Hanseklinikum Stralsund setzt Meilenstein in Psychiatrieversorgung
Klinikum weiht neuen Trakt nach 13-Millionen-Sanierung ein
Nach genau vier Jahren Bauzeit ist ein wichtiger Abschnitt des Psychiatriekonzeptes am Krankenhaus West abgeschlossen: Das umfassend sanierte „Haus 24“ der Erwachsenenpsychiatrie steht schon bald für die moderne Versorgung psychisch erkrankter Menschen zur Verfügung. Mehr als 40 Firmen und Planer waren an dem anspruchsvollen Projekt unter Denkmalschutz beteiligt. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf mehr als 13 Millionen Euro. Dafür hat die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern 11,5 Millionen Euro Fördermittel bereitgestellt.
„Psychische Gesundheit gehört zu einer guten Gesundheitsversorgung genauso selbstverständlich wie die Behandlung körperlicher Erkrankungen. Deshalb müssen Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihre Angehörigen auf eine moderne, leistungsfähige und menschliche Versorgung vertrauen können. Mit der Sanierung des Hauses 24 schaffen wir dafür wichtige Voraussetzungen. Das Land hat das nun feierlich eröffnete Vorhaben mit großer Überzeugung unterstützt und setzt damit ein klares Zeichen für die Bedeutung der psychiatrischen Versorgung in der Region“, sagte Gesundheitsministerin Stefanie Drese.
„Das neue Haus schafft zeitgemäße Bedingungen für die Behandlung und ermöglicht es, noch besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten einzugehen – von älteren Menschen bis zu Menschen mit Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen. Dabei müssen wir immer auch das Umfeld mitdenken. Gerade Kinder und Jugendliche aus psychisch oder suchtbelasteten Familien tragen Belastungen mit, die nach außen oft kaum sichtbar sind. Scham, Angst oder das Gefühl, über die Probleme zu Hause nicht sprechen zu dürfen, machen es für diese Kinder zusätzlich schwer, Hilfe zu bekommen. Eine starke psychiatrische Versorgung muss deshalb auch diejenigen erreichen, die selbst gar nicht Patientin oder Patient sind. Genau hier leisten Angebote wie KipsFam einen wichtigen Beitrag: Sie helfen, Belastungen frühzeitig zu erkennen, Vertrauen aufzubauen und Kindern und Jugendlichen passende Unterstützung zu vermitteln. Das Haus 24 ist damit nicht nur ein wichtiger Baustein für die Behandlung, sondern auch für eine Versorgung, die den Menschen und sein familiäres Umfeld als Ganzes in den Blick nimmt“, so Drese.
In das sanierte Gebäude ziehen die Psychiatrische Tagesklinik und Institutsambulanz für Gerontopsychiatrie sowie die Station 54 für Patientinnen und Patienten mit Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen ein. Ergänzt wird das Raumangebot durch mehrere Büro- und helle Therapieräume.
„Die Sanierung ist ein klares Zeichen und Bekenntnis für eine hochwertige Versorgung seelischer Erkrankungen in unserer Region“, sagt Michael Kabiersch, Klinikgeschäftsführer am Helios Hanseklinikum Stralsund. „Wir schaffen hier moderne, zeitgemäße Rahmenbedingungen für Patientinnen und Patienten ebenso wie für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ein solches Bauprojekt ist eine enorme Gemeinschaftsleistung. Deshalb gilt mein besonderer Dank allen beteiligten Gewerken, Planern, Behörden und Mitarbeitenden, die dieses Vorhaben über vier Jahre mit großem Engagement begleitet und umgesetzt haben, insbesondere der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern für die finanzielle Unterstützung.“ Es seien in den kommenden Wochen noch Restarbeiten und die Umzüge zu bewerkstelligen, erklärt Kabiersch, aber die ersten Patientinnen und Patienten sollen im vierten Quartal behandelt werden.
Weiterentwicklung der psychiatrischen Versorgung
Priv.-Doz. Dr. med. Deborah Janowitz, Chefärztin der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, schwärmt bereits von den neuen Räumlichkeiten. „Es ist so schön hell, groß und freundlich. Ein guter Ort, um gesund zu werden. Wir haben die Möglichkeit, medizinische und therapeutische Angebote räumlich und strukturell weiterzuentwickeln und noch besser auf die Bedürfnisse unserer Patientinnen und Patienten auszurichten“, sagt sie. „Gerade in der Gerontopsychiatrie sowie bei der Behandlung von Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen brauchen wir eine Umgebung, die moderne Behandlungskonzepte unterstützt. Die neuen Räume schaffen dafür hervorragende Voraussetzungen und sind damit ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung unserer psychiatrischen Versorgung.“ Gleichzeitig ergeben sich in der Alterspsychiatrie zwischen Station und Tagesklinik neue Synergien, die über den neuen verglasten Verbindungsgang vereint sind.
Moderne Räume unter Denkmalschutz
Eine besondere Herausforderung des Projektes bestand darin, die Anforderungen an eine moderne psychiatrische Versorgung mit der vorhandenen historischen Bausubstanz in Einklang zu bringen. Das sanierte Gebäude fügt sich harmonisch in die bestehende architektonische Struktur des Klinikgeländes ein und steht zugleich unter Denkmalschutz. Bis 2016 war hier die Altersmedizin untergebracht, bevor sie gemeinsam mit der Onkologie in das Krankenhaus am Sund umgezogen ist.
„Gerade diese Verbindung aus historischer Bausubstanz und moderner medizinischer Nutzung macht das Ergebnis besonders“, sagt Alexander Buschdorf, Leiter der Betriebstechnik. „Wir haben keinen Neubau auf der grünen Wiese geschaffen, sondern einen bestehenden Teil unseres Klinikstandortes nachhaltig weiterentwickelt und dabei die bestmöglichen Lösungen im Blick gehabt, sowohl für die Patientinnen und Patienten als auch Mitarbeitenden.“
Große Investition, große Zahlen
So ein aufwendiges Sanierungsprojekt spiegelt sich auch in beachtlichen Zahlen wider. Insgesamt wurden rund 30 Kilometer Kabel und Datenleitungen verlegt. Das entspricht etwa der Strecke von Stralsund bis Greifswald. Damit verfügt das Gebäude über eine zeitgemäße technische Infrastruktur. Hinzu kommen 450 Steckdosen und 580 Lampen. Verlegt wurden 4,5 Kilometer Rohrleitungen für Heizung, Sanitär und Lüftung. Doch bevor aufgebaut werden konnte, musste einiges zurückgebaut werden. So sind 188 Tonnen Bauschutt angefallen und 600 Tonnen Bodenaushub. Der Außenputz und Fassadenanstrich entspricht mit jeweils 1.000 Quadratmetern der Außenwandfläche von rund 10 Einfamilienhäusern. Zudem ist Estrich von rund 1.800 Quadratmetern eingebracht worden, was mit einer Bodenfläche von rund 25 großen Drei-Zimmer-Wohnungen vergleichbar ist.
Anfänge 2016 geebnet
Die Sanierung ist Teil eines umfassenden Psychiatriekonzeptes, dessen Grundlagen bereits im Jahr 2016 gelegt wurden und das maßgeblich auf den damaligen Chefarzt Harald J. Freyberger zurückgeht. Er entwickelte das Konzept gemeinsam mit seinem Team. Mit der Fertigstellung des Gebäudes ist schon bald der erste große Bauabschnitt dieses langfristig angelegten Konzeptes erfolgreich abgeschlossen.
Für die Menschen in der Region bedeutet die Sanierung damit weit mehr als ein modernisiertes Gebäude: Sie ist ein sichtbares Zeichen für die Weiterentwicklung der psychiatrischen Versorgung und ein wichtiger Schritt hin zu einer leistungsfähigen, patientenorientierten und zukunftsfesten Psychiatrie. Stralsund zählt mit Schwerin und Rostock zu den drei großen Psychiatrie-Standorten in Mecklenburg-Vorpommern.
Zahlen und Fakten auf einen Blick
4 Jahre Bauzeit
mehr als 40 beteiligte Gewerke und Planer
mehr als 13 Millionen Euro Gesamtinvestition
11,5 Millionen Euro Landesförderung
Tagesklinik und Institutsambulanz Gerontopsychiatrie
Station 54 für Persönlichkeits- und Traumafolgestörungen