Erster Landes-Demenzplan für Mecklenburg-Vorpommern vorgestellt

Nr.186  | 11.08.2026  | SM  | Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport

Mecklenburg-Vorpommern hat erstmals einen Demenzplan. Sozialministerin Stefanie Drese hat den Plan am Dienstag (11. August) gemeinsam mit Lars Krychowski, 1. Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Landesverband M-V, in der Landespressekonferenz vorgestellt. Darin sind die zentralen Herausforderungen im Umgang mit Demenz gebündelt und zehn Handlungsfelder für eine bessere Unterstützung, Versorgung und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Demenz und ihren Nahestehenden benannt.

„Mehr als 40.000 Menschen in Mecklenburg-Vorpommern leben bereits mit einer demenziellen Erkrankung. Ihre Zahl wird aufgrund des demografischen Wandels in den kommenden Jahrzehnten weiter deutlich steigen. Deshalb müssen wir heute die Weichen für eine Gesellschaft stellen, in der Menschen mit Demenz selbstverständlich dazugehören und möglichst lange selbstbestimmt und würdevoll leben können“, sagte Drese.

Der Landes-Demenzplan wurde im Rahmen des Pakts für Pflege initiiert und unter Koordination des Sozialministeriums und der Landesfachstelle Demenz Mecklenburg-Vorpommern (angesiedelt bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft MV) gemeinsam mit zahlreichen Expertinnen und Experten aus Gesundheit und Pflege, den kommunalen Landesverbänden, dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen, dem wissenschaftlichen Expertenbeirat Demenz und dem Landesseniorenbeirat erarbeitet. Auch Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen wurden in den Prozess einbezogen.

Zehn Handlungsfelder für eine demenzfreundliche Gesellschaft

Im Zentrum des Demenzplans stehen zehn miteinander verbundene Handlungsfelder:

  1. Aufklärung und Sensibilisierung der Öffentlichkeit
  2. Gesundheitsförderung und Prävention
  3. Ganzheitliche Versorgung
  4. Informations-, Beratungs- sowie Hilfs- und Unterstützungsangebote
  5. Unterstützung für Nahstehende von Menschen mit Demenz
  6. Wohnen
  7. Teilhabe von Menschen mit Demenz in der Kommune
  8. Demenz und Netzwerkarbeit
  9. Menschen mit Demenz in stationärer Krankenhausbehandlung
  10. Monitoring, Grundlagen- und Versorgungsforschung

„Die zehn Handlungsfelder machen deutlich, wie vielfältig die Herausforderungen rund um Demenz sind. Es geht nicht allein um medizinische oder pflegerische Versorgung. Wir müssen ebenso über Prävention, Beratung, Unterstützung für Angehörige, Wohnen, kommunale Teilhabe und eine demenzsensible Krankenhausversorgung sprechen“, sagte Drese. Der Demenzplan führt diese Bereiche zusammen und schafft damit eine gemeinsame Grundlage für die weitere Arbeit.

„Menschen mit Demenz können wir nur dann gut begleiten, wenn wir Versorgung gemeinsam denken. Dazu gehören ihre An- und Zugehörigen als größter Pflegedienst unseres Landes ebenso wie die professionell Pflegenden, die Ärzteschaft, Krankenhäuser, Kommunen, Wohnungswirtschaft und das Ehrenamt. Unser Demenzplan bringt diese Perspektiven zusammen und schafft die Chance, Angehörige spürbar zu entlasten und Versorgung besser miteinander zu verzahnen“, hob Lars Krychowski hervor.

Ein wichtiger Bestandteil des Demenzplans ist die Prävention. Denn das Risiko für eine Demenz kann durch die Beeinflussung bestimmter Risikofaktoren gesenkt werden. Insbesondere in der mittleren Lebensphase kommt der Gesundheitsförderung und Prävention eine wichtige Bedeutung zu. 

Bestehende Strukturen werden weiterentwickelt

Drese verdeutlichte, dass der Demenzplan auf zahlreiche bereits bestehende Aktivitäten im Land aufbaut. „Mecklenburg-Vorpommern verfügt beim Thema Demenz über eine große fachliche Expertise und zahlreiche gute Strukturen. Dazu gehört das bundesweit vorbildliche Demenzmonitoring innerhalb des Landespflegeplans. Die Daten sind eine wichtige Grundlage für die kommunale Pflegesozialplanung“, sagte die Ministerin.

Auch der Demenzkompass, der die Angebotsstrukturen für Menschen mit Demenz sichtbar macht, soll nach Angabe von Drese ausgebaut werden. Weitere Bausteine sind der Runde Tisch gegen Einsamkeit im Alter, der Geriatrieplan sowie der wissenschaftliche Expertenbeirat „Herausforderung Demenz“.

„Gleichzeitig können wir in Mecklenburg-Vorpommern stolz auf eine außergewöhnlich starke Forschungslandschaft sein: Mit dem DZNE-Doppelstandort Rostock/Greifswald verbinden wir universitätsmedizinische Forschung mit klinischer Forschung und Versorgungsforschung“, betonte Krychowski. Hinzu komme die wissenschaftliche und anwendungsnahe Expertise der Hochschulen in Neubrandenburg und Stralsund.

„Genau diese Verbindung brauchen wir: Erkenntnisse aus der Forschung müssen bei den Menschen ankommen – und die Erfahrungen von Menschen mit Demenz, ihren Familien und den professionell Versorgenden müssen wiederum unsere Forschung prägen“, sagte Krychowski. „Wenn es uns gelingt, Wissenschaft, professionelle Versorgung, Ehrenamt und die Lebenswirklichkeit der Familien konsequent miteinander zu verbinden, kann dieser Demenzplan weit mehr sein als ein Papier – dann kann er für die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich etwas verändern“, so der Demenz-Experte weiter.

Drese: „Unser Demenzplan hat einen sehr hohen gesellschaftlichen und praktischen Wert, weil er konkrete Hilfe für Kranke und deren Familien bündelt. Gerade angesichts knapper werdender Mittel ist Vernetzung eine Voraussetzung dafür, dass Menschen mit Demenz und ihre Familien verlässlich unterstützt und Schritt für Schritt Verbesserungen dort umgesetzt werden, wo sie gebraucht werden.“

Der Demenzplan Mecklenburg-Vorpommern ist dieser Pressemitteilung beigefügt und kann auf der Website des Sozialministeriums heruntergeladen werden.