Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein nutzen KI und stärken die digitale Souveränität
Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein bauen ihre Zusammenarbeit bei der digitalen Souveränität weiter aus. Rund ein Jahr nach Abschluss einer Kooperationsvereinbarung zwischen beiden Ländern ziehen die Minister Bilanz und wollen die gemeinsame Entwicklung und Nutzung digitaler Lösungen weiter vorantreiben. Im Mittelpunkt stehen dabei Dateninfrastrukturen, IT-Resilienz, Open Source, der sichere Datenaustausch über Verwaltungsgrenzen hinweg sowie der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung.
„Digitale Souveränität entsteht nicht im Alleingang. Dazu müssen Länder ihre Erfahrungen teilen, gemeinsam Lösungen entwickeln und gute Anwendungen auch gemeinsam nutzen. Genau das tun Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Finanzen und Digitalisierung, Dr. Heiko Geue. „Wir wollen keine digitalen Insellösungen, sondern leistungsfähige und sichere Strukturen, die von möglichst vielen Verwaltungen genutzt und weiterentwickelt werden können. Das gilt gerade auch für die Integration des Kollegen KI, mit dem wir in unseren OpenSource-Arbeitsumgebungen wie Nextcloud und in den Finanzämtern arbeiten wollen.“
Auch Schleswig-Holstein setzt auf gemeinsame Standards und den länderübergreifenden Austausch. „Der Wechsel zu modernen, offene Lösungen ist zwingend erforderlich, damit wir die Sicherheit, Unabhängigkeit und Handlungsfähigkeit des Staates nachhaltig gewährleisten können. Wir schaffen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern digitale Souveränität durch den Einsatz von Open-Source-Lösungen und verbinden dies mit dem Einsatz modernster KI-Technologien. Damit stärken wir zugleich den Digitalstandort Deutschland“, sagte Schleswig-Holsteins Digitalisierungsminister Dirk Schrödter. „Im Norden sind wir vorangegangen. Die gelebte Kooperation zwischen unseren Ländern ist dafür das beste Beispiel. Wir laden alle ein, diesem Beispiel zu folgen und uns auf dem Weg in die digitale Souveränität zu begleiten.“
Beide Länder arbeiten daran, KI nicht als isolierte Einzelanwendung, sondern als Bestandteil der täglichen Verwaltungsarbeit nutzbar zu machen.
Ein konkretes Beispiel ist die KI-Integration in die Kollaborationsplattform Nextcloud, die in beiden Ländern genutzt wird. Beschäftigte können damit unter anderem direkt in ihrer gewohnten Arbeitsumgebung mit KI chatten, Recherchen durchführen sowie Texte erstellen, umformulieren, korrigieren und zusammenfassen. Auch die Erstellung von Textdokumenten, Tabellen und Präsentationen aus einer Beschreibung soll möglich werden.
Die angebundenen Sprachmodelle werden digital souverän betrieben und die KI-Anfragen vollständig in Deutschland verarbeitet. In Mecklenburg-Vorpommern wird dies über IONOS bereitgestellt, Schleswig-Holstein betreibt die Infrastruktur bei dataport. Die Daten der Landesbediensteten werden zudem nicht zum Training externer KI-Systeme verwendet.
Darüber hinaus plant Mecklenburg-Vorpommern den Einsatz eines von der hessischen Steuerverwaltung entwickelten und eingesetzten KI-Chatbots für die Arbeit der Finanzämter. Der TaxBot Maxi wird im Auftrag des Landes Hessen bei der STACKIT der Schwarz-Gruppe betrieben. Er unterstützt die Beschäftigten insbesondere bei der fachspezifischen Analyse, Recherche und Erstellung von Dokumenteninhalten. Auch Übersetzungen gehören zu den vorgesehenen Einsatzmöglichkeiten.
Digitale Souveränität bedeutet auch, millionenfach erprobte, sichere und praxistaugliche Open Source Anwendungen zu nutzen, statt alles jeweils selbst zu entwickeln. Ein weiterer Schwerpunkt der Kooperation zwischen den beiden Bundesländern ist die Frage, wie Verwaltungen Daten künftig besser für Entscheidungen nutzen können. Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben hierzu regelmäßig sogenannte Datentage durchgeführt. Dabei stellten die Länder ihre jeweiligen Ansätze, Werkzeuge und Erfahrungen vor.
Auf dieser Grundlage soll nun die gemeinsame Weiterentwicklung einer Data Fabric beziehungsweise eines Datenpools vorangetrieben werden. Ziel ist eine leistungsfähige Dateninfrastruktur, die unterschiedliche Datenbestände zusammenführt und umfassende Analysemöglichkeiten eröffnet. Damit sollen Entscheidungen in der Verwaltung stärker auf belastbaren Daten und Analysen beruhen können.
Ein weiterer Baustein der Kooperation ist die Resilienz der IT-Infrastruktur. Beide Länder verfolgen ähnliche Konzepte, gehen dabei aber arbeitsteilig vor. Mecklenburg-Vorpommern konzentriert sich insbesondere auf die resiliente Bereitstellung von IT-Infrastrukturen durch kleine, ultramobile Rechenzentren. Schleswig-Holstein arbeitet schwerpunktmäßig an der Bereitstellung von Notfallarbeitsplätzen. Perspektivisch sollen gemeinsame Architekturen und Standards dazu beitragen, IT-Infrastrukturen und Arbeitsmöglichkeiten auch unter außergewöhnlichen Bedingungen schnell und möglichst ortsunabhängig bereitstellen zu können. Damit wird digitale Souveränität auch zu einer Frage der staatlichen Krisenvorsorge: Eine moderne Verwaltung muss nicht nur digital arbeiten können, sondern auch dann handlungsfähig bleiben, wenn zentrale Infrastrukturen ausfallen.
Ein wesentlicher Bestandteil der Zusammenarbeit ist außerdem der Aufbau einer länderübergreifenden Community für Open Source und digitale Souveränität. Fachreferate, IT-Verantwortliche und die CIO-Ebene tauschen sich regelmäßig über Projekte und Erfahrungen aus. Dabei geht es um mehr als Software. Digitale Souveränität bedeutet auch Wahlfreiheit bei Schnittstellen, Austauschformaten, technischen Komponenten, Netzen und Diensten. Offene und nachvollziehbare Lösungen können Abhängigkeiten reduzieren und ermöglichen es Verwaltungen, digitale Anwendungen an ihre eigenen Anforderungen anzupassen.