Backhaus: MV investiert 36,8 Mio. Euro in Hochwasserschutz der Elbe
Umwelt- und Klimaschutzminister Dr. Till Backhaus hat sich am Morgen über den Stand einer Hochwasserschutzmaßnahme bei Boizenburg informiert. Dabei handelt es sich um ein mehrjähriges Verbundprojekt, dass rund 36,8 Mio. Euro kosten wird. Es liege vollständig im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe und verbinde Hochwasserschutz mit Naturschutz. Die Bauzeiten seien an die Rast- und Brutzeiten geschützter Vogelarten angepasst. Durch die Rückverlegung der Deiche erhalte die Elbe/Sude rund 100 ha natürlichen Überschwemmungsraum zurück, erklärt der Minister.
„Das Bauprojekt wird über ELER-Mittel und das nationale Hochwasserschutzprogramm finanziert und macht deutlich, dass Hochwasserschutz eine Daueraufgabe ist. Seit Mitte der 1990er Jahre wurden bisher insgesamt ca. 600 Mio. Euro in den Küsten- und Hochwasserschutz MV investiert, davon ca. 500 Mio. Euro in den Küstenschutz.
Im Moment reden alle über Niedrigwasser in den Flüssen. Zu nennen sind Rhein und Donau. Auch in MV sind die Auswirkungen der Hitzeperioden und des Niederschlagsdefizits an den Wasserständen der Pegel abzulesen. Aktuell liegen die Wasserstände an 3/4 der Pegel des Landes unterhalb des mittleren Wasserstandes, was für die aktuelle Jahreszeit aber nicht außergewöhnlich ist. An der Elbe werden weiterhin fallende Wasserstände im Niedrigwasserbereich an den Pegeln Dömitz (13 cm) und Boizenburg (48 cm) gemessen. (Zur Erinnerung: Der höchste bekannte Wasserstand (HHW) am Elbpegel in Boizenburg betrug 732 cm und wurde am 12. Juni 2013 gemessen. Der mittlere Wasserstand liegt bei 183 cm.) Die großen Wasserspeicher des Landes liegen mit den Mecklenburger Oberseen 12 cm unterhalb des Zielwasserstandes, der Schweriner See liegt aber sogar 7 cm oberhalb des Zielwasserstandes für den Monat August. Das spiegelt die Dynamik des Wasserhaushaltes wider.
Doch wir müssen uns angesichts des Klimawandels wappnen. Nach der Dürre kommt die Flut. Die überschwemmungsgefährdete Elberegion beherbergt rund 14.000 Menschen und materielle Werte von ca. 500 Millionen Euro und ist im Binnenland von MV ein Schwerpunkt des Hochwasserschutzes. Seit 1983 wurden 100 Mio. Euro aufgebracht, um Leben und Sachwerte in der Region zu schützen. Beim Hochwasser 2002 gab es im Oberlauf noch 113 Deichbrüche an der Elbe. 2013 kam es „nur“ noch zu 13 derartigen Ereignissen. Das zeigt, dass auch die Oberlieger massiv in den Hochwasserschutz an der Elbe investieren.
Es ist klar, dass unser Land diese Aufgabe nicht allein schultern kann. Der Bund stellt jährlich über den Sonderrahmenplan „Präventiver Hochwasserschutz“ 100 Millionen Euro für Projekte des Nationalen Hochwasserschutzprogramms zur Verfügung. Damit werden regional übergreifende Projekte finanziert. Bei uns im Nordosten der Republik ist beispielsweise die Optimierung der Havelpolder zu nennen, in denen auf einer Fläche von insgesamt 11.700 ha rund 125 Mio. m3 Wasser zwischengespeichert werden kann.
MV hat sein Hochwasserschutzkonzept erstellt und 2018 in Kraft gesetzt. Das Konzept beinhaltet insgesamt 12 Maßnahmen, darunter der hier in Rede stehende HWS Boizenburg, die Maßnahmen Brodaer und Rüterberger Deich und die Rückstaudeiche an der Müritz-Elde Wasserstraße von Dömitz bis Heiddorf und Neu Kaliß - ein besonderer Brennpunkt beim Rekordhochwasser 2013.
Insgesamt werden dafür wiederum Investitionsmittel in Höhe von ca. 100 Millionen Euro benötigt.
Nach der Deichschau im vergangenen Frühjahr kann ich attestieren: Unsere Deiche sind in einem guten und wehrfähigen Zustand. Absolute Sicherheit wird es dennoch nie geben. Natur lässt sich nicht vollständig beherrschen. Aber wir tun das Menschenmögliche.“