. Dabei wollen wir in dem Pilotprojekt nun herausfinden, ob uns die Wildökologische Raumplanung bei dieser umfassenden Aufgabe schneller als bisher voranbringt“, so Minister Backhaus.
Das Konzept der Wildökologischen Raumplanung wurde in den 1980er Jahren von Prof. Dr. Friedrich Reimoser (Universität für Bodenkultur in Wien) entwickelt. Es wird seit vielen Jahren als erfolgreiches Instrument des Wildtiermanagements in verschiedenen Bundesländern Österreichs, in der Schweiz und in Liechtenstein angewendet.
Das Ziel des fünfjährigen Projekts (2026 – 2030) ist die Wildökologische Raumplanung als Planungs- und Steuerungsinstrument des Wildtiermanagements im Pilotprojektgebiet des Landkreises Vorpommern-Greifswald in Anwendung zu bringen. Damit soll der Einfluss des Wildes – vorrangig Schalenwild – auf land- und forstwirtschaftlich genutzten Flächen so gesteuert werden, dass Wildlebensräume erhalten bleiben, ein ökonomisch tolerierbares Schadensmaß und im Optimalfall eine wirkungsvolle Wildschadensprävention erreicht wird, insbesondere vor dem Hintergrund des notwendigen Waldumbaus aufgrund des Klimawandels. Die auf die lokalen Erfordernisse angepasste Wildökologische Raumplanung wird in Zusammenarbeit mit den betroffenen Akteursgruppen wie Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Jagd erarbeitet und abgestimmt. Planungen zu Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen und Windkraftanlagen sowie infrastrukturelle Planungsvorhaben müssen ebenfalls bei der Erarbeitung des Konzepts einbezogen werden.
Dieses Projekt dient der Demonstration auf welche Weise die Wildökologische Raumplanung unter administrativen Bedingungen bzw. behördlichen Strukturen und geltenden Jagdgesetzen in Deutschland in der Praxis umsetzbar ist.
Der Landesjagdbeirat, der die gesetzliche Aufgabe der Beratung und Unterstützung in Angelegenheiten der jagdlichen Verwaltung für das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Umwelt wahrnimmt, hat der Förderung des Pilotprojektes zugestimmt. Die Federführung des Projekts übernimmt der Landesjagdverband Mecklenburg-Vorpommern. Unterstützung bekommt er dabei vom Deutschen Jagdverband sowie der Universität für Bodenkultur in Wien, wo das Verfahren einst entwickelt wurde.
Minister Dr. Backhaus: „Ich erwarte, dass das innovative Projekt im Sinne der Jagdausübungsberechtigten sowie der Landeigentümer, die ihre Flächen landwirtschaftlich oder forst-lich nutzen wollen, zielgerichtet umgesetzt wird. Ich erhoffe mir, dass ein erfolgreiches Pilotprojekt wegweisende Ergebnisse und Entscheidungshilfen auch im politischen Diskurs bietet. Auf die Ergebnisse aus diesem Projekt bin ich daher sehr gespannt.“