Waldbrand im Müritz-Nationalpark unter Kontrolle – Nachsorge und Sicherung geht weiter
Der Waldbrand im Müritz-Nationalpark ist unter Kontrolle. Nach mehreren Tagen intensiver Brandbekämpfung ist es den Einsatzkräften gelungen, eine weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Eine vollständige Entwarnung kann dennoch noch nicht gegeben werden. Das Brandgebiet wird weiterhin engmaschig überwacht, da sich im munitionsbelasteten Gelände noch Glutnester befinden und sich die Lage bei ausbleibenden Niederschlägen und zunehmendem Wind jederzeit wieder verändern kann.
Insgesamt waren rund 400 Hektar des 32.200 Hektar großen Müritz-Nationalparks vom Brand betroffen. Damit wurden gut ein Prozent der Nationalparkfläche in Mitleidenschaft gezogen.
Außergewöhnlicher Einsatz unter schwierigsten Bedingungen
Zeitweise waren täglich bis zu 400 Einsatzkräfte vor Ort im Einsatz. Feuerwehren, Katastrophenschutz, Nationalparkverwaltung, Landesforstanstalt, Polizei, THW, Bundeswehr, Bundesforst und zahlreiche weitere Organisationen arbeiteten unter schwierigsten Bedingungen Hand in Hand. Unterstützung kam dabei weit über Mecklenburg-Vorpommern hinaus – bis aus Bayern wurden Einsatzkräfte und Technik entsandt.
Der Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt, Dr. Till Backhaus, sagte: „Dass der Waldbrand heute unter Kontrolle ist, ist vor allem das Verdienst der vielen Einsatzkräfte, die über Tage hinweg Außergewöhnliches geleistet haben. Ihnen allen gilt mein herzlicher Dank. Gleichzeitig wissen wir: Der Einsatz ist noch nicht beendet. Die Nachsorge wird in den kommenden Wochen noch viel Kraft und Ausdauer erfordern. Das Land wird die erforderlichen Maßnahmen finanziell unterstützen. Dazu gehört auch, den bereits erarbeiteten Sondereinsatzplan zügig umzusetzen. Ein Schwerpunkt wird dabei die Sondierung und Ertüchtigung der Waldwege sein, damit Einsatzkräfte im Ernstfall schneller und sicherer handeln können.“
Landkreis: Dank an Einsatzkräfte und Bevölkerung
Der Landrat des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte, Thomas Müller, würdigte die Leistung aller Beteiligten: „Mein besonderer Dank gilt allen Einsatzkräften, die mit höchstem Engagement und großer Professionalität diesen außergewöhnlichen Einsatz bewältigt haben. Stellvertretend möchte ich die Feuerwehren sowie die Besatzungen der Löschhubschrauber nennen, die unter schwierigsten Bedingungen einen entscheidenden Beitrag zur Eindämmung des Brandes geleistet haben. Ebenso danke ich den Bürgerinnen und Bürgern der betroffenen Gemeinden für ihr Verständnis, ihre Geduld und ihre Unterstützung.“
Zur Brandursache erklärte Müller: „Zur Ursache des Brandes können wir derzeit keine Aussagen treffen. Die Polizei ermittelt. Fest steht lediglich, dass das Feuer an mehreren Stellen im Gebiet entstanden ist. Das ist auffällig und wird im Rahmen der laufenden Ermittlungen sorgfältig geprüft. Spekulationen verbieten sich zum jetzigen Zeitpunkt.“
Sicherungsmaßnahmen laufen weiter
Die Nachlöscharbeiten und die Sicherung des Brandgebietes werden noch längere Zeit andauern. Die Drohnenüberwachung zeigt weiterhin einzelne Wärmequellen mit Temperaturen von bis zu 160 Grad Celsius. Deshalb bleiben die eingerichteten Verteidigungslinien bestehen. Kreisregner werden weiterhin eingesetzt, um ein erneutes Aufflammen zu verhindern. Die bislang geliehene Spezialtechnik wird schrittweise durch landeseigene Technik ersetzt. Gleichzeitig werden auswärtige Einsatzkräfte nach und nach aus dem Einsatz herausgelöst.
Die Niederschläge der vergangenen Tage haben die Löscharbeiten erheblich unterstützt. Auf Teilen der Brandfläche fielen bis zu 8,5 Liter Regen pro Quadratmeter, im Bereich Granzin zwischen 1,5 und 3 Litern. Mit nachlassenden Niederschlägen und zunehmendem Wind bleibt jedoch Vorsicht geboten.
Auch die Notunterkunft in Peckatel wird inzwischen zurückgebaut. Das eigentliche Brandgebiet bleibt aufgrund der Munitionsbelastung weiterhin gesperrt. Nach Einschätzung des Munitionsbergungsdienstes kann die Fläche von den Einsatzkräften frühestens in etwa zwei Wochen wieder betreten werden.
Konsequenzen aus dem Einsatz
Die Erfahrungen der vergangenen Tage sollen nun zügig in konkrete Maßnahmen münden. Der bereits erarbeitete Sondereinsatzplan für den Müritz-Nationalpark wird schrittweise umgesetzt. Als erste Maßnahmen sollen das Wegenetz ertüchtigt und zusätzliche Löschwasserentnahmestellen geschaffen werden. Voraussetzung dafür sind umfangreiche Kampfmittelsondierungen, da zahlreiche Wege zunächst auf Munition untersucht und gesichert werden müssen. Die während des Einsatzes bewährten Löschboxen bleiben teilweise dauerhaft in der Region: Eine Löschbox wird künftig im Müritz-Nationalpark stationiert, eine weitere als Reserve am Standort Neustrelitz vorgehalten.
Nationalpark: Die Natur wird sich erholen
Der Leiter des Müritz-Nationalparks, Ulf Zimmermann, blickt trotz der Schäden zuversichtlich nach vorn: „Mein Dank gilt den Menschen in der Region, die den Einsatz mit großer Geduld und Verständnis begleitet haben. Für den Nationalpark war dieser Brand ein einschneidendes Ereignis. Gleichzeitig wissen wir aus Erfahrung, dass unsere Natur über eine enorme Regenerationskraft verfügt. Viele grüne Inseln sind erhalten geblieben. Von dort aus werden sich Pflanzen und Tiere die betroffenen Flächen Schritt für Schritt zurückerobern. Diesen Prozess werden wir ökologisch bewerten.“
Bürgermeister dankt Feuerwehr und Bevölkerung
Der Bürgermeister der Gemeinde Kratzeburg Dr. Guntram Wagner sagte: „Ich danke allen Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden sowie den vielen Helferinnen und Helfern, die Tag und Nacht für den Schutz unserer Gemeinden im Einsatz waren. Mein Dank gilt ebenso den Bürgerinnen und Bürgern, die die notwendigen Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen mit großer Besonnenheit mitgetragen haben. Dieser Zusammenhalt hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir diese schwierige Lage gemeinsam bewältigen konnten.“
Investitionen bewähren sich – Bund bei Munitionsberäumung gefordert
Der Minister verwies darauf, dass Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit dem Innenministerium in den vergangenen Jahren rund 111 Millionen Euro in den Waldbrand- und Katastrophenschutz investiert hat. Dazu gehören unter anderem die Waldbrandzentrale Mirow mit 24 Kamerastandorten, die rund 332.000 Hektar Wald überwacht, moderne Spezialtechnik für Einsätze auf munitionsbelasteten Flächen, neue Löschwasserentnahmestellen sowie 310 neue Feuerwehrfahrzeuge.
Gleichzeitig erneuerte Backhaus seine Forderung an den Bund, die Beräumung munitionsbelasteter Flächen deutlich zu beschleunigen. In Mecklenburg-Vorpommern gelten rund 60.000 Hektar Wald als munitionsbelastet, davon 28.400 Hektar in der höchsten Gefährdungskategorie. Rund 10.000 Hektar dieser Flächen liegen auf ehemaligen Bundesliegenschaften. Im Jahr 2024 konnten jedoch lediglich 143 Hektar von Munition beräumt werden. „Dieser Einsatz hat eindrucksvoll gezeigt, wozu unsere Einsatzkräfte fähig sind, wenn alle Ebenen eng zusammenarbeiten. Er hat aber auch deutlich gemacht, wo wir besser werden müssen. Genau daran werden wir jetzt arbeiten – mit der konsequenten Umsetzung des Sondereinsatzplans, weiteren Investitionen in den Waldbrand- und Katastrophenschutz und einer klaren Erwartung an den Bund, seiner Verantwortung bei der Munitionsberäumung gerecht zu werden. So machen wir den Müritz-Nationalpark und unser Land widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen der Zukunft.“





