35. Landeserntedankfest – Backhaus: „Gute Ernte allein reicht nicht aus“
Wenn Mecklenburg-Vorpommern am Wochenende in Grabow das 35. Landeserntedankfest feiert, geht es um mehr als Ernteerträge. Es geht um einen Wirtschaftszweig, der jeden Tag Lebensmittel produziert, Arbeitsplätze und Wertschöpfung sichert und die ländlichen Räume prägt. Unter dem Motto „Tüffeln, Trecker un Tohuus“ rückt Grabow am 3. und 4. Oktober genau diese Verbindung von Landwirtschaft, regionalen Produkten und Heimat in den Mittelpunkt.
Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus wird am Sonntag am Landeserntedankfest teilnehmen. Für ihn ist das Fest auch Anlass, den Blick auf die wirtschaftliche Bedeutung der gesamten Land- und Ernährungswirtschaft zu richten:
„Was auf unseren Feldern und in unseren Ställen beginnt, schafft weit darüber hinaus Wertschöpfung: in Molkereien und Schlachtereien, in Mühlen und Bäckereien, im Lebensmittelhandwerk und in vielen weiteren Unternehmen. Diese Kette beginnt bei unseren Landwirtinnen und Landwirten. Sie versorgt uns mit Lebensmitteln, schafft Arbeit und Einkommen und gibt unseren ländlichen Räumen wirtschaftliche Kraft. Darauf können wir in Mecklenburg-Vorpommern stolz sein.“
Die Ernte 2026 zeigt dabei ein differenziertes Bild. Beim Winterweizen werden rund 84,5 Dezitonnen je Hektar erreicht, bei der Wintergerste knapp 89 Dezitonnen. Beim Raps fällt die Bilanz mit knapp 29 Dezitonnen je Hektar deutlich schwächer aus.
Doch Ertrag und wirtschaftlicher Erfolg sind nicht dasselbe. Hohe Kosten für Dünger, Energie, Maschinen und Reparaturen treffen auf teilweise niedrige Erzeugerpreise. Harnstoff kostet rund 22 Prozent mehr als vor einem Jahr, Kalkammonsalpeter rund 20 Prozent mehr. Reparaturen und Ersatzteile für Landmaschinen sind inzwischen rund 40 Prozent teurer als vor 2022. Besonders angespannt ist die wirtschaftliche Situation in Teilen der Tierhaltung.
Backhaus: „Eine gute Ernte ist noch lange kein gutes Wirtschaftsjahr. Entscheidend ist, was am Ende auf dem Betrieb übrig bleibt. Wer regionale Lebensmittel aus Mecklenburg-Vorpommern will, muss deshalb auch wollen, dass Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion hier wirtschaftlich erfolgreich sein können. Wir brauchen Betriebe, die investieren, junge Menschen ausbilden und eine Zukunft haben. Dafür brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen, weniger unnötige Bürokratie und ausreichend unternehmerischen Spielraum.“
Das Landeserntedankfest macht zugleich sichtbar, was regionale Wertschöpfung ganz praktisch bedeutet. Am Samstag und Sonntag präsentieren sich regionale Anbieter auf dem Markt in der Grabower Innenstadt. Zum Programm gehören außerdem unter anderem Jagd und Fischerei, Showkochen mit Produkten aus Mecklenburg-Vorpommern, plattdeutsche Kultur, Musik, Erntewagen und Erntekronen. Am Samstagabend wird zum Ernteball eingeladen.
Am Sonntag beginnt das Programm um 10 Uhr mit dem Erntedankgottesdienst. Um 11.30 Uhr startet der Festumzug durch die Grabower Altstadt. Ab 14.30 Uhr folgen die Grußworte der Ehrengäste und die Übergabe der Landeserntekrone an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.
„Erntedank heißt für mich deshalb nicht nur zurückzuschauen. Es geht auch um die Frage, wie wir unsere heimische Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion für die Zukunft stark halten. Denn regionale Lebensmittel brauchen regionale Betriebe. Und starke Betriebe bedeuten starke ländliche Räume. Genau dafür steht dieses Fest“, betonte Backhaus.