MV macht Tellow zum Reallabor für die Landwirtschaft der Zukunft

Nr.273/2026  | 02.09.2026  | LM  | Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt

 

Wie können Künstliche Intelligenz, Drohnen und automatisierte Technik dabei helfen, Betriebsmittel zu sparen, Arbeitskräfte zu entlasten und Landwirtschaft wirtschaftlicher und ressourcenschonender zu machen? Antworten darauf soll das Innovations-Gut von Thünen liefern. Beim ersten Smart-Farming-Feldtag am Mittwoch, 2. September, 9 bis 13 Uhr auf dem Fraunhofer Innovations-Gut von Thünen (Acker an der Kreuzung „Tenze Ecke“ an der GÜ 42, 17168 Warnkenhagen) werden neue Technologien nicht nur im Labor, sondern unter realen Bedingungen auf dem Acker erprobt. Das Land Mecklenburg-Vorpommern stellt dafür rund 374 Hektar landeseigene Fläche pachtzinsfrei zur Verfügung – eine Unterstützung im Gegenwert von rund 175.000 Euro jährlich.

Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus betont: „Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind kein Selbstzweck. Entscheidend ist, was am Ende auf dem Acker und im Stall ankommt: Spart eine Technologie Betriebsmittel? Entlastet sie Arbeitskräfte? Schont sie Ressourcen? Und vor allem: Rechnet sie sich für den Betrieb? Genau dafür brauchen wir Orte wie Tellow, an denen neue Technik unter Praxisbedingungen getestet wird.“

Das Innovations-Gut wurde im November 2025 gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD als Forschungs- und Praxisplattform eröffnet. Nicht einmal ein Jahr später zeigt der erste Feldtag, wie aus der Idee konkrete Anwendungen werden.

Vom Forschungsprojekt auf den Acker

Beim Feldtag präsentieren Forschungseinrichtungen, Landtechnikunternehmen und Start-ups Anwendungen aus Digitalisierung, Automatisierung, Sensorik, Fernerkundung und Künstlicher Intelligenz.

Das Fraunhofer IGD zeigt unter anderem ein System, das Pflanzen dreidimensional erfasst und einzelne Ähren sowie weitere Pflanzenmerkmale automatisiert erkennen und auswerten kann. Weitere Anwendungen zeigen, wie Fernerkundungsdaten und KI genutzt werden können, um Pflanzenbestände zu analysieren. Hinzu kommen Lösungen aus Agrarrobotik und Sensorik sowie Ansätze für intelligentes Weidemanagement.

„Gerade angesichts von Fachkräftemangel, Klimawandel und wirtschaftlichem Druck liegen in diesen Technologien große Chancen. Aber nicht alles, was technisch möglich ist, ist automatisch praxistauglich. Die Technik muss robust, bezahlbar und einfach einsetzbar sein. Sie soll den Landwirt unterstützen – nicht ersetzen“, unterstrich der Minister.

Digitale Lösungen können beispielsweise Dünge- und Pflanzenschutzmittel präziser einsetzen, Pflanzenbestände genauer erfassen, Arbeitsabläufe automatisieren, Tiere besser überwachen und natürliche Ressourcen schonen.

Landwirte sollen mitentwickeln

Für Backhaus ist entscheidend, die landwirtschaftliche Praxis frühzeitig in die Entwicklung neuer Technologien einzubeziehen. Landwirtinnen und Landwirte sollen auf dem Innovations-Gut neue Anwendungen kennenlernen, erproben und den Forschenden und Unternehmen unmittelbar Rückmeldung geben.

„Technologietransfer darf keine Einbahnstraße sein. Die Praktiker wissen am besten, wo im Betriebsalltag der Schuh drückt. Deshalb sollen sie hier nicht erst das fertige Produkt präsentiert bekommen, sondern an seiner Entwicklung mitwirken. Nur so entstehen Lösungen, die die Betriebe wirklich brauchen“, ergänzte Dr. Philipp Wree, Branchenleiter Bioökonomie-Smart Farming beim Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Rostock.

Mit dem Innovations-Gut will das Land Mecklenburg-Vorpommern als Standort für Agrarinnovation stärken. Leistungsfähige Landwirtschaftsbetriebe, Forschungseinrichtungen und Hochschulen sowie innovative Unternehmen böten dafür gute Voraussetzungen.

„Mecklenburg-Vorpommern ist ein starkes Agrarland. Unser Anspruch muss deshalb sein, auch bei Smart Farming und digitaler Landwirtschaft vorne mitzuspielen. Tellow bringt Forschung, Wirtschaft und Praxis zusammen – und macht aus guten Ideen Lösungen für den Acker und den Stall“, sagte Backhaus abschließend.

Am Nachmittag wird der Austausch im AgriAI-Club fortgesetzt. Dort kommen Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Forschung, Start-ups, Landtechnik, Hochschulen, Beratung, Finanzwirtschaft und Politik zusammen.

Weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Anmeldung gibt es beim Fraunhofer IGD.