Backhaus: Landeswaldtag bringt Wald und Menschen zusammen

Nr.275/2026  | 04.09.2026  | LM  | Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt

 

Anlässlich des 15. Landeswaldtages, der morgen (05. September 2026) im Stadtforstamt Rostock eröffnet wird, erklärt Klimaschutz- und Forstminister Dr. Till Backhaus, dass Wald keine Verwaltungsgrenzen kenne:

„Nach dem letzten Landeswaldtag 2024 in Friedrichsmoor führen wir diese Tradition nun in neuer Form fort. Wir verbinden den Landeswaldtag mit dem bereits 13. Rostocker Waldtag und bringen damit Landesforst und Kommunalwald zusammen. Ich halte das für ein wichtiges Signal. Herausforderungen, vor denen Wälder stehen, können Land, Kommunen und private Waldbe­sitzer nur gemeinsam bewältigen“, so Backhaus, der ergänzt:

„Wald ist ein bedeutender Teil unseres Landes. Mecklenburg-Vorpommern verfügt über rund 558.000 Ha Wald. Damit ist etwa ein Viertel unserer Landesfläche bewaldet. Rein rechnerisch kommen auf jede Einwohnerin und jeden Einwohner des Landes rund 0,35 Ha Wald. Und dieser Wald gehört vielen verschiedenen Menschen und Institutionen: Rund 41 Prozent sind Landeswald, etwa 40 Prozent Privatwald, rund 10 Prozent Körperschaftswald und etwa 9 Prozent Bundeswald. Wir haben in MV rund 45.000 Waldbesitzer. Diese Zahlen zeigen bereits: Waldpolitik ist in MV keine Randaufgabe.

Unser Wald erfüllt viele Aufgaben gleichzeitig. Der Wald ist Lebensraum, Klimaschützer, Wasserspeicher, Luftfilter, Erholungsraum, Arbeitsplatz und Rohstofflieferant. Gerade beim Klimaschutz lohnt ein Blick auf die Dimensionen.

Deutschlandweit sind allein in den lebenden Bäumen rund 1,184 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert. Weitere 46 Millionen Tonnen Kohlenstoff befinden sich im Totholz. Nimmt man auch Streu und Waldböden hinzu, sind in Deutschlands Wäldern insgesamt rund 2,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert – im Durchschnitt etwa 197 Tonnen Kohlenstoff je Ha. Das macht deutlich: Unsere Wälder sind gewaltige Kohlenstoffspeicher. Aber wir müssen auch die andere Seite der Wahrheit benennen.

Die Bundeswaldinventur zeigt, dass der Kohlenstoffvorrat der Wälder zwischen 2017 und 2022 um rund 41,5 Millionen Tonnen zurückgegangen ist. In diesem Zeitraum wurde der deutsche Wald erstmals seit Jahrzehnten von einer Kohlenstoffsenke zu einer Kohlenstoffquelle. Hauptursachen sind die Folgen von Dürre, Hitze, Schädlingsbefall und Kalamitäten sowie ein geringerer Holzzuwachs. Das ist für mich ein deutlicher Auftrag: Wir müssen unsere Wälder erhalten, pflegen und konsequent zu klimastabilen Mischwäldern weiterentwickeln.

Deshalb investieren wir gezielt in klimaresiliente Wälder. Seit 2020 hat Mecklenburg-Vorpommern das größte Aufforstungs­programm seiner Geschichte gestartet: 20 Millionen Euro für die Initiative „Unser Wald in MV“. Damit konnten bereits rund 1.400 Hektar neuer Wald entstehen – das entspricht etwa 11,2 Millionen gepflanzten Bäumen. Bis 2030 sollen insgesamt 4.380 Hektar neuer Wald entstehen. Dabei setzen wir auf klimaange­passte Baumarten wie Buche oder Traubeneiche, die unsere Wälder widerstandsfähiger machen.

Und auch die Menschen im Land können mithelfen: Mit der Aktion „Baum statt Ramsch“ der Waldstiftung kann auch in diesem Jahr wieder zur Weihnachtszeit jeder für 10 Euro einen Baum für Mecklenburg-Vorpommern pflanzen lassen.

Waldschutz und Holznutzung sind dabei keine Gegensätze. Auch die nachhaltige Nutzung unseres Holzes ist Klimaschutz. Deutschland verfügt über einen Holzvorrat von rund 3,7 Milliarden Kubikmetern mehr als jedes andere Land der EU. Jährlich wachsen in unseren Wäldern etwa 101,5 Millionen Kubikmeter Holz nach. Im Durchschnitt wurden rund 72,6 Millionen Erntefestmeter pro Jahr genutzt. Holz, das wir beispielsweise in Häusern, Möbeln oder anderen langlebigen Produkten verwenden, hält Kohlenstoff weiter gebunden. Allein durch den wachsenden Speicher in Holzprodukten werden derzeit deutschlandweit netto rund 5 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr zusätzlich gebunden. Und Holz kann andere, energie­intensive Materialien ersetzen. Deshalb gehören für mich Waldschutz, Waldumbau und nachhaltige Holznutzung zusammen. Genau deshalb ist auch das Motto des Landeswaldtages so passend: „Wald, Holz und Technik“.

Moderne Technik hilft uns, den Wald von morgen aufzubauen. Die Forstwirtschaft hat sich enorm verändert. Das können die Besucherinnen und Besucher vor Ort selbst erleben: Harvester und Forwarder, Holzeinschlag durch Forstwirte, Pferderückung und Baumkletterer werden hier praktisch vorgestellt. Hinzu kommen Informationen zur Waldgesundheit, zum Waldumbau, zur Ausbildung sowie zahlreiche waldpädagogische Angebote.

Das ist wichtig, denn wir wollen nicht nur über Forstwirtschaft reden. Wir wollen zeigen, wie sie tatsächlich funktioniert. Unsere Forstleute müssen heute sehr unterschiedliche Anforderungen miteinander verbinden: Holz produzieren, Lebensräume erhalten, den Wald an das Klima anpassen, Erholungsräume sichern und zugleich wirtschaftlich arbeiten.

Die Bundeswaldinventur zeigt bundesweit, dass inzwischen 79% der Wälder Mischwälder sind. Die Fläche der Laubbäume hat innerhalb von zehn Jahren um rund 7 Prozent zugenommen. Auch der Totholzvorrat ist gestiegen und liegt inzwischen bei durchschnittlich 29,4 Kubikmetern je Ha – rund ein Drittel mehr als noch vor zehn Jahren. Das sind wichtige Entwicklungen für Artenvielfalt und Strukturreichtum.

Gleichzeitig zeigen die Zahlen, wie massiv der Klimawandel unsere Wälder bereits verändert. Allein der Fichtenvorrat in Deutschland ist zwischen 2012 und 2022 um 16 Prozent zurückgegangen. Dürre, Insekten und andere Kalamitäten haben erhebliche Schäden verursacht. Der Waldumbau ist deshalb keine abstrakte Zukunftsaufgabe. Er findet längst statt.

Wir wollen damit Lebensräume bewahren und gleichzeitig Arbeitsplätze und Wertschöpfung im ländlichen Raum sichern. Und vor allem wollen wir dafür sorgen, dass auch unsere Kinder und Enkel gesunde und leistungsfähige Wälder in Mecklenburg-Vorpommern erleben können. Daran arbeiten unsere Forstleute jeden Tag.“