Backhaus gratuliert zu 35 Jahren Zweckverband Schaalsee-Landschaft

Nr.277/2026  | 04.09.2026  | LM  | Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt

 

 

Anlässlich des 35jährigen Bestehens des Zweckverbandes Schaalsee-Landschaft betont Agrar- und Umweltschutzminister Dr. Till Backhaus die Bedeutung des Naturschutzgroßprojektes:

„Wenn man sich vor Augen führt, was in diesen dreieinhalb Jahrzehnten erreicht worden ist, dann wird daraus eine beeindruckende Bilanz für den Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Der Zweckverband wurde am 1. Januar 1991 gegründet - unmittelbar nach der deutschen Wiedervereinigung und als erster Naturschutzzweckverband Deutschlands. Und er war von Anfang an länderübergreifend angelegt. Heute gehören ihm Landkreise Nordwestmecklenburg, Ludwigslust-Parchim und Herzogtum Lauenburg sowie der WWF Deutschland an“, so Minister Backhaus, der ergänzt:

„Bereits 1992, also nur ein Jahr nach der Gründung, begann das Naturschutzgroßprojekt „Schaalsee-Landschaft“. Die Zahlen verdeutlichen die Dimension: 335 Quadratkilometer Projekt­gebiet, davon 147 Quadratkilometer Kerngebiet, eine Projekt­laufzeit von 1992 bis 2009 und insgesamt rund 26 Millionen Euro Förderung.

Mit diesen Mitteln wurden Flächen angekauft, Biotopmaß­nahmen umgesetzt sowie Pflege- und Entwicklungsplanungen finanziert. Auch die Finanzierung zeigt, dass dieses Projekt von Anfang an eine Gemeinschaftsleistung war. Der Bund übernahm zunächst 75 Prozent, ab 2005 70 Prozent der Investitionskosten. Weitere 15 Prozent trugen die Länder Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. Den verbleibenden Eigenanteil von 10 Prozent brachte überwiegend der WWF Deutschland auf.“

Das seien nicht einfach nur Förderzahlen. Dahinter stünden Flächen, die dauerhaft für den Naturschutz gesichert wurden, so Backhaus. 

„Dahinter stehen wiedervernässte Moore, naturnahe Wälder, artenreiche Weidelandschaften und Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Und genau das ist für mich entschei­dend: Aus Fördermitteln ist hier über Jahrzehnte ganz konkret Natur geworden. Denn Naturschutz braucht Fläche.

Das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe, der Zweckverband, die Stiftung Biosphäre Schaalsee und die Stiftung Umwelt- und Naturschutz verfügen gemeinsam über mehr als 6.700 ha Flächen im Biosphärenreservat. Der Zweckverband selbst managt heute rund 4.800 Hektar Eigentumsflächen. Damit ist über Jahrzehnte ein erheblicher Flächenbestand entstanden, auf dem Naturschutz dauerhaft gestaltet werden kann. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Moorschutz und Wasserrückhalt. Bereits seit den frühen 2000er Jahren werden Moore in der Region renaturiert. Dazu gehören das Vossmoor, das Kuhlrader Moor, die Molzahner Rinne und insbesondere die Moorrinne von Klein Salitz bis zum Neuenkirchener See.

Ein zweites Beispiel sind die „Wilden Weiden“. Durch die Zusammenarbeit von Zweckverband und Biosphärenreservat sind inzwischen fast 1.000 Hektar großflächige Weideland­schaften entstanden. Mehr als 500 ha Ackerland wurden in Grünland umgewandelt. Das ist für mich auch ein hervorra­gendes Beispiel dafür, dass Landwirtschaft und Naturschutz keine Gegensätze sein müssen.

Wenn wir gemeinsam mit den landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten, können wir Nutzung und Artenvielfalt miteinander verbinden. Und auch dafür gibt es konkrete Zahlen.

Bei Untersuchungen auf ausgewählten Weidelandschaften wurden 155 Zikadenarten und 21 Heuschreckenarten nachgewiesen. Das dort praktizierte Konzept der extensiven Rinderbeweidung wird sogar als bundesweit richtungsweisend für den flächenhaften Insektenschutz eingeschätzt.

Ähnlich beeindruckend sind die Ergebnisse in unseren Naturwäldern. In der Kernzone Weißes und Schwarzes Moor wurden 377 Arten holzbewohnende Käfer nachgewiesen, in der Kernzone Roggendorfer Moor 350 Arten. Damit liegen diese Flächen auf Spitzenplätzen der bislang untersuchten Natur­waldreservate in Mecklenburg-Vorpommern“, erklärt Backhaus und erinnert auch daran, dass der Jahrestag nicht nur eine Geschichte des Naturschutzes darstellt:

„35 Jahre Zweckverband Schaalsee-Landschaft sind auch ein Stück deutscher Geschichte. Über Jahrzehnte verlief hier die innerdeutsche Grenze. Heute gehört diese Landschaft zu einem der bedeutendsten Abschnitte des Grünen Bandes. Was einst Deutschland und die Menschen voneinander getrennt hat, verbindet heute Lebensräume über Ländergrenzen hinweg. Die Flächen des Zweckverbandes und des Landes bilden gemeinsam ein wesentliches Gerüst für das Grüne Band in unserer Region. Und in diesem Jahr gehen wir den nächsten wichtigen Schritt: Das Grüne Band in MV soll als Nationales Naturmonument dauerhaft gesichert werden. Das Unterschutzstellungsverfahren steht kurz vor dem Abschluss. Die entsprechende Verordnung soll noch im September 2026 veröffentlicht werden und in Kraft treten. Die Verordnung dient der Unterschutzstellung des Grünen Bandes in Mecklenburg-Vorpommern, welches entlang des ehemaligen Kolonnenweges entstanden ist. Es ist eine einzigartige Landschaftsstruktur, in der erfahren werden kann, wie historische Ereignisse und natürliche Entwicklungen eine außergewöhnliche Kulturlandschaft geschaffen haben. Es verbindet Orte der Erinnerungskultur mit einer symbolträchtigen Landschaft, die über Jahrzehnte hinweg als Folge der Teilung Deutschlands entstanden ist.“