Europa erlebt Folgen des Klimawandels – MV stellt Klimaanpassungsstrategie vor

Nr.236/2026  | 29.07.2026  | LM  | Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt

 

Wald- und Vegetationsbrände in Frankreich und Spanien, langanhaltende Hitzewellen, extreme Trockenheit und gleichzeitig etliche Starkregenereignisse prägen in diesem Sommer das Bild in weiten Teilen Europas. Auch Mecklenburg-Vorpommern erlebt die Folgen des Klimawandels längst unmittelbar. Fast zeitgleich verursachten Starkregen und Hagel in Westmecklenburg auf rund 16.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche Schäden von bis zu fünf Millionen Euro.

Mit dem heutigen Kabinettsbeschluss schließt Mecklenburg-Vorpommern einen einjährigen Erarbeitungsprozess ab und verfügt erstmals über eine landesweite Klimaanpassungsstrategie. Sie legt den verbindlichen Handlungsrahmen fest, wie Klimarisiken künftig bei politischen Entscheidungen, Planungen und Investitionen systematisch berücksichtigt werden.

„Die Bilder aus Frankreich und Spanien zeigen, wie schnell aus Hitze und Trockenheit eine Gefahr für Menschen, Infrastruktur und Wirtschaft werden kann. Auch Mecklenburg-Vorpommern bleibt davon nicht verschont. Die Frage ist heute nicht mehr, ob wir die Folgen des Klimawandels spüren, sondern wie gut wir darauf vorbereitet sind. Deshalb handeln wir jetzt. Unser Ziel ist klar: Wir wollen gar nicht erst zulassen, dass aus Klimarisiken Katastrophen werden. Vorsorge ist die wichtigste Investition in die Zukunft unseres Landes“, sagte Klimaschutzminister Dr. Till Backhaus.

Die Klimaanpassungsstrategie setzt das landeseigene Klimaverträglichkeitsgesetz um und bildet eine Ergänzung zum Klimaschutz. Während der Klimaschutz die Ursachen des Klimawandels bekämpft, richtet die Klimaanpassung den Blick auf die bereits heute spürbaren und künftig unvermeidbaren Folgen.

Seit Beginn der Messungen ist die Durchschnittstemperatur in Mecklenburg-Vorpommern deutlich gestiegen, und dies in den letzten Jahrzehnten mit beschleunigter Geschwindigkeit. Gleichzeitig nehmen heiße Tage mit mehr als 30 Grad Celsius, längere Trockenphasen und Starkregenereignisse zu. Erst vor einem Monat wurde in Anklam mit 39,6 Grad Celsius die bislang höchste Temperatur des Landes gemessen.

Bis Ende Juli fielen landesweit lediglich rund 300 Liter Niederschlag je Quadratmeter – nur etwa 48 Prozent des durchschnittlichen Jahresniederschlags. Aktuelle Zahlen zur klimatischen Entwicklung Mecklenburg-Vorpommerns stehen auf klima.mv.

Mit der Klimaanpassungsstrategie verändert Mecklenburg-Vorpommern die Art und Weise, wie künftig geplant, gebaut, investiert und gefördert wird. Die Strategie schafft erstmals einen verbindlichen und ressortübergreifenden Handlungsrahmen. Klimarisiken sollen künftig bei staatlichen Entscheidungen nicht nachträglich bewertet, sondern von Beginn an in Planungen, Investitionen und Förderentscheidungen berücksichtigt werden. Sie dient den Ressorts der Landesregierung, den Landesbehörden sowie öffentlichen Planungsträgern als gemeinsame Grundlage und bietet zugleich Kommunen Orientierung für Bauleitplanung, Wasserwirtschaft, Katastrophenschutz und Gesundheitsvorsorge.

Die Strategie umfasst 20 Handlungsfelder in fünf Themenclustern. Mehr als 60 Fachleute aus sieben Ministerien und mindestens acht Landesbehörden haben sie erarbeitet. Die Umsetzung erfolgt ressortübergreifend. Jede Maßnahme ist einem zuständigen Ressort oder einer Landesbehörde zugeordnet. Die Fachstelle Klimawandel und Klimaanpassung beim LUNG begleitet die Umsetzung. Ein digitales Monitoring macht zukünftig Fortschritte und Wirkungen transparent.

Als erstes Bundesland verankert Mecklenburg-Vorpommern Moore als eigenständiges Handlungsfeld der Klimaanpassung. Moore speichern Wasser, puffern Starkregen, stabilisieren den Landschaftswasserhaushalt in Trockenzeiten und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Seit 1991 wurden rund 400 Moorschutzprojekte auf knapp 35.000 Hektar umgesetzt, darunter mehr als 200 Projekte auf rund 19.000 Hektar mit EU- und Landesmitteln. Allein in der aktuellen Förderperiode stehen über EFRE weitere 18 Millionen Euro für Moorschutzmaßnahmen bereit. Hinzu kommen Wiedervernässungsprojekte mit ELER-Förderung sowie Vorhaben zur moorschonenden Wasserbewirtschaftung auf rund 85.000 Hektar.

Abschließend sagte Minister Backhaus: „Wir können den Klimawandel nicht rückgängig machen. Aber wir können unser Land so aufstellen, dass seine Folgen beherrschbar bleiben. Klimaanpassung ist heute ebenso Standortpolitik wie Umweltpolitik. Sie schützt Menschen, stärkt die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft, sichert die Leistungsfähigkeit unserer Landwirtschaft und macht unsere Städte und Gemeinden widerstandsfähiger. Genau dafür schaffen wir mit dieser Strategie die Grundlage.“

Zur Strategie: Klimaanpassung in MV - Regierungsportal M-V