LAKD präsentiert Funde schwedischer Wracks in der Ostsee
Martin lobt Zusammenarbeit mit schwedischen Forschern und fordert Ratifizierung der UNESCO-Konvention
Wissenschaftler des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege MV (LAKD) und des schwedischen Vrak Museums aus Stockholm haben am Donnerstag in Schwerin Funde von zwei schwedischen Schiffswracks in der Ostsee präsentiert. Die beiden Schiffe waren im Dezember 1714 zwischen Rügen und Usedom gesunken und erst vor wenigen Jahren entdeckt worden. Jetzt haben Wissenschaftler aus Mecklenburg-Vorpommern und Schweden unter Federführung des LAKD MV in einem gemeinsamen Tauchprojekt u.a. mit Kolleginnen und Kollegen der Universität Rostock, des Stavanger Maritime Museum aus Norwegen und der Universität Warschau Ausrüstungsgegenstände geborgen. Sie werden zur weiteren wissenschaftlichen Auswertung im LAKD bearbeitet.
Wissenschaftsministerin Bettina Martin hat bei der Präsentation die Arbeit des LAKD und die Kooperation mit den schwedischen Partnern gelobt. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LAKD sind die Bewahrer des kulturellen Erbes in Mecklenburg-Vorpommern“, sagte Ministerin Bettina Martin. „Das gemeinsame Projekt mit Schweden zeigt, dass die Geschichte unseres Landes nur im europäischen Kontext zu sehen ist. Ich bin allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr dankbar für ihren Einsatz. Das Land wird seine Kooperationen im Ostseeraum mit den anderen Ostseeanrainern gerade auch im Bereich der Wissenschaft und Forschung ausbauen.“
Martin machte weiterhin deutlich, dass es dringend notwendig sei, dass Deutschland die UNESCO-Konvention zum Schutz des Unterwasser-Kulturerbes ratifiziert. „Nur mit dem Beitritt Deutschlands zu dieser Konvention können wir auch künftig in internationaler Zusammenarbeit das Kulturerbe unter Wasser bewahren und erforschen und gleichzeitig vor Plünderung schützen. Momentan stoßen wir spätestens außerhalb der eigenen Hoheitsgewässer auf massive rechtliche Beschränkungen. Eine Ratifizierung der UNESCO-Konvention würde das beheben.“
„Als Küstenland trägt Mecklenburg-Vorpommern eine besondere Verantwortung für das kulturelle Erbe unter Wasser“, betonte die Direktorin des LAKD, Dr. Ramona Dornbusch. „Die im LAKD verankerte Unterwasserarchäologie – Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige Bundesland mit einem hauptamtlichen Unterwasserarchäologen – ermöglicht es uns, Fundplätze fachgerecht zu untersuchen, ihren Zustand langfristig zu beobachten und frühzeitig auf Gefährdungen zu reagieren. Die beiden Wracks zeigen beispielhaft, dass archäologische Funde erst durch sorgfältige Dokumentation und historische Einordnung zu aussagekräftigen Quellen unserer Landesgeschichte werden.“
Bei der Präsentation der Fundstücke der beiden schwedischen Wracks erläuterte Dr. Jens Auer vom LAKD die Besonderheit der beiden schwedischen Schiffe. Die Fregatte Postillion und das bewaffnete Handelsschiff Cecilie wurden bei Bauarbeiten zufällig entdeckt. Das Wrack der Fregatte Postillion wurde 2016 gefunden, die Cecilie bereits 2010. Erst in den vergangenen Jahren wurden beide Wracks genauer untersucht. Nachdem festgestellt wurde, dass die Fundplätze durch Erosion gefährdet sind. Die Identifizierung erfolgte im Dezember 2025 und bildete die Grundlage für die gemeinschaftlichen Arbeiten im Juni.
In den Jahren 2024 und 2025 erfolgten neben dem jährlichen Monitoring auch kleinere archäologische Projekte in Zusammenarbeit mit den Universitäten Rostock und Leiden in den Niederlanden. Dabei wurde die Konstruktion des Schiffes dokumentiert und einzelne stark gefährdete Objekte wurden geborgen.
Zahlreiche Ausrüstungsgegenstände wie ein rund 400 Kilogramm schweres Kanonenrohr aus Bronze wurden dabei gehoben und zur weiteren wissenschaftlichen Untersuchung durch das LAKD gesichert. Die Wracks werden auch künftig in der Ostsee verbleiben, da eine Bergung immer eine teilweise Zerstörung des Fundplatzes nach sich zieht.
Beide Wracks sollen am Seegrund erhalten werden. In Zusammenarbeit mit den schwedischen Kollegen des Vrak-Museums ist die weitere archäologische und historische Erforschung der beiden Schiffe geplant, um ein besseres Bild der in Vorpommern stationierten schwedischen Marineeinheiten und Ihrer Schiffe zu bekommen.
Die Postillion und die Cecilie sind im Dezember 1715 im schwierigen Fahrwasser um die Insel Rügen dem Treibeis zum Opfer gefallen. Die Schiffe sind offensichtlich schnell gesunken, da alle Ausrüstung und Inventar an Bord geblieben sind. Eine Bergung erfolgte aufgrund des harten Winters und des im Jahr 1715 intensivierten Kriegsgeschehens in Schwedisch Vorpommern nicht. Die Wracks gerieten nach dem Untergang bis zu Ihrer Wiederentdeckung in Vergessenheit.
Beide Wracks stehen in direktem Zusammenhang mit dem Kriegsgeschehen im Großen Nordischen Krieg (1700 – 1721) und haben einen direkten Bezug zur Landesgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns und Schwedens. Die Wracks geben nicht nur Einblicke in Schiffbautechnik und Ressourcenmanagement in der schwedischen Marine des 18. Jahrhunderts, sondern erlauben durch den einmaligen Erhaltungszustand der Funde auch Einblicke in das Leben der Seemänner an Bord.
Anlage:
Link zum 3D Modell der Postillion:
https://sketchfab.com/3d-models/fregatte-postillionen-5b3485d85057434ea5cf11b1d313b99a
Link zum 3D Modell der Schiffsglocke:
Die an die Pressemitteilung angefügten Fotos dürfen zu redaktionellen Zwecken mit der Quellenangabe LAKD MV gerne verwendet werden. Gerne stellen wir Ihnen auch Filmmaterial des Tauchganges zur Verfügung. Bei Interesse wenden Sie sich bitte an presse@wkm.mv-regierung.de .
Anlagen
153 - Schiffswracks.pdf (PDF, 0,25 MB)
IMG_2429.JPG
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Dr. Jens Auer, Ministerin Bettina Martin, Dr. Ramona Dornbusch und Dr. Patrik Höglund; Foto: Dr. Rita Gerlach March/WKM MV
Präsentation der Schiffsglocke; Foto: Dr. Rita Gerlach-March/WKM MV (JPG, 3,79 MB)
Kupferkessel
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Ministerin Bettina Martin und Dr. Jens Auer vor dem geborgenen Kupferkessel. Foto: Dr. Rita Gerlach-March/WKM MV
Kupferkessel der Postillion vor der Bergung; Foto: LAKD/MV (JPG, 5,63 MB)
Schiffsglocke der Postillion vor der Bergung; Foto: LAKD/MV (JPG, 12,65 MB)