Digitalisierung in Wissenschaft und Forschung
Die Digitalisierung verändert grundlegend, wie geforscht und gelehrt wird. Die Hochschulen und Forschungseinrichtungen in MV verstehen die Digitalisierung als Chance in Gegenwart und Zukunft und nutzen die Potenziale des digitalen Wandels umfassend zur Stärkung des Wissenschafts- und Forschungsstandortes.
Die Landesregierung bekennt sich dazu, die Digitalisierung von Lehre, Forschung und Verwaltung an den Hochschulen weiter auszubauen. Hierbei werden die Hochschulen auch künftig unterstützt.
Koalitionsvertrag 2021-2026 (323)
Mecklenburg-Vorpommern investierte zwischen 2021 und 2024 rund 40 Millionen Euro in die Digitalisierung der Hochschulen. Hierzu gehörten die Anschaffung und Implementierung essenzieller Infrastrukturen und neuer digitaler Dienste, etwa Hard- und Software für digitale und hybride Lehr- und Lernorte, die digitale Prüfungsverwaltung, der Umgang mit Forschungsdaten oder der Ausbau integrierter Campus- und Lern-Management-Systeme. Auch wurden damit Maßnahmen zur Kompetenzentwicklung für digitale Lehre in der Hochschuldidaktik und für die Hochschulverwaltung unterstützt. Mit einem weiteren Programm hat das Land zwischen 2021 und 2023 darüber hinaus die Digitalisierung in der Lehrkräftebildung mit insgesamt 5 Millionen Euro gefördert.
Digitalisierung als Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit von Wissenschaft und Hochschulen
Die Digitalisierung berührt und prägt nahezu alle Bereiche von Wissenschaft und Forschung. In Mecklenburg-Vorpommern nimmt sie daher eine zentrale Rolle in der Hochschulplanung des Landes ein.
Angesichts rasanter technologischer Entwicklungsdynamiken, knapper werdender öffentlicher Haushalte und wachsender gesellschaftlicher Anforderungen ist die aktive Gestaltung der digitalen Transformation essenziell, um die Innovationskraft und Leistungsfähigkeit der Hochschulen in Forschung, Lehre, Transfer und Verwaltung zu sichern.
Viele Entwicklungen reichen weit über einzelne Bereiche in Wissenschaft und Forschung hinaus. So dienen zum Beispiel offene digitale Zugänge zu Forschungsergebnissen (sog. Open Access) nicht nur den Forschenden, sondern auch den Studierenden. Zudem können die Zivilgesellschaft und Unternehmen so stärker von der öffentlich finanzierten Forschung profitieren, indem sie das Wissen leichter nutzen können.
- Ein zentraler Beitrag der Hochschulen zur gesellschaftlichen Teilhabe an Wissenschaft liegt in der strukturierten Bereitstellung wissenschaftlicher Ergebnisse und Forschungsdaten. Durch freie Zugänge werden Erkenntnisse nicht nur innerhalb der Wissenschaft, sondern auch für Politik, Wirtschaft und interessierte Öffentlichkeit nutzbar. Diese Form der Sichtbarmachung unterstützt die Wissenschaftskommunikation – als ein spezifischer Baustein innerhalb ihres breiteren Spektrums. Das Wissenschaftsministerium und die Universitäten werden ab 2026 gemeinsam eine zentrale Servicestelle zu Open Access und Forschungsdatenmanagement aufbauen, die für alle Hochschulen im Land als Ansprechpartner zur Verfügung steht.
- Mit der neuen Open-Access-Strategie MV haben das Wissenschaftsministerium und Hochschulen sich im Sommer 2025 erstmals eine gemeinsame Strategie zur konkreten Nutzung von Digitalisierungspotenzialen verabschiedet. Damit wird der digitale und freie Zugang (sog. Open Access) zu den publizierten Ergebnissen öffentlich finanzierter Forschung und anderen Materialien zum Standard in Mecklenburg-Vorpommern.
- Als Partner bei der Umsetzung der „Landesstrategie für die Bestanderhaltung und Digitalisierung schriftlicher Kulturgüter (Smart KULTUR M-V)“ treiben die Universitätsbibliotheken die Digitalisierung der Sammlungsbestände weiter voran, um sie für Forschung und Lehre, aber auch für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen.
Digitale Transformation in der Forschung: Innovation durch Daten und KI
Forschungsprozesse, Forschungsgegenstände, Methoden und Werkzeuge, aber auch die Veröffentlichung, die Diskussion und der Transfer von Forschungsergebnissen verändern und erweitern sich über die Grenzen von Fächern und Disziplinen hinweg. Forschung profitiert in wachsendem Maß von digitalen Technologien. Insbesondere der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), Big Data und verfügbaren Forschungsdaten eröffnet neue Möglichkeiten zur Analyse komplexer Zusammenhänge in Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften. Forschung wird datengetriebener, vernetzter und interdisziplinärer. Die Verfügbarkeit von Daten für die Forschung ist dabei eine zentrale Aufgabe.
- Das Wissenschaftsministerium hat mit der Finanzierung des Projektes „Datenkompass MV“ im Land den Umgang mit Forschungsdaten maßgeblich vorangetrieben.
- Die Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen sind an zahlreichen Konsortien der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur beteiligt. Zusammen werden die von MV mitgetragenen Konsortien mit mehr als 150 Mio. Euro von Bund und Ländern finanziert.
- Damit die medizinische Forschung im Land von neuen Methoden und Daten profitiert, wurde ein deutschlandweit bislang einmaliges Gesundheitsforschungsstärkungsgesetz von der Landesregierung erarbeitet.
Digitalisierung in Studium und Lehre: Qualität, Flexibilität und Teilhabe
Die Hochschulbildung erfährt durch digitale Transformation einen tiefgreifenden Wandel. Das Lehren und Lernen verändert sich nachhaltig durch Blended Learning-Formate, digitale Plattformen und oder personalisierte Lernumgebungen und intelligente Assistenzsysteme. Niedrigschwellig nutzbare, generative künstliche Intelligenz hinterfragt Selbstverständlichkeiten in Studium und Lehre, beispielsweise etablierte Prüfungsformate. Gleichzeitig rückt die Vermittlung zentraler Zukunftskompetenzen an die Studierenden unserer Hochschulen als zukünftige Fachkräfte in den Fokus.
Alle Hochschulen im Land haben sich auf den Weg gemacht, digitalisierungsbezogene Inhalte in ihren Studiengängen zu verankern, digitale Lehr- und Lernformate sinnvoll in die Präsenzlehre zu integrieren und damit Zugänglichkeit, Flexibilität, Qualität und Effektivität im Studium zu steigern und neuen Bedarfen anzupassen. Die insbesondere auch in der Corona-Pandemie entstandenen Dynamiken gilt es nun, produktiv zu nutzen, bewährte Ansätze weiter zu verfolgen und neue Entwicklungen zu gestalten.
Die digitale Transformation stärkt die Innovationsfähigkeit der Hochschullehre. Die Förderprogramme der von Bund und Ländern geförderten „Stiftung Innovation in der Hochschullehre“ nutzen die Hochschulen in M-V sehr erfolgreich, um neue, zukunftsorientierte Ansätze in der Hochschulbildung zu erproben und zu etablieren.
Digitalisierung der Hochschulverwaltung: Effizienz, Nachhaltigkeit und Serviceorientierung
Auch die Hochschulverwaltungen befinden sich in einem umfassenden digitalen Modernisierungsprozess. Ziel ist es, zentrale Verwaltungsabläufe wie Immatrikulation, Prüfungsorganisation, Forschungsdokumentation und -informationen und das Personalmanagement stärker zu automatisieren, nutzerfreundlicher zu gestalten und besser miteinander zu verknüpfen. Damit sollen vorhandenen Ressourcen effizienter eingesetzt, die Servicequalität für Studierende, Lehrende und Forschende verbessert und die Transparenz interner Prozesse erhöht werden.
Die Hochschulen setzen verstärkt auf integrierte Campus-Management-Systeme wie HISinOne, um zentrale Verwaltungsabläufe – von der Immatrikulation bis zur Prüfungsorganisation – effizienter und nutzerfreundlicher zu gestalten. Ergänzt werden diese Systeme durch digitale Personalmanagement-Lösungen, die Personalprozesse automatisieren und transparenter machen.
Im Rahmen der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) wird die digitale Bereitstellung von Verwaltungsleistungen weiter vorangetrieben, um Bürgerinnen und Bürgern sowie Hochschulangehörigen medienbruchfreie und barrierearme Zugänge zu ermöglichen. Diese Maßnahmen tragen nicht nur zur Steigerung der Servicequalität bei, sondern fördern auch nachhaltige, papierlose Abläufe und eine verbesserte Datenverfügbarkeit innerhalb der Hochschulen.
Das Wissenschaftsministerium und die Hochschulen werden die Digitalisierung auch im Berichtswesen nutzen, um unnötige Bürokratie abzubauen und Abläufe zu beschleunigen.
- Land und Hochschulen prüfen gemeinsam, wie das Berichtswesen entlang des Kerndatensatzes Forschung effektiver und effizienter gestaltet und u. a. als transparentes Instrument für die Hochschulentwicklung genutzt werden kann.
- Das Land leistet bereits einen finanziellen Beitrag zur überregionalen Weiterentwicklung in diesem Bereich durch die Kommission für Forschungsinformationen in Deutschland (KFiD).
Fazit: Digitalisierung als strategisches Querschnittsthema
Die digitale Transformation durchdringt alle Ebenen der Hochschulentwicklung – von Forschung über Studium und Lehre bis hin zur Verwaltung. In Mecklenburg-Vorpommern ist sie ein strategisches Querschnittsthema, das eng mit den Zielen der Fachkräftesicherung, Innovationsförderung, Internationalisierung und Nachhaltigkeit verknüpft ist.
Die Digitalisierung bietet über den Wissenschafts- und Forschungsbereich hinaus viele Potenziale für Bürgerinnen und Bürger: Bürgerinnen und Bürger sehen, was mit den öffentlichen Mitteln erforscht wird, Verwaltungsprozesse werden einfach, schneller und günstiger (zum Beispiel für Studierende), Informationen können leichter gemeinsam genutzt werden.
Damit die Hochschulen des Landes ihre Rolle als Zentren wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung auch künftig erfüllen können, ist es entscheidend, Digitalisierung als integralen Bestandteil ihrer strukturellen und strategischen Weiterentwicklung zu begreifen.
