30 Jahre Kläranlage Rostock – vom Hot Spot der Ostseebelastung zu einer der leistungsfähigsten Kläranlagen Deutschlands
Die Kläranlage Rostock feiert ihr 30-jähriges Bestehen. Klimaschutz- und Umweltminister Dr. Till Backhaus gratuliert und erläutert, die Bedeutung des Jubiläums:
„Wenn wir heute 30 Jahre Kläranlage Rostock feiern, dann feiern wir weit mehr als Betonbecken, Pumpen, Leitungen und technische Anlagen. Wir feiern 30 Jahre verlässliche Daseinsvorsorge.
Allein im Verbandsgebiet werden die Abwässer von rund 264.000 Einwohnern sowie von Gewerbe, Industrie und öffentlichen Einrichtungen entsorgt. Dafür braucht es 360 Abwasserpumpwerke, 15 Kläranlagen und mehr als 1.600 Kilometer Kanalnetz. Auf der anderen Seite werden rund 274.000 Einwohner mit Trinkwasser versorgt. Dafür stehen 11 Wasserwerke, 42 Brunnen und 1.415 Kilometer Trinkwasserleitungen bereit. Der Anschlussgrad liegt bei 99,9 Prozent“, so Backhaus, der ergänzt:
Im Alltag bleibt diese Infrastruktur weitgehend unsichtbar. Und vielleicht ist gerade das ihr größter Erfolg: Sie funktioniert. Jeden Tag. Rund um die Uhr. Wasserver- und Abwasserentsorgung gehören zur elementaren Daseinsvorsorge. Sie sind Grundlage für Gesundheit und Hygiene, für wirtschaftliche Entwicklung und für den Schutz unserer Gewässer.“
Wie groß der Fortschritt dabei in Rostock gewesen sei, zeige der Blick zurück, führt der Minister aus:
„Vor 1996 verfügte die damalige Kläranlage im Wesentlichen lediglich über eine mechanische Abwasserbehandlung. Eine biologische Reinigung und eine gezielte Nährstoffentfernung gab es nicht. Stickstoff und Phosphor gelangten deshalb zu großen Teilen über die Unterwarnow in die Ostsee.
Die Rostocker Kläranlage wurde damals von der Helsinki-Kommission sogar als einer der sogenannten Hot Spots der Ostseebelastung eingestuft. Mit der neuen Kläranlage änderte sich das grundlegend. Ein Wert macht deutlich, was hier erreicht worden ist: Bis einschließlich 1995 wurden im Durchschnitt jährlich etwa 30 bis 40 Tonnen Phosphor über die Kläranlage in Richtung Ostsee eingetragen. Nach der Modernisierung waren es nur noch 3,5 bis 4,5 Tonnen. Heute liegen wir bei unter 3 Tonnen im Jahr, teilweise sogar unter 2 Tonnen.
Die Phosphorkonzentration sinkt bei der Reinigung von durchschnittlich 10 bis 13 Milligramm pro Liter im Zulauf auf nur noch 0,17 Milligramm im Ablauf. Das entspricht einer Reinigungsleistung von 97 bis 99 Prozent.
Aus einem Hot Spot der Ostseebelastung ist eine der modernsten und leistungsfähigsten Kläranlagen Deutschlands geworden. Und deshalb ist dieses 30-jährige Jubiläum nicht nur ein Geburtstag. Es steht für 30 Jahre konkreten Gewässerschutz für Warnow und Ostsee.“
Allerdings dürfe man sich auf diesem Erfolg nicht ausruhen, mahnt Backhaus. Mit der neuen europäischen Kommunalabwasserrichtlinie, die seit 2025 in Kraft sei, beginne das nächste Kapitel:
„Europa verschärft unter anderem die Anforderungen an die Entfernung von Stickstoff und Phosphor. Für große Anlagen gilt künftig beim Phosphor ein Wert von 0,5 Milligramm pro Liter. Rostock erreicht heute bereits durchschnittlich 0,17 Milligramm. Wir starten also aus einer sehr guten Position. Die größere Herausforderung wird die sogenannte 4. Reinigungsstufe sein. Sie soll Mikroschadstoffe entfernen beispielsweise Rückstände aus Arzneimitteln oder Kosmetika. Für Kläranlagen ab 150.000 Einwohnerwerten wird diese zusätzliche Reinigung verpflichtend. Rostock mit einer Kapazität von bis zu 400.000 Einwohnerwerten gehört dazu. Bis spätestens 2045 müssen die Vorgaben umgesetzt sein; erste Etappenziele greifen bereits ab 2033.
Das wird Investitionen erfordern. Und es wird darauf ankommen, dass die Finanzierung fair ausgestaltet wird. Deshalb ist es richtig, dass die europäische Richtlinie auf die erweiterte Herstellerverantwortung setzt: Hersteller insbesondere aus der Pharma- und Kosmetikindustrie sollen mindestens 80 Prozent der Kosten der 4. Reinigungsstufe tragen. Denn wer problematische Stoffe in Verkehr bringt, muss auch Verantwortung für ihre Beseitigung übernehmen.
Auch beim Thema Energie ist Rostock schon weit. Die neue Richtlinie stellt höhere Anforderungen an die Energieeffizienz von Kläranlagen. Die Rostocker Anlage erzeugt durch die Nutzung von Klärgas inzwischen bereits rund 90 Prozent ihres Strombedarfs selbst“, so Minister Backhaus abschließend.