Renaturierung der Nebel abgeschlossen

Nr.334/15  | 09.10.2015  | LM  | Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt

Heute wurde im Landkreis Rostock eines der größten Renaturierungsprojekte des Landes abgeschlossen.

„Der Mensch hat in der Vergangenheit erheblich in das Ökosystem der Nebel eingegriffen. Nun werden wir der Nebel wieder ihr altes ‚Zuhause‘ zurückgeben! Mit der Errichtung der Fischaufstiegsanlage Lüssow wird nach über 130 Jahren wieder ein natürliches hydrologisches Regime im Unterlauf der Nebel hergestellt und das Flussökosystem der Nebel auf einer Gesamtlänge von ca. 100 km an die Warnow und die Ostsee angeschlossen“, so Umweltminister Dr. Till Backhaus.

Bei Lüssow, etwa 2 km westlich von Güstrow, teilt sich die Nebel in die Alte Nebel und in den Bützow–Güstrow–Kanal.Bisher erfolgte die Wasserzuführung in die Fließstrecke der Alten Nebel über ein sogenanntes Streichwehr, welches als Querbauwerk ein unüberwindbares Hindernis für aquatische Lebewesen darstellte. Das meiste Wasser wurde zudem über die Kanalstrecke abgeführt. Um die Alte Nebel als Wanderkorridor für aquatische Lebewesen wieder herzustellen, wurde das bestehende Streichwehr komplett zurückgebaut und durch eine Fischaufstiegsanlage in naturnaher Bauweise als Beckenpass mit aufgelösten Störsteinen ersetzt. Die Anlage hat eine Gesamtlänge von ca. 160 Metern und eine Sohlbreite von 9 Metern. Über 29 Riegelreihen erfolgt ein kontinuierlicher Abbau der Höhendifferenz von immerhin 2 ½ Metern.

Die Wasseraufteilung wird jetzt zugunsten der Alten Nebel umgekehrt – d.h., dass der Hauptanteil des Abflusses nunmehr der Alten Nebel zufließt. Zur Überführung der Verbindungsstraße Parum–Lüssow wurde zudem der Neubau einer Brücke notwendig, die damit an den europäischen Radwanderweg Berlin-Kopenhagen angebunden wird. „Durch Umkehrung des Abflusses vom Nebelkanal zu Gunsten der Alten Nebel wird eine eigendynamische Entwicklung des Gewässerlaufes erreicht. Es wird wieder Wasserwechselzonen geben, einen Entwicklungskorridor entlang des Flusses, in dem keine oder angepasste Bewirtschaftung stattfindet und sich natürliche Vegetation und Habitate entwickeln können. Außerdem wird fortan gewährleistet, dass die landwirtschaftlich genutzten Flächen entlang des Gewässerverlaufs zukünftig extensiv genutzt werden, was zu einer Reduzierung von Nährstoffeinträgen in die Alte Nebel führt“, erklärte der Minister.

Die Einweihung der Fischtreppe und der Brücke stellt damit den Schlusspunkt der Renaturierungsmaßnahmen der Nebel. Seit 1994 sind so mehr als 7 Mio. Euro Fördermittel von EU, Bund und Land eingesetzt worden.

Hintergrund:

Die Nebel ist mit einem Einzugsgebiet von 998 km2 und eine Fließlänge von 74 km der größte Nebenfluss der Warnow, in die sie bei Bützow einmündet. Sie ist einer der saubersten und fischreichsten Flüsse M-V und weist aufgrund ihrer unterschiedlichen Struktur vielfältige Lebensräume auf. Aktuell sind für die Nebel neben dem Bachneunauge als einzige Rundmaulart 28 Fischarten belegt. In den langsam fließenden Abschnitten dominieren Döbel, Plötze, Hecht und Barsch. Die gefällereichen Durchbruchstäler werden von strömungsliebenden Arten bewohnt. Neben Bachforelle, Gründling und Quappe kommen hier auch seltene Arten wie Elritze und Bachschmerle vor.