Jüdisches Leben und jüdische Kultur in MV weiter gestärkt

Beauftragter für jüdisches Leben stellt zweiten Tätigkeitsbericht vor

Nr.004/26  | 21.01.2026  | WKM  | Ministerium für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten

Der Beauftragte für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus in Mecklenburg-Vorpommern, Nikolaus Voss, hat am Mittwoch (21.1.2026) seinen zweiten Tätigkeitsbericht vorgelegt. Der Bericht umfasst den Zeitraum vom 1. Januar 2024 bis 31. Dezember 2025.

„Wir konnten in den vergangenen zwei Jahren das jüdische Leben und die jüdische Kultur in Mecklenburg-Vorpommern weiter stärken“, so Voss. „Die Zusammenarbeit mit den jüdischen Gemeinden im Land hat sich gut entwickelt. Daneben konnten konkrete Verbesserungen für die bei uns im Land lebenden jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erreicht werden.“

Politisch besonders bedeutsam war, dass der Landtag Mecklenburg-Vorpommern im Januar 2025 den Schutz und die Förderung jüdischen Lebens und jüdischer Kultur und die Ächtung des Antisemitismus in die Landesverfassung aufgenommen hat. „Das ist ein starkes politisches Fundament für das Leben von Jüdinnen und Juden in unserem Land“, so Nikolaus Voss.

Die Sicherheit der jüdischen Gemeinden im Land ist ein zentrales Thema in der Arbeit des Beauftragten. In Rostock konnten die technischen Maßnahmen am und im Gemeindehaus im Sommer 2025 abgeschlossen werden. Weitere Verbesserungen im Außenbereich werden mit der Hansestadt Rostock abgestimmt.

In Schwerin sind die Bauplanungen abgeschlossen und mit der Umsetzung der technischen Maßnahmen ist begonnen worden. Ein Termin für die Fertigstellung kann noch nicht genannt werden, da die Umbauten in einem komplizierten Altbaubestand erfolgen.

Die jüdischen Einrichtungen werden seit dem 7. Oktober 2023 mit permanent zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen der Polizei geschützt.

Die Idee eines Netzwerkes für jüdisches Leben in Mecklenburg-Vorpommern resultiert aus den in den Jahren 2021 und 2022 gefeierten Jubiläums „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Am 8. Oktober 2025 haben rund 50 Teilnehmende nun das Netzwerk bei einer Veranstaltung im Max-Samuel-Haus Rostock gegründet. Das Netzwerk soll Einzelpersonen, Vereine, Initiativen und Institutionen miteinander verbinden und den Austausch über Projekte fördern.

Im November 2024 hat die Landesregierung den Landesaktionsplan gegen Antisemitismus beschlossen und an den Landtag übergeben.

Mit der Umsetzung von einzelnen Maßnahmen des Landesaktionsplans wurde sofort begonnen.

In dem Bericht geht der Landesbeauftragte auf einzelne Maßnahmen des Aktionsplans ein. Einen besonderen Schwerpunkt ist die Bildungsarbeit. Exemplarisch sei hier die Ausweitung des Projektes „Meet a jew“ genannt, bei dem junge Menschen jüdischen Glaubens an Schulen gehen und Gleichaltrigen aus ihrem Alltag berichten. Eine Handreichung gegen Antisemitismus für die Jahrgangsstufen 1 bis 6 an den Schulen wurde Ende des Jahres 2024 fertiggestellt und im Rahmen eines Lehrerfachtags „Antisemitismus die Stirn bieten“ sowie Online-Veranstaltungen vorgestellt. Im Jahr 2026 ist die Erstellung einer Handreichung für die Klassenstufen ab dem 7. Jahrgang geplant. Mit der Fertigstellung liegen dann Materialien für alle Klassenstufen vor.

Lehrkräfte konnten an einer Online-Fortbildung zum Thema teilnehmen bei der u.a. der deutsche Botschafter in Israel, Steffen Seibert, aktuelle Fragen über die Situation im Nahen Osten beantwortete.

Für den Erhalt der jüdischen Kultur in Mecklenburg-Vorpommern spielen jüdische Friedhöfe eine zentrale Rolle. Insgesamt 62 jüdische Friedhöfe sind im Land bekannt, die sich jedoch in sehr unterschiedlichem Zustand befinden. In Rostock und Schwerin werden die Friedhöfe noch genutzt. Der Beauftragte hat sich bei der Oberbürgermeisterin der Hansestadt Rostock dafür eingesetzt, dass die Jüdische Gemeinde in Rostock eine eigene Trauerhalle auf dem Westfriedhof bauen kann. Bei zwei Lokalterminen konnten u.a. Standort- und Eigentumsfragen geklärt werden. Die Hansestadt Rostock hat sich bereit erklärt, eine Fläche im Eingangsbereich des Westfriedhofs unentgeltlich zur Verfügung zu stellen.

Auf dem alten jüdischen Friedhof in der Bornhövedstraße in Schwerin ist die Wiederbelegung des Begräbnisplatzes geplant. Die Trauerhalle, die als einzige im norddeutschen Raum erhalten ist, muss vor der Wiederingebrauchnahme saniert werden. Eine Lösung wird für das Jahr 2026 angestrebt.

Auf Initiative des Beauftragten hat eine kleine Arbeitsgruppe von Juli bis Oktober 2025 alle Friedhöfe besichtigt und eine Bestandsaufnahme durchgeführt. Es ist das Ziel, eine vollständige Dokumentation aller Standorte der jüdischen Friedhöfe in Mecklenburg-Vorpommern zu erstellen und zugänglich zu machen.

Erstinstandsetzungen und Pflegemaßnahmen aus dem Bund-Länder-Programm erfolgen kontinuierlich in Abstimmung zwischen dem Innenministerium und dem Landesverband der jüdischen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern.

Der gesamte Tätigkeitsbericht des Landesbeauftragten ist hier abrufbar und wird im Anhang an diese Pressemitteilung versandt.

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