Erläuterungen zur Düngelandesverordnung ab Januar 2021

Was muss ein Landwirt bei der Düngung in roten Gebieten beachten?

Die neue Düngeverordnung (DüV) für die Bundesrepublik Deutschland gilt seit dem 1. Mai 2020 und änderte die Düngeverordnung vom 26. Mai 2017. Insbesondere wurde der Paragraf 13a eingefügt, der Maßnahmen festlegt, die Landwirte einzuhalten haben, die in "mit Nitrat belasteten Gebieten", den so genannten roten Gebieten, wirtschaften. Zugleich wurden die Länder verpflichtet, in Landesverordnungen diese roten Gebiete auszuweisen und für diese Gebiete zwei weitere Maßnahmen festzulegen. 
Die Düngelandesverordnung (DüLVO) für Mecklenburg-Vorpommern vom 16.12.2020 gilt ab 1. Januar 2021. (siehe Aktuelles Rechtsetzungsverfahren)  Sie umfasst eine Übersichtskarte der roten Gebiete im Land und listet jeden einzelnen Feldblock auf, der als mit Nitrat belastetes Gebiet gilt.

Wer in einem roten Gebiet wirtschaftet, der muss nach
§ 13a Abs. 2 DüV und DüLVO M-V folgende Bestimmungen einhalten:

  • Die Düngemenge ist auf 20 % unter dem Bedarf der Kultur zu senken. Ausnahmen gibt es für Betriebe, die weniger als 160 kg Gesamtstickstoff je Hektar und davon nicht mehr als 80 kg in Form von mineralischen Düngemitteln aufbringen.
  • Es dürfen schlagbezogen nicht mehr als 170 kg N je Hektar aus organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln aufgebracht werden.
  • Winterraps und Wintergerste dürfen im Herbst nicht mehr gedüngt werden.
  • Kulturen, die nach dem 1. Februar ausgesät oder gepflanzt werden, dürfen nur gedüngt werden, wenn auf der betroffenen Fläche im Herbst des Vorjahres eine Zwischenfrucht angebaut worden ist.
  • Die Sperrfristen für Acker- und Grünland werden jeweils verlängert.
  • Vor dem Aufbringen von Wirtschaftsdünger sind die Stickstoff-Gehalte festzustellen.
  • Vor der Stickstoff-Aufbringung ist der im Boden verfügbare Stickstoff durch Untersuchung zu ermitteln.

Was kann der Landwirt künftig tun, um auf die Auflagen der Bewirtschaftung in einem roten Gebiet zu reagieren?

  • Erweiterung der Fruchtfolge;
  • Differenziertere Düngegaben;
  • Anbau von Winterweizen-Sorten mit hoher N-Effizienz;
  • Einsatz von moderner Technik zur Düngeeinsparung (Digitalisierung im Technikbereich);

weitere Fachinformationen auf der entsprechenden Seite der LMS Agrarberatung GmbH

häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wann wird eine Fläche zu einem roten Gebiet?

Die Bezeichnung "rotes Gebiet" resultiert aus der roten Kennzeichnung von "mit Nitrat belasteten Gebieten" in einer Übersichtskarte der Grundwassermessstellen.
Die vom Bund erlassene Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Gebietsausweisung (AVV GeA) ist die maßgebliche Rechtsverordnung. Sie wird in MV 1:1 umgesetzt.

Die Ausweisung dieser Gebiete erfolgt in drei Schritten und berücksichtigt gemessene Daten sowie Modellrechnungen. Es erfolgt eine zweifache Binnendifferenzierung, bei der zwei Mal ungefährdete (= grüne) von gefährdeten (= roten) Bereichen unterschieden werden. Nur der Feldblock, der im Ergebnis beider Differenzierungen ein Emissionsrisiko hat, wird als rotes Gebiet bezeichnet.

Im ersten Schritt werden die Nitratgehalte ausgewertet, die an den 559 Messstellen im Land ermittelt wurden. Mecklenburg-Vorpommern hat damit eine Messstellendichte von 1 je 42 Quadratkilometer, die rechtliche Mindestanforderung beträgt 1 Messstelle je 50 Quadratkilometer.
Im Ergebnis gelten in Mecklenburg-Vorpommern Gebiete um 91 Messstellen herum als belastet.

Die beiden weiteren Schritte setzen die zweite Binnendifferenzierung um. Zunächst wird auf der Basis von Boden- und Wetterdaten eine Modellierung vorgenommen. Sie berechnet, wie viel Stickstoff gedüngt werden kann, damit im Bodensickerwasser nicht mehr als 50 mg je Liter Nitrat entstehen.

Diese Karte wird mit der Karte verschnitten, die die tatsächlichen gedüngten Stickstoffmengen landesweit ausweist. Dazu werden entsprechende Datensätze aus den landwirtschaftlichen Betrieben genutzt.
Liegen diese Stickstoffsalden über dem modellierten maximal tolerierbaren Stickstoffsaldo, dann hat diese Fläche ein Emissionsrisiko und wird in der neuen DüLVO als "mit Nitrat belastetes Gebiet" im Sinne des § 13a Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 bis 3 der Düngeverordnung ausgewiesen.

Welche groß ist die Fläche im Land, die davon betroffen ist?

Mit Stand 25.11.2020 sind rund 181.000 ha in 4.533 Feldblöcken und damit rund 13 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LN) Mecklenburg-Vorpommerns als "mit Nitrat belastetes Gebiet" auszuweisen.

Im Vergleich zur Gebietskulisse der Düngelandesverordnung 2019 hat sich in MV die Gebietskulisse durch die zweifache Binnendifferenzierung um 30 % verringert. Hätte es bis zum 01.01.2021 keine geänderte Düngelandesverordnung geben, hätten die Auffangregelungen der Bundesdüngeverordnung gegolten. Das hätte zur Folge, dass die o. g. Maßnahmen für alle landwirtschaftlich genutzten Flächen in Grundwasserkörpern gegolten hätten, die bzgl. Nitrat zwar im chemisch guten Zustand sind, aber eine belastete Messstelle aufweisen. Dann wären ca. 75 % der Landesfläche betroffen gewesen.

In Sachsen sind 14,5% der LN betroffen. Niedersachsen (31%), Nordrhein-Westfalen (23 %) und in Rheinland-Pfalz (23 %) weisen größere Gebiete aus; Bayern und Hessen (jeweils 12 %) etwa genauso viel.

Warum unterscheiden sich die neuen Gebietskulissen der Bundesländer trotz der bundeseinheitlichen Vorgaben?

Es sind mehrere Gründe, warum die Gebietskulissen einiger Bundesländer voneinander abweichen können.

  • Vor allem sind es Unterschiede in den natürlichen Standortgegebenheiten (d. h. Böden, Grundwasserneubildungsraten und hydrogeologische Eigenschaften).
  • Ebenso spielt der gesunkene Anteil an Grünland an der landwirtschaftlichen Nutzfläche (hohe Umbruchrate vor dem Inkrafttreten des Dauergrünlanderhaltungsgesetzes M-V 2012) eine Rolle, da diese Standorte wegen ihres hohen Nitratabbaupotentials häufig kein Emissionsrisiko aufweisen.
  • Aber auch die Anbaustrukturen (z.B. Anbau düngungsintensiver Kulturen auf großen Flächen) sind relevant.

In welchen Zeitabständen wir die Ausweisung roter Gebiete überprüft?

Laut DüV § 13a Absatz 8 müssen die Landesregierungen spätestens vier Jahre nach ihrem erstmaligen Erlass (in M-V 22.12.2020) die Gebietsausweisung überprüfen, danach in Abständen von höchstens vier Jahren.
In MV ist vorgesehen, die Gebietskulisse bereits im ersten Jahr nach Erlass zu überprüfen und ggf. zum 01.01.2022 zu ändern..

Für Einzelfallentscheidungen gibt es keine rechtliche Grundlage.

Warum werden keine einzelbetrieblichen Daten verwendet?

Einzelbetriebliche Daten können nach der AVV GeA verwendet werden, sofern die Voraussetzungen für ihre elektronische Erfassung und modellgestützte Plausibilisierung sowie die elektronische Einspeisung und modelltechnische Verarbeitung dieser Daten vorliegen. Diese Voraussetzungen liegen in M-V bisher nicht vor.

Daher wird derzeit an der Etablierung einer entsprechenden Datenbank gearbeitet.

Wer bezahlt Ertragsminderungen bzw. Entschädigungsleistungen?

Für die Zahlung von Ertragsminderungen bzw. Entschädigungsleistungen gibt es keine rechtliche Grundlage

Dürfen Sommerungen gedüngt werden?

Die Vorgaben der DüV für die mit Nitrat belasteten Gebiete gelten ab dem 01. Januar 2021. Damit wird der Zwischenfruchtanbau 2021 verpflichtend für eine Düngung von Sommerungen im Jahr 2022.