Land hat bislang 690 Lehrkräfte eingestellt
Oldenburg: Ich freue mich über jede Lehrkraft, die sich für eine Schule bei uns im Land entscheidet
Mecklenburg-Vorpommern hat trotz der angespannten Fachkräftesituation auf dem Arbeitsmarkt seit Jahresbeginn 690 unbefristete und befristete Lehrkräfte eingestellt. „Die Einstellungszahlen bewegen sich damit auf hohem Vorjahresniveau. Allerdings dürfen sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir auch in den kommenden Jahren einen Mangel an Lehrkräften zu verzeichnen haben“, sagte Bildungsministerin Simone Oldenburg. „Wir stellen das ganze Jahr über Lehrkräfte ein, um freie Stellen möglichst schnell zu besetzen.“ Derzeit sind weitere 51 Stellen im Karriereportal für den Schuldienst unter www.lehrer-in-mv.de öffentlich ausgeschrieben.
Zum neuen Schuljahr beginnen 500 Lehrerinnen und Lehrer ihren Schuldienst. Darunter sind vier Personen, die über das Lehrkräfteaustauschverfahren nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen sind. 136 Referendarinnen und Referendare sind nach ihrem Vorbereitungsdienst direkt in den Schuldienst übernommen worden. „Die Übernahmegarantie ist ein Erfolg, weil wir ausgebildeten Lehrkräften einen nahtlosen Berufseinstieg ermöglichen und eine verlässliche Perspektive bieten. Eine erneute Bewerbung ist nicht notwendig, weil sie nach ihrer Ausbildung an ihrer Schule weiterbeschäftigt werden. Ich freue mich über jede Lehrkraft, die sich für eine Schule bei uns im Land entscheidet und wünsche allen Lehrerinnen und Lehrern einen guten Start ins neue Schuljahr“, so die Bildungsministerin weiter.
173 der neu eingestellten Personen im August 2026 sind Lehrkräfte im Seiteneinstieg. Die Quote hat sich zum zweiten Mal in Folge leicht verringert und liegt zum Start des Schuljahres bei 34,6 Prozent. Im Schuljahr 2025/2026 waren es zum gleichen Zeitpunkt 36 Prozent. „Wir stellen wieder mehr grundständig ausgebildete Lehrkräfte ein. Das ist ein gutes Zeichen. Dennoch brauchen wir dringend Lehrkräfte im Seiteneinstieg, weil es bundesweit zu wenige Lehramtsabsolventinnen und Lehramtsabsolventen gibt“, sagte Oldenburg. „Wichtig ist, dass wir Lehrkräfte im Seiteneinstieg weiterhin umfassend qualifizieren und in der Schule gut begleiten.“
In Mecklenburg-Vorpommern absolvieren Lehrkräfte im Seiteneinstieg eine dreimonatige Vorqualifizierung, bevor sie das erste Mal unterrichten. Vor drei Jahren hat das Land die Ausbildung von Lehrkräften im Seiteneinstieg neu aufgestellt. Als Bestandteil einer insgesamt 15-monatigen Grundlegenden Pädagogischen Qualifizierung (GPQ) enthält die Vorqualifizierung sowohl theoriegeleitete als auch schulpraktische Ausbildungsteile. Daran schließt sich eine dreijährige Modularisierte Qualifizierungsreihe (MQR) an, die mit einer Prüfung endet. Die Ausbildung dauert insgesamt über vier Jahre.
Allein in den kommenden fünf Jahren müssen rechnerisch etwa 3.600 Lehrkräfte in Mecklenburg-Vorpommern eingestellt werden. Von diesen 3.600 Lehrkräften, die für die Absicherung des Unterrichts notwendig sind, bildet das Land ca. 2.700 selbst aus. Das bedeutet, dass Mecklenburg-Vorpommern ca. 900 Personen einstellen muss, die die Qualifizierung für Lehrkräfte im Seiteneistieg absolvieren. „Geändert werden kann die Situation nur, wenn wieder mehr Lehramtsstudierende die Hochschulen mit einem Abschluss verlassen. Es ist gut, dass die Landesregierung in dieser Wahlperiode umgesteuert hat“, sagte Oldenburg.
Die Landesregierung hat zudem viele Maßnahmen ergriffen, um den Schuldienst attraktiver zu gestalten und Lehrkräfte schneller einzustellen. „Wir haben die Bewerbungsverfahren gestrafft, sodass vom Zeitpunkt der Bewerbung bis zur Aushändigung des Arbeitsvertrages in der Regel nur sechs Wochen vergehen. Mit der Übernahmegarantie sorgen wir dafür, dass Referendarinnen und Referendare nach ihrer praktischen Ausbildung direkt in den Schuldienst einsteigen können. Referendarinnen und Referendare erhalten Zuschläge, wenn sie ihren Vorbereitungsdienst an einer Schule im ländlichen Raum absolvieren.“
Neben den Lehrkräften beschäftigt das Land 817 unterstützende pädagogische Fachkräfte (upF), 29 multiprofessionelle Fachkräfte, 48 Verwaltungsfachkräfte und 231 Alltagshilfen, die bei organisatorischen Tätigkeiten unterstützen. „An unseren Schulen arbeitet heute viel mehr Personal als noch vor einigen Jahren. Wir setzen dabei verstärkt auf multiprofessionelle Teams. Schritt für Schritt bauen wir diese Teams weiter aus. Damit reagieren wir auf gestiegene Anforderungen, die über den eigentlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag hinausgehen. Multiprofessionelle Teams tragen dazu bei, dass sich Lehrkräfte auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können“, sagte die Bildungsministerin.
Das Schuljahr 2026/2027 beginnt mit weiteren Neuerungen und Verbesserungen, auf die sich die Schulen seit Längerem vorbereitet haben.
- Lebenspraxis an Grundschulen vermitteln
Zum neuen Schuljahr startet an den Grundschulen das Unterrichtsangebot „Lebenspraxis“. Mädchen und Jungen lernen praxisnah den Umgang mit alltäglichen Dingen. In dem neuen Angebot sollen Fragen aufgegriffen werden, wie zum Beispiel „Warum wackeln meine Zähne?“ oder „Welche Zutaten brauche ich, um einen Geburtstagskuchen zu backen?“. Im Themenbereich „Ohne Moos nichts los” geht es um den richtigen Umgang mit Geld. Projekte im Umgang mit Gefühlen wie Wut und Trauer und Übungen zur Stressbewältigung gehören ebenfalls dazu. Das Unterrichtsangebot kann zwei- bis dreimal im Schuljahr im regulären Unterricht integriert werden. Möglich sind auch Projekttage oder Schulwanderungen.
- Mit Schule und Betrieb zum Schulabschluss
An 32 Regionalen Schulen und Gesamtschulen gibt es das neue Bildungsangebot „Praxisorientierte Berufsreife“. Das Land hat damit das „Produktive Lernen“ und die „Berufsreife dual“ zusammengeführt. Die „Praxisorientierte Berufsreife“ ist ein zweijähriges Bildungsangebot der flexiblen Schulausgangsphase. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die praxisbezogen besser lernen. Das Angebot verbindet schulisches Lernen mit Erfahrungen aus der Arbeitswelt und motiviert Jugendliche auf diese Weise. Im neuen Schuljahr besuchen 350 Schülerinnen und Schüler das Angebot der „Praxisorientierten Berufsreife“.
- Bessere Rahmenbedingungen für Ganztagsangebote
Außerschulische Kooperationspartner, die Angebote an Ganztagsschulen im ländlichen Raum gestalten, können einen Fahrtkostenzuschuss erhalten. Weite Wege und dadurch hohe Fahrtkosten erschweren es ganztägig arbeitenden Schulen im ländlichen Raum, Kooperationspartner zu finden. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, zahlt das Land außerschulischen Kooperationspartnern ab dem 15. Entfernungskilometer einer einfachen Fahrt einen Zuschuss von fünf Euro je durchgeführtem Angebot. Ab dem 50. Entfernungskilometer beträgt der Zuschuss zehn Euro je Angebot.
- Ausbildungschancen für Jugendliche weiter verbessern
Mit Beginn des neuen Schuljahres ist in Mecklenburg-Vorpommern das neue Bildungsangebot „Ausbildungsvorbereitung dual“ (AVdual) gestartet. An zunächst 11 beruflichen Schulen erhalten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, sich gezielt auf eine Berufsausbildung vorzubereiten. Voraussichtlich 640 Jugendliche werden dieses Angebot wahrnehmen. AVdual richtet sich an berufsschulpflichtige Jugendliche mit oder ohne Schulabschluss, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Der einjährige Bildungsgang verbindet Unterricht mit intensiver betrieblicher Praxis. Das Land führt den neuen Bildungsgang zunächst modellhaft ein und will ihn schrittweise ausbauen.