Drug Checking zeigt Wirkung: 61 Warnungen allein in der diesjährigen Festival-Saison

Drese: „Wir müssen die Drogenpolitik an der Realität ausrichten – nicht an Wunschvorstellungen“

Nr.209  | 03.09.2026  | SM  | Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport

903 Substanzproben mit 61 Warnungen vor hochdosierten oder unerwarteten Wirkstoffen: Das ist die Bilanz des mobilen Drug Checkings bei Fusion und Pangea in diesem Sommer. Für Gesundheitsministerin Stefanie Drese ist das Ergebnis ein weiterer Beleg dafür, dass eine moderne Drogenpolitik neue Wege gehen muss.

„Wer Menschen vor den Gefahren von Drogen schützen will, darf nicht wegschauen. Drug Checking schützt Leben. Wir sehen unmittelbar, welche Substanzen tatsächlich im Umlauf sind, und können Menschen warnen, bevor aus einem vermeintlichen Partykonsum ein medizinischer Notfall wird“, sagte Drese am Donnerstag in Schwerin.

Auf dem Fusion Festival in Lärz wurden 801 Proben untersucht. Bei 60 Proben war eine Warnmeldung erforderlich: 24 hochdosierte MDMA-Tabletten, 26 hochdosierte 2C-B-Tabletten sowie zehn Tabletten mit unerwarteten Wirkstoffen. Auf dem Pangea Festival in Pütnitz wurden 102 Proben analysiert; eine hochdosierte MDMA-Tablette war ebenfalls warnpflichtig.

Mecklenburg-Vorpommern war das erste Bundesland, das ein Drug-Checking-Modellvorhaben auch in mobiler Form ermöglicht hat. Mit der Universitätsmedizin Rostock steht für stationäre und mobile Substanzanalysen ein fachlich kompetenter Partner zur Verfügung. Beim stationären Angebot über das Gesundheitsamt Rostock wurden bislang drei hochdosierte MDMA-Tabletten festgestellt und entsprechende Warnmeldungen veröffentlicht.

Für Drese ist dabei entscheidend, dass Drug Checking nicht beim Testergebnis endet. „Drug Checking ist Prävention mit offenen Augen. Die Konsumentinnen und Konsumenten erhalten unmittelbar Informationen über Wirkstoffe, Dosierungen und gesundheitliche Risiken. Das kann nicht nur eine akute Gefährdung verhindern, sondern auch dazu führen, den eigenen Konsum zu hinterfragen.“

Die Ministerin verbindet damit eine grundsätzliche politische Botschaft: „Wir brauchen eine Drogenpolitik, die sich an der Wirklichkeit orientiert. Eine Politik, die nur sagt ‚Drogen sind verboten‘, beantwortet noch nicht die Frage, wie wir Menschen schützen, die trotzdem konsumieren. Deshalb setzen wir auf eine Kombination aus Prävention, Beratung, Hilfe und – wo es sinnvoll und möglich ist – Schadensminimierung.“

Auch für Behörden und Fachstellen liefern die Analysen wichtige Informationen. Sie zeigen, welche Substanzen aktuell im Umlauf sind und wo besondere Gefahren durch hohe Dosierungen oder unerwartete Wirkstoffe bestehen. Die Warnmeldungen werden unmittelbar vor Ort veröffentlicht und sind zudem online abrufbar.

Dass der Ansatz inzwischen auch über Mecklenburg-Vorpommern hinaus aufgegriffen wird, begrüßt Drese ausdrücklich. Neben Berlin, Thüringen und Hessen haben weitere Länder entsprechende Angebote auf den Weg gebracht. Auch Schleswig-Holstein will mobiles Drug Checking künftig zunächst im Umfeld von Veranstaltungen erproben.

„Es ist gut, wenn sich die Erkenntnis durchsetzt, dass Gesundheitsschutz dort stattfinden muss, wo Risiken entstehen. Gerade bei Festivals können wir Menschen mit Prävention und Beratung unmittelbar erreichen. Mecklenburg-Vorpommern hat hier früh Verantwortung übernommen – und ich freue mich, wenn andere Länder diesen Weg ebenfalls gehen“, sagt Drese.

Alle Warnmeldungen aus dem diesjährigen Drug Checking sind unter detect-drugcheck.org abrufbar. Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) veröffentlicht auf seiner Website aktuelle Warnmeldungen.