Gesundheitskommission MV zieht Bilanz: Gemeinsam für eine Gesundheitsversorgung entlang der Lebensphasen
Die Gesundheitskommission zieht nach knapp vier Jahren Arbeit eine positive Bilanz. Das Expertengremium hat seit seiner Einrichtung zentrale Fragen der Gesundheitsversorgung beraten und konkrete Konzepte für eine zukunftsfeste Versorgung im Land entwickelt. Die beiden Vorsitzenden der Kommission, Ministerin Stefanie Drese und Professor Dr. Steffen Fleßa Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Gesundheitsmanagement der Universität Greifswald, stellten im Rahmen der (heutigen) Landespressekonferenz wesentliche Ergebnisse vor.
Im Mittelpunkt standen vier Arbeitsaufträge: ein guter Start ins Leben, Gesundheitsförderung und Prävention, eine gut vernetzte Versorgung unabhängig vom Wohnort sowie ein möglichst selbstbestimmtes und gesundes Älterwerden.
„Gesundheitspolitik darf nicht erst beginnen, wenn Menschen krank sind. Wir müssen Gesundheit über den gesamten Lebensverlauf hinweg erhalten, fördern und schützen“, betonte Gesundheitsministerin Stefanie Drese. „Die Gesundheitskommission hat dafür einen wichtigen Perspektivwechsel vollzogen: Wir haben nicht in Zuständigkeiten gedacht, sondern danach gefragt, was die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern tatsächlich brauchen. Aus Empfehlungen sind konkrete Zielbilder, Strategien und neue Strukturen entstanden. Diese gemeinsame Arbeit wollen wir fortsetzen“, so Drese.
Die Gesundheitskommission wurde als Konsequenz aus den Empfehlungen der Landtags-Enquete-Kommission „Zukunft der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern“ eingerichtet. Sie bringt Vertreterinnen und Vertreter aus Ärzteschaft, Krankenhäusern, Krankenkassen, Kommunen, Wissenschaft, Praxis und Patientenvertretungen sowie Politik und Verwaltung zusammen. Damit schafft sie nach Einschätzung von Prof. Fleßa ein Forum, in dem unterschiedliche Perspektiven gebündelt und gemeinsame Lösungen entwickelt werden können.
Guter Start ins Leben
Mit dem Zielbild „Geburtshilfe und Pädiatrie 2030“ hat die Gesundheitskommission Leitlinien für eine wohnortnahe, vernetzte, sektorenübergreifende und familienorientierte Versorgung entwickelt. Die Umsetzung wird unter anderem durch das Koordinierungsgremium und das Netzwerk „Rund um die Geburt“ begleitet. Auch innovative Versorgungsmodelle wie Tandempraxen werden erprobt.
Gesundheit erhalten
Die Gesundheitskommission hat außerdem die Landesstrategie für Gesundheitsförderung und Prävention auf den Weg gebracht. Schwerpunkte sind Bewegungsförderung, psychische Gesundheit, Suchtprävention und Gesundheitskompetenz. Gesundheit soll dabei noch stärker dort gefördert werden, wo Menschen leben, lernen und arbeiten. Für die Umsetzung stehen im Doppelhaushalt 2026/2027 insgesamt vier Millionen Euro zur Verfügung. Die Strategie wurde im Oktober 2025 beschlossen.
Gut versorgt – unabhängig vom Wohnort
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung. Ziel ist, dass alle Krankenhäuser in Mecklenburg-Vorpommern miteinander Telekonsile durchführen können. Medizinische Expertise soll dadurch schneller und unabhängig vom Standort verfügbar werden. Gemeinsam mit Schleswig-Holstein werden entsprechende länderübergreifende Strukturen vorbereitet.
Neuer Geriatrieplan als Grundlage für gute Versorgung im Alter
Einen besonderen Schwerpunkt bildet der neue Geriatrieplan MV. Die Gesundheitskommission hat den Plan im April 2026 beschlossen. Er enthält konkrete Handlungsempfehlungen sowie strategische Ziele für die geriatrische Versorgung bis 2040.
„Älter zu werden ist keine Krankheit. Unser Ziel muss vielmehr sein, dass Menschen möglichst lange selbstständig, gesund und mitten in der Gesellschaft leben können“, sagte Drese. „Der neue Geriatrieplan stellt deshalb nicht die einzelne Diagnose, sondern den Menschen mit seinen individuellen Bedürfnissen in den Mittelpunkt. Prävention, ambulante Versorgung, Krankenhaus, Rehabilitation, Pflege sowie Hospiz- und Palliativversorgung müssen besser zusammenspielen. Der Grundsatz lautet dabei klar: ambulant vor stationär und Rehabilitation vor Pflege.“
Der Geriatrieplan berücksichtigt die besonderen demografischen Herausforderungen Mecklenburg-Vorpommerns. Der Anteil der über 65-Jährigen an der Bevölkerung hat sich zwischen 2000 und 2024 nahezu verdoppelt und liegt inzwischen bei 28 Prozent. Gleichzeitig sinkt der Anteil der Menschen im erwerbsfähigen Alter.
Prof. Dr. Fleßa sieht in dem neuen Plan eine wichtige Grundlage für die kommenden Jahre: „Wir müssen die geriatrische Versorgung als Gesamtsystem betrachten und stärker vernetzen. Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern reicht es nicht aus, einzelne Angebote auszubauen. Entscheidend sind funktionierende Übergänge zwischen ambulanter und stationärer Versorgung, Rehabilitation, Pflege und sozialen Unterstützungsangeboten. Der Geriatrieplan beschreibt dafür konkrete Ziele und gibt den Akteuren im Land eine gemeinsame Orientierung bis 2040.“
Gesundheitskommission soll weiterarbeiten
In ihrer vorerst letzten Sitzung im Juni 2026 sprachen sich die Mitglieder der Gesundheitskommission einstimmig dafür aus, die Zusammenarbeit im bewährten Format fortzusetzen. „Gerade in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen im Gesundheitswesen brauchen wir Orte des Austauschs, des Vertrauens und der gemeinsamen Verantwortung. Die Gesundheitskommission hat gezeigt, dass ein solcher Ort im Land gebraucht wird und funktioniert. Wir wollen deshalb auf dieser Zusammenarbeit aufbauen und die entwickelten Konzepte gemeinsam weiter in die Umsetzung bringen“, betonte Fleßa.
„Gute Gesundheitspolitik fragt nicht zuerst: Wer ist zuständig? Sie fragt: Was brauchen die Menschen?“, so Drese. „Genau diesen Ansatz wollen wir in Mecklenburg-Vorpommern weiterverfolgen – vom guten Start ins Leben bis zu einem selbstbestimmten Leben im Alter.“