Waldbrand Müritz: Land investiert – Bund muss handeln
Der Waldbrand im Müritz-Nationalpark hat sich aufgrund der anhaltenden Trockenheit und des böigen Windes weiter ausgebreitet. Aktuell sind rund 320 Hektar Waldfläche betroffen. Die Lage bleibt dynamisch. Der Brand ist weiterhin nicht unter Kontrolle.
Sicherheit der Bevölkerung hat oberste Priorität
„Mein erster Dank gilt allen Einsatzkräften, die seit Tagen unter schwierigsten Bedingungen Außergewöhnliches leisten. Feuerwehr, Nationalparkverwaltung, Landesforstanstalt, Landkreis, Polizei, THW, Bundeswehr und viele weitere Beteiligte arbeiten Hand in Hand, um Menschen zu schützen und den Brand einzudämmen. Dafür verdienen sie unseren größten Respekt“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umwelt- und Forstminister Dr. Till Backhaus heute bei einem Vor-Ort-Termin in Dalmsdorf.
Der starke Wind hatte die Ausbreitung des Feuers erheblich beschleunigt. Die Flammen breiten sich derzeit vor allem nach Süden und Osten aus. Die vorsorgliche Evakuierung des Ortsteils Granzin sei deshalb richtig und notwendig gewesen. Krienke sei derzeit nicht betroffen.
„Der Schutz der Bevölkerung und der Einsatzkräfte hat für uns oberste Priorität. Solange die Lage dynamisch bleibt, werden wir alle notwendigen Maßnahmen treffen, um Gefahren frühzeitig abzuwenden“, betonte Backhaus.
Landkreis: Langwieriger Einsatz – Bundeswehr unterstützt aus der Luft
Der Landrat des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, Thomas Müller, bezeichnete die Lage weiterhin als sehr anspruchsvoll. Am Morgen habe es auf der Brandfläche eine schwere Detonation gegeben, die nach ersten Erkenntnissen auf panzerbrechende Munition der Kategorie 4 zurückzuführen sei. Aufgrund der Munitionsbelastung könne das Gebiet weiterhin nicht betreten werden, was die Löscharbeiten erheblich erschwere.
„Wir haben deshalb Amtshilfe bei der Bundeswehr angefordert. Drei Hubschrauber, zwei davon mit jeweils 5.000-Liter-Löschwasserbehältern werden den Einsatz unterstützen und die Brandflächen gezielt benässen. Da große Teile des Gebietes nicht betreten werden können, müssen wir uns auf einen langwierigen Einsatz einstellen“, sagte Müller.
Der Landrat dankte zugleich der Bevölkerung für ihr Verständnis. Die Evakuierung der Ortslage Granzin sei eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen. Derzeit seien keine Wohnhäuser unmittelbar gefährdet. Gleichzeitig hob Müller die große Solidarität hervor: Auch die anderen Landkreise Mecklenburg-Vorpommerns unterstützen vor Ort. Rund 80 Prozent der Einsatzkräfte engagieren sich ehrenamtlich.
Über 100 Millionen Euro für Waldbrand- und Katastrophenschutz
Backhaus machte deutlich, dass Mecklenburg-Vorpommern den Waldbrand- und Katastrophenschutz in den vergangenen Jahren konsequent gestärkt habe. Rund 100 Millionen Euro haben das Landwirtschafts- und das Innenministerium gemeinsam in den Ausbau der Waldbrandvorsorge, der Feuerwehren und der Löschwasserinfrastruktur investiert.
Allein das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt stellte dafür mehr als 50 Millionen Euro bereit. Dazu gehören unter anderem:
- 3 Millionen Euro aus dem ELER-Programm für Waldbrandzentrale, Wundstreifen und Löschwasserentnahmestellen,
- 2,5 Millionen Euro für das Projekt THOR, mit dem neue Standards für den Einsatz auf munitionsbelasteten Flächen sowie moderne Spezialtechnik entwickelt wurden,
- jährlich rund 1,5 Millionen Euro der Landesforstanstalt für vorbeugenden Waldbrandschutz,
- 3,8 Millionen Euro aus dem Programm „Löschwasser marsch“,
- 2,2 Millionen Euro für Löschwasserentnahmestellen im Rahmen der ILERL M-V, wodurch kommunale Investitionen von rund 6 Millionen Euro ausgelöst wurden,
- 24,5 Millionen Euro für Dorfgemeinschaftshäuser mit Feuerwehrnutzung mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 67,6 Millionen Euro,
- sowie bereits 5,5 Millionen Euro bewilligte Fördermittel nach der neuen Förderrichtlinie Integrierte Ländliche Entwicklung für weitere Löschwasserentnahmestellen mit Gesamtinvestitionen von 14,6 Millionen Euro
Hinzu kommen die Investitionen des Innenministeriums: Über das 50-Millionen-Euro-Sondervermögen „Zukunftsfähige Feuerwehr“ wurden zwischen 2021 und 2025 insgesamt 310 Feuerwehrfahrzeuge beschafft, darunter 265 Tragkraftspritzenfahrzeuge mit Wassertank, 11 Tanklöschfahrzeuge für den Waldbrandeinsatz sowie 17 Tanklöschfahrzeuge TLF 3000.
Die Waldbrandzentrale Mirow überwacht heute mit 24 Kamerastandorten rund 332.000 Hektar Wald – mehr als die Hälfte der Waldfläche Mecklenburg-Vorpommerns. Ergänzt wird dies durch jährlich durchschnittlich 435 Kilometer Waldbrandwundstreifen, den Ausbau von Rettungswegen sowie 32 neue Löschwasserentnahmestellen.
„Diese Investitionen zahlen sich jetzt aus. Sie erhöhen die Sicherheit unserer Einsatzkräfte und verbessern unsere Möglichkeiten, Brände auch unter extremen Bedingungen wirksam zu bekämpfen“, sagte Backhaus.
Klimawandel erhöht das Risiko großer Waldbrände
Mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Jahre machte der Minister deutlich, dass sich der Waldbrandschutz an veränderte klimatische Bedingungen anpassen müsse.
Während bis Mitte Juli dieses Jahres landesweit 29 Waldbrände registriert wurden, übersteigt allein der aktuelle Brand im Müritz-Nationalpark mit 320 Hektar bereits die bislang im gesamten Jahr 2026 erfasste Waldbrandfläche deutlich.
„Nicht jeder Sommer bringt mehr Waldbrände. Aber wir erleben zunehmend Großschadenslagen, bei denen sich Brände unter Trockenheit und starkem Wind innerhalb weniger Stunden massiv ausbreiten können. Darauf müssen wir unseren Waldbrandschutz konsequent ausrichten.“
Munitionsbelastung erschwert die Brandbekämpfung
Besonders erschwert wird der Einsatz durch die Munitionsbelastung ehemaliger Truppenübungsplätze. Nach Angaben des Munitionsbergungsdienstes gelten in Mecklenburg-Vorpommern rund 60.000 Hektar Wald – etwa zehn Prozent der gesamten Waldfläche – als munitionsbelastet. Davon entfallen rund 28.400 Hektar auf die höchste Gefährdungskategorie 4. Auf diesen Flächen sind Eingriffe in den Boden grundsätzlich untersagt. Waldumbau, forstliche Arbeiten und Löscheinsätze sind deshalb nur unter erheblichen Einschränkungen möglich. Über den Einsatz von Personal und Technik entscheidet dort ausschließlich die jeweilige Feuerwehreinsatzleitung.
Rund 10.000 Hektar dieser besonders belasteten Flächen befinden sich auf ehemaligen Bundesliegenschaften. Für diese Flächen hat der Bund die Verantwortung für die Munitionsberäumung übernommen. Dennoch konnten nach Angaben des Munitionsbergungsdienstes im Jahr 2024 lediglich 143 Hektar Wald von Munition beräumt werden.
„Der aktuelle Einsatz macht erneut deutlich, welche Folgen die Munitionsaltlasten aus dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit des Kalten Krieges bis heute haben. Sie gefährden die Einsatzkräfte und erschweren die Brandbekämpfung erheblich. Deshalb erneuere ich meine Forderung an den Bund, die Bergung und Beseitigung dieser Altlasten deutlich zu beschleunigen. Das ist keine Aufgabe einzelner Länder, sondern eine nationale Verantwortung, die dauerhaft finanziert und entschlossen umgesetzt werden muss.“
Nationalpark: Natur wird sich erholen
Der Leiter des Müritz-Nationalparks, Ulf Zimmermann, erläuterte die aktuelle Lage aus Sicht der Nationalparkverwaltung. Derzeit wehe der Wind aus Nordost, sodass sich das Feuer aktuell vor allem nach Süden und Osten ausbreite.
„Solange die Windverhältnisse stabil bleiben und keine starken Böen auftreten, verbessert das unsere Einsatzmöglichkeiten. Problematisch wird es immer dann, wenn böiger Wind Funkenflug verursacht und neue Brandherde entstehen“, erklärte Zimmermann.
Mit Blick auf die ökologischen Folgen zeigte sich der Nationalparkleiter zuversichtlich. „Vor rund 30 Jahren war das Gebiet aufgrund seiner militärischen Nutzung nahezu vegetationsfrei. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt, welche Regenerationskraft die Natur besitzt. Jetzt gilt es zunächst, Menschen und Siedlungen zu schützen. Über die ökologischen Folgen werden wir nach Abschluss des Einsatzes eine fundierte Bewertung vornehmen.“
Zimmermann verwies zudem darauf, dass Nationalparkverwaltung, Landkreis, Katastrophenschutz und Feuerwehren im vergangenen Jahr gemeinsam einen umfassend aktualisierten Sondereinsatzplan für munitionsbelastete Flächen erarbeitet haben. Die darin enthaltenen Waldbrandeinsatzkarten hätten sich bereits im laufenden Einsatz bewährt und wesentlich zu einer sicheren Koordination der Brandbekämpfung beigetragen. Weitere Maßnahmen sollen in den kommenden Monaten umgesetzt werden und den Waldbrandschutz im Müritz-Nationalpark weiter verbessern.
Zur Brandursache können derzeit noch keine gesicherten Aussagen getroffen werden. Sie ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Nach derzeitigem Stand kann weder menschliches Handeln noch eine Selbstentzündung ausgeschlossen werden.