Erste Riff-Rekonstruktion in MV vor Neuendorf/ Rügen eingeweiht

Nr.266/2026  | 28.08.2026  | LM  | Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt

Wichtige Maßnahmen zum Natur- und Umweltschutz hat Umweltminister Dr. Till Backhaus heute im Biosphärenreservat Südost-Rügen begleitet. Als erstes wurden im Rahmen des Interreg-Projektes „Supported by Nature“ die erste Riff-Rekonstruktion bei Neuendorf/ Rügen feierlich eingeweiht.

Danach übergab Backhaus dem Biosphärenreservat Südost-Rügen ELER-Fördermittel für die umwelt- und naturbezogene Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit in Höhe von rund 307.000 Euro.

Außerdem weihte er ein neues Dienstboot für das Biosphärenreservat ein.

 

Die Projekte im Einzelnen:

 

Im Zentrum des 2022 gestarteten Interreg-Projektes steht die Errichtung von 17 Lernstandorten für naturbasierte Lösungen im Ostseeraum. Zwei davon befinden sich im Biosphärenreservat Südost-Rügen: die erste Riff-Rekonstruktion in MV vor Neuendorf/ Rügen und die Renaturierung des Kleingewässers in Nadelitz.

„Die Rekonstruktion des Riffs vor Neuendorf stellt einen verloren gegangenen Lebensraum für Meereslebewesen wieder her. Bis ins 20. Jahrhundert wurden in den Boddengewässern vor Rügen massiv Steine entnommen und für Baumaßnahmen verwendet. Auf diese Weise wurden natürliche Riffe zerstört. Mit der Riff-Rekonstruktion haben wir jetzt einen Teil davon wieder hergestellt. Auf einer Fläche von ca. 1.350 Quadratmetern, verteilt auf fünf Teilflächen, wurden 620 Tonnen Steine und Blöcke verbaut“, sagte Backhaus.

Und die Natur reagiert: Bereits nach wenigen Wochen siedelten sich erste Seepocken an. Inzwischen wurden unter anderem Scherenasseln, Moostierchen, Flohkrebse und verschiedene Algen festgestellt. Mittelfristig soll hier auch wieder Blasentang wachsen, unter anderem ein wichtiger Unterwasserlebensraum für Fische.

„Das Biosphärenreservat Südost-Rügen zeigt mit dem INTERREG-Projekt Supported by Nature beispielhaft, wie Naturschutz, nachhaltige Nutzung und Umweltbildung zusammengehören. An dem Projekt mit einem Gesamtvolumen von rund 4,47 Millionen Euro beteiligten sich sieben Ostsee-Anrainerstaaten: Deutschland, Schweden, Dänemark, Finnland, Estland, Lettland und Polen. Auf das Biosphärenreservat entfallen knapp 700.000 Euro, davon rund 559.000 Euro EU-Mittel. Der direkte, grenzübergreifende Erfahrungsaustausch ist für die Region von herausragender Bedeutung, da alle Partner vor nahezu identischen ökologischen und ökonomischen Herausforderungen stehen und gemeinsam Lösungen entwickeln können“, sagte der Minister.

Das Projekt wird unter anderem für Forschungszwecke genutzt, etwa von Naturschutzbehörden, Naturschutzverbänden, Umweltplanungsbüros und wissenschaftlichen Einrichtungen. Auch Schulklassen und Jugendgruppen werden eingebunden.

Auch bei der Renaturierung des Kleingewässers bei Nadelitz sind bereits erste Erfolge sichtbar. Hierfür wurden auf rund 5.000 Quadratmetern rund 780 Tonnen Material ausgehoben. Eine einst artenarme Sukzessionsfläche mit nur geringem Feuchtgebietsanteil verwandelte sich in ein wertvolles Biotop. Bereits im ersten Frühjahr konnten die erfolgreiche Reproduktion des Springfrosches und die Ansiedlung des Teichmolches nachgewiesen werden.

Anschließend überreichte der Minister dem Biosphärenreservat Südost-Rügen mehrere Zuwendungsbescheide aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) für die Natur- und Umweltbildung in Höhe von rund 307.000 Euro.

Der größte Teil, rund 255.000 Euro, fließt in das Granitzhaus, welches seit seiner Neueröffnung 2019 bereits mehr als 113.000 Menschen besucht haben. Davon werden unter anderem moderne Medientechnik, neue Animationsfilme, Hörangebote und die Produktion neuer Dokumentationsfilme finanziert.

Weitere Mittel fließen in den Ausbau des 2020 eingeweihten Thiessower Naturerlebnispfades. Auf zehn Stationen und einer Gesamtlänge von sieben Kilometern werden kindgerechte Hörstationen in deutscher und englischer Sprache installiert. Eine akustische Erweiterung kommt auch dem im April 2022 eröffneten Rundwanderweg Middelhagen (acht Kilometer Länge, 13 Audiostationen) zugute. Im Rahmen der Förderung wird der Audioguide ins Englische übersetzt und eingesprochen. Die Umsetzung aller Projekte ist bis Ende 2027 geplant.

„Die Maßnahmen steigern die Attraktivität der Einrichtungen, denn sie stärken das Bewusstsein für den Schutz von Ressourcen, Klima und Artenvielfalt im Biosphärenreservat Südost-Rügen. Das Draußen-Sein weckt die Neugier über alle Altersklassen hinweg. Gerade Kinder wollen die Natur erforschen und begreifen. Hierzu tragen die neuen Hörstationen besonders bei“, sagte Backhaus.

Schließlich weihte der Minister das neue Dienstboot ein. Das im Jahr 2011 in Dienst gestellte Einsatzboot „Stubber“ musste aufgrund eines irreparablen Motorschadens ausgemustert werden, da eine Reparatur nicht mehr wirtschaftlich war.

Das Boot vom Typ Alucat W16 ist 8,20 Meter lang, hat zweimal 150 PS und bietet Platz für bis zu 14 Personen. Die Kosten betragen einschließlich Trailer ca. 179.000 Euro. Es wird unter anderem genutzt für wissenschaftliches Monitoring, die Beobachtung von Kegelrobben, für die Erfassung von Seegras und Blasentang sowie zur Unterstützung von Forschungsprojekten. Das Einsatzgebiet ist groß: Allein die Wasserfläche des Biosphärenreservates umfasst rund 123 Quadratkilometer.

Dem Minister stand als Taufpatin Vivien Kmetsch zur Seite. Die 23-Jährige aus Sellin war bereits als Grundschülerin Junior Ranger und als Jugendliche Robbenbotschafterin im Biosphärenreservat. Schon 2011 war sie Taufpatin für die „Stubber“.

„Heute erleben wir anschaulich, was moderner Naturschutz bedeutet: Lebensräume wiederherstellen, gemeinsam mit europäischen Partnern Lösungen entwickeln, die Menschen für Natur begeistern und unsere Großschutzgebiete so auszustatten, dass sie ihre Aufgaben gut erfüllen können. Mein Dank gilt allen Mitarbeitern des Biosphärenreservates Südost-Rügen, unseren europäischen Partnern, der Stadt Putbus, der Landwirtschaft und allen beteiligten Unternehmen“, sagte Backhaus abschließend.

 

Anlagen

Einweihung Riff und Kleingewässer (PDF, 0,16 MB)
Einweihung Riff und Kleingewässer