Meeresschutz stärken und Kompetenzen bündeln – MV setzt auf wirksame statt pauschale Maßnahmen

Nr.140/2026  | 06.05.2026  | LM  | Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt

Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt nimmt am Freitag, 7. Mai, an der 106. Umweltministerkonferenz (UMK) in Leipzig teil. Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach einem verbesserten Meeresschutz in Nord- und Ostsee, Konsequenzen aus den wiederholten Walstrandungen sowie Fortschritte bei der Munitionsbergung und beim Wildtiermanagement.

 

Meeresschutz: Wirksam statt pauschal

„Das Ökosystem von Nord- und Ostsee ist durch vielfältige Nutzungen und stoffliche Einträge stark belastet. Daraus folgt ein klarer Auftrag: mehr Meeresschutz - aber wirksam und nicht nur auf dem Papier“, sagt Umweltminister Dr. Till Backhaus.

Mecklenburg-Vorpommern setzt sich daher für mehr und wirksamere Ruhe- und Rückzugsräume ein, in denen sich Arten und Lebensräume ohne direkte Beeinträchtigungen durch menschliche Nutzung erholen können. Solche geschützten Bereiche sind ein zentraler Baustein für den Schutz von Meeressäugern, weil sie Störungen reduzieren und sichere Rückzugsräume schaffen.

Ergänzend setzt das Land auf gezielte Maßnahmen zur Verringerung konkreter Risiken - insbesondere beim Beifang durch die traditionelle Kleine Küstenfischerei sowie im Umgang mit Geisternetzen. Grundlage ist dabei ein klarer Ansatz: Maßnahmen müssen dort ansetzen, wo tatsächlich Gefahren bestehen und auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

Auch bei der Industriefischerei verfolgt Mecklenburg-Vorpommern diesen differenzierten Weg und setzt sich für eine wirksame Regulierung auf EU-Ebene ein.

„Ich bleibe dabei: Wir brauchen mehr Meeresschutz. Daran hat sich auch nach den Erfahrungen mit der Walrettung nichts geändert“, stellt Backhaus klar. „Aber dieser Schutz muss wirksam und verhältnismäßig sein. Er darf nicht dazu führen, dass wir gewachsene Strukturen an unserer Küste zerstören.“

Die Küstenfischerei sei nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, sondern auch Teil unserer kulturellen Identität und als immaterielles Kulturerbe anerkannt. „Die Zahl der Betriebe ist seit der Wende bereits massiv zurückgegangen -  von rund 950 auf heute etwa 270 im Haupt- und Nebenerwerb. Diese Entwicklung zeigt, wie sensibel wir hier abwägen müssen. Unser Ziel ist es, Meeresschutz und Fischerei gemeinsam zu denken - nicht gegeneinander auszuspielen.“

„Mecklenburg-Vorpommern verfügt bereits über eine sehr hohe Schutzgebietsdichte: Rund 50 Prozent des Küstenmeeres stehen unter Schutz. Gleichzeitig wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen umgesetzt - von Renaturierungen über Schutzgebietsbetreuung bis hin zur Wiederherstellung von Seegraswiesen und Riffstrukturen.

„Meeresschutz findet längst statt - entscheidend ist, ihn weiter zu verbessern und zielgerichtet auszubauen“, so Backhaus.

 

Walstrandungen: Lehren ziehen, Strukturen schaffen

Die jüngsten Buckelwal-Strandungen haben aus Sicht des Landes gezeigt, dass es klarere Strukturen und abgestimmte Verfahren braucht.

Mecklenburg-Vorpommern setzt sich daher für einen länderübergreifenden „Runden Tisch Walstrandungen“ ein. Ziel ist ein gemeinsames Konzept mit klaren Zuständigkeiten, abgestimmten Abläufen und einer tragfähigen Koordinierungsstruktur.

„Solche Einsätze sind hochkomplex. Wir brauchen klare Verantwortlichkeiten, abgestimmte Prozesse und eine gemeinsame Linie über Ländergrenzen hinweg“, sagt Backhaus.

 

Munitionsaltlasten: Bund muss liefern

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bergung von Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee. Mecklenburg-Vorpommern fordert vom Bund mehr Tempo und Verlässlichkeit.

Konkret wird die Vorlage der Ergebnisse aus den Pilotbergungen sowie ein gemeinsames Finanzierungsmodell für die langfristige Munitionsbeseitigung gefordert.

„Hier handelt es sich um eine Generationenaufgabe. Der Bund muss gemeinsam mit den Ländern für klare Zuständigkeiten und eine verlässliche Finanzierung sorgen“, so Backhaus.

Zudem setzt sich das Land für die schnelle Einrichtung des Bundeskompetenzzentrums „Munitionsbergung aus dem Meer“ in Rostock ein.

 

Kormoran: Bestände managen, Interessen ausgleichen

Auch beim Umgang mit dem Kormoran spricht sich Mecklenburg-Vorpommern für einen ausgewogenen Ansatz aus.

Vor dem Hintergrund eines stabilen Bestands setzt sich das Land dafür ein, die rechtlichen Spielräume zu erweitern und ein europaweites Management zu prüfen.

„Wir brauchen einen Ausgleich zwischen Artenschutz und den berechtigten Interessen der Fischerei“, betont Backhaus.

Anlagen

Forderungen UMK Leipzig (PDF, 0,16 MB)
Forderungen UMK Leipzig