M-V möchte regionale Wertschöpfungsketten für Leguminosen etablieren
Mecklenburg-Vorpommern möchte weiterhin auf den heimischen Anbau und die Verwertung von Leguminosen setzen, um den gewachsenen Bedarf an pflanzlichen Eiweißen zu begegnen und Importen aus Südamerika entgegenzuwirken, wo beispielsweise der Anbau von Sojaanbau in den vergangenen 20 Jahren massiv gestiegen ist und vielfach mit der Rodung von Regenwald verbunden ist.
„Die Etablierung regionaler Arbeitskreise zur Förderung bzw. Entwicklung regionaler Wertschöpfungsketten ist daher weiterhin ein wichtiges Ziel der Koordinierungsstelle Eiweißstrategie an der Landesforschungsanstalt M-V“, betonte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus heute in Schwerin. Die letzten Jahre hätten gezeigt, dass die Nachfrage nicht nur im Futtermittelbereich, sondern auch im Nahrungsmittelsegment sowohl in direkter als auch in verarbeiteter Form (z. B. Proteinisolate) deutlich gestiegen sei und leider häufig nicht regional oder sogar aus dem Ausland gedeckt werden müsse, sagte er weiter. Auch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) und das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) bescheinigten heimischen Hülsenfrüchten in einer kürzlich veröffentlichten Marktrecherche ein hohes Potenzial.
Bereits 2020 hat das Land M-V eine Eiweißstrategie auf den Weg gebracht, betonte Minister Backhaus. Sie führt u.a. bestehende Forschungsprojekte in den Demonstrationsnetzwerken Soja, Lupine und Erbse/Ackerbohne sowie KleeLuzPlus an der Landesforschungsanstalt M-V zusammen und verfolgt schwerpunktmäßig das Ziel, Wertschöpfungsketten zu fördern und Verarbeitung und Handel stärker zu integrieren.
Dazu der Direktor der LFA, Dr. Peter Sanftleben: „Darüber hinaus sollen die Nebenprodukte der Raps- und Sonnenblumenverarbeitung sowie alternative Eiweißquellen für die Fütterung und die Ernährung Berücksichtigung finden. Auch geht es darum, deutlich mehr nachhaltigere und regionale Stoffkreisläufe zu initiieren, um auf der einen Seite unabhängiger von Importen zu werden und auf der anderen Seite transparente Lieferketten mit garantierten Qualitätsanforderungen zu generieren.“
„Es braucht einen langen Atem, um den jahrelang unterschätzten Leguminosenanbau wieder auszuweiten, denn Wissen zu Anbau, Technik und Verarbeitung ist verloren gegangen, und v.a. Züchtung braucht lange Zeit, um den Landwirten sicheres Saatgut an die Hand zu geben“, so Dr. Sanftleben weiter. „Wir in MV sind auf einem guten Weg, das Wissen über Hülsenfrüchte wieder zusammenzuführen und die Akteure zu vernetzen, auch durch unsere Teilnahme an den Feldtagen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft im Juni dieses Jahres oder am 2. Nationalen Leguminosen-Kongress von BMEL und Deutscher Agrarforschungsallianz im Oktober 2024 in Leipzig“.
Im Rahmen der Strategie wurden darüber hinaus mehrere wiederkehrende Veranstaltungen wie das Erzeugertreffen Eiweißpflanzen MV oder die Leguminosentage Ost organisiert, und mit dem „Tag der Nischenkulturen“ wurde 2023 durch die Koordinierungsstelle Eiweißstrategie M-V ein neues Format ins Leben gerufen, um neben den Leguminosen auch weitere noch nicht etablierte, aber geeignete Kulturen in den Blick zu nehmen.
Zahlen für Mecklenburg-Vorpommern
Anbauflächen großkörnige Leguminosen MV 2023 (% zum Vorjahr):
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Futtererbsen |
29.100 ha |
+13 % |
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Süßlupinen |
4.400 ha |
- 41 % |
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Ackerbohnen |
4.500 ha |
- 31 % |
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Sojabohnen |
460 ha |
- 29 % |
Das entspricht 2023 einem Anteil der Ackerfläche von ca. 2,8 % (bundesweit 2,4 %).
Nicht zuletzt durch die Förderpolitik der EU und des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Anbaufläche von Futtererbsen in MV seit 2020 beispielsweise mehr als verdoppelt.
Gründe für den Rückgang der Anbauflächen bei Süßlupine, Ackerbohne und Sojabohne sind u.a. Wettereinflüsse, reduzierte GAP-Förderung, der Wechsel zu Erbsen, da diese stärker nachgefragt werden, sowie fehlende Vermarktungs- und Verarbeitungsstrukturen.
So ging mit der Prolupin GmbH 2023 der größte Leguminosenverarbeiter und Inhaber des Zukunftspreises 2014 des Bundespräsidenten insolvent und auch die Errichtung eines neuen Werkes zur Herstellung von Proteinisolaten aus Erbsen in Neubrandenburg (prodapi GmbH) ging leider nicht über die Planung hinaus.
Erträge 2023:
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Futtererbse |
20,8 dt/ha (vorl. Ergebnisse Stat. Landesamt) |
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Ackerbohne |
19,8 dt/ha (vorl. Ergebnisse Stat. Landesamt) |
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Süßlupine |
29,4 dt/ha (Referenzbetriebe LFA) |
Die Erzeugerpreise haben sich die letzten Jahre etwas gebessert:
2023:
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Trockenerbse |
30,30 Euro/dt (Marktinformation 33. KW) |
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Ackerbohne |
24,00 Euro/dt (Jahresbericht 2023 Referenzbetriebe) |
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Süßlupine |
30,00 Euro/dt (Marktinformation 33. KW) |
Weitere Hintergrundinformationen
Vor allem im Ernährungssektor hat der wachsende Bedarf an pflanzlichem Eiweiß dazu geführt, dass die beiden Wertschöpfungsketten für die Fütterung und die Ernährung im Wettbewerb stehen.
Die BLE teilte mit, dass von den in Deutschland geernteten Sojabohnen nur 10 % als Nahrungsmittel verwendet werden, bei Trockenerbsen beträgt dieser Anteil dagegen rund ein Viertel, bei Lupinen nur 7,5 % und bei Ackerbohnen lediglich 5 %. In Deutschland wurden 2023 insgesamt 266.000 Tonnen Erbsen ohne Frischerbsen, 175.000 Tonnen Ackerbohnen, 46.000 Tonnen Süßlupinen und 129.000 Tonnen Sojabohnen eingebracht. Der Anteil der Hülsenfrüchte an der gesamten Ackerfläche in Deutschland ist nach wie vor sehr gering.



