Kunstmuseum Ahrenshoop
Finalist in der Kategorie "Bausumme ab 1.000.000 Euro"
In der Geschichte der Künstlerkolonie Ahrenshoop liegt der Schlüssel zu unserem vorgeschlagenen architektonischen Konzept für das neue Kunstmuseum. Trotz uneingeschränkter Zeitgenossenschaft der hier arbeitenden Künstler war sowohl bei ihren Werken als auch bei ihren Häusern eine tiefe Verbindung mit der Landschaft und der baulichen Tradition dieser Region zu spüren. So ist das vorgestellte Konzept der Versuch einer Transformation dieses ländlichen Bautypus in eine zeitgemäße Museumsstruktur.
Ausgehend von einem Bild einer Gruppe reetgedeckter Häuser wird ein Konglomerat an Einraumhäusern entwickelt, welches sich aus der Kerngröße der eigentlichen Ausstellungsräume ergibt.
Durch das Verschmelzen dieser Dachformen entsteht ein skulpturaler Baukörper, der diese scheinbaren Einzelhäuser zu einem Gesamtkomplex verbindet. So fügt der Baukörper sich selbstverständlich in die Maßstäblichkeit der Nachbarschaft ein und entwickelt doch eine neuartige Zeichenhaftigkeit für dieses auch überregional so bedeutende Museumskonzept.
Die Materialhaftigkeit der Fassade der Dach- und Wandflächen wurde in Anlehnung an die lineare Struktur der Rohrdächer gewählt, Die Messingtafeln mit unterschiedlich gekanteten Sickenabständen werden sich im Laufe dar Zeit, der Farbigkeit der umliegenden Reetdachhäuser durch Oxidation annähern.
Man betritt das Haus über den Haupteingang am Vorplatz an der Ecke "Althäger Straße" / "Weg zum Hohen Ufer" durch einen Windfang und gelangt so in den zentralen, eingeschossigen Foyerraum, von dem aus direkt alle öffentlichen Bereiche zu erreichen sind. Über gezielt gesetzte Öffnungen werden die Blicke in die Landschaft inszeniert.
So sind Kasse, Museumsshop, Garderobe direkt um diesen zentralen Raum angeordnet, welcher durch ein über dem Kassenbereich angeordnetes, großzügiges Oberlicht erhellt wird. Das Foyer kann auch als Veranstaltungsraum genutzt werden. Eine kleine Verweilzone flankiert einen zweiten Windfang, welcher sich mit seiner Terrasse nach Süden zur offenen Landschaft orientiert und somit einen separaten Ausgang nach Westen bietet. Ebenfalls unmittelbar vom Foyer aus sind die einzelnen Ausstellungsräume zu erreichen. Die Ausstellungsflächen des Museums sind barrierefrei erschlossen.
Die Ausstellungsräume sind mit Ausnahme des kleinen Kabinetts als Tageslichträume konzipiert. Sie werden über im Firstbereich angeordnete, horizontale Oberlichter mit Tageslicht versorgt, wobei spezielle Prismensysteme das direkte Licht reflektieren und nur diffuses Zenitlicht nach innen leiten. Bei Bedarf können zusätzliche Lichtquellen zugeschaltet werden.
Das Energiekonzept basiert auf der Nutzung der Geothermie als Energiequelle über Erdsonden. Hierfür werden 24 Erdsonden bis 99m eingesetzt. Zur Deckung der Heiz- und Kühllast ist eine reversible Wärmepumpenanlage zum Einsatz gekommen, sodass sie sowohl im Winter zur Beheizung wie auch im Sommer zur Kühlung herangezogen werden kann. Die aus den Erdsonden gewonnene Heiz- und Kühlenergie wird über die Wärmepumpe auf das benötigte Niveau geregelt. Über entsprechende Pufferspeicher, Wärmetauscher und hydraulische Weichen werden verschiedene Heiz/Kühlkreise versorgt. Zur Deckung der nötigen Heiz- und Kühllast in den einzelnen Räumen wird eine Bauteilaktivierung der Decken und Wände herangezogen.
Das auf den befestigten Dachflächen anfallende Regenwasser wird abgeleitet und über Regenwasserfilter dem grundstückseigenen Biotop zugeführt.
Der Bau des Museums geht auf eine Initiative des Vereins der Freunde und Förderer Kunstmuseum Ahrenshoop zurück. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Wismar wurde ein studentischer Wettbewerb für die Aufstellung einer Infobox durchgeführt. Finanziert aus eigenen Spenden- und Stiftungsgeldern wurde die Infobox im Sommer 2008 in Betrieb genommen und diente als Informationsort für das Vorhaben des Neubaus Kunstmuseum Ahrenshoop sowie zur Gewinnung von Mitgliedern und Stiftern. Nachdem 2008 ein Einladungswettbewerb für den Neubau des Museums ausgelobt wurde, sind die Planungsunterlagen mehrfach in den Gemeindevertretersitzungen vorgestellt und mit den Bürgern und Gemeindevertretern beraten worden.
Vor dem ersten Spatenstich wurde die Infobox wieder abgebaut und zur weiteren Verwendung als Schulungsraum der Freiwilligen Feuerwehr in Wiek auf dem Darss gebracht.
Im Sommer 2013 wurde eine Bürgerveranstaltung und Erstbegehung des Museumsbaues in Anwesenheit der Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, vor der Eröffnung durchgeführt. Geladen waren die Bürger Ahrenshoops und der Nachbargemeinden. Das Museum wurde mit den Förderern, Stiftern und Gästen am 30.08.2013 eröffnet.
Nur 32 Tage nach der Eröffnung konnte bereits die 10.000ste Besucherin im Museum begrüßt werden. Der Bau des Museums konnte durch Spenden und Fördergelder des Bundes und des Landes finanziert werden.
Text: Staab Architekten GmbH
Kontakt
Bauwerksdaten
| Planungszeitraum: | 04/2009 - 10/2012 |
| Baubeginn: | 11/2011 |
| Fertigstellungstermin: | 08/2013 |
| Bruttogeschossfläche: | 1.430 qm |
| Umbauter Raum: | 7.140 cbm |
Weitere Informationen
- www.landesbaupreis-mv.de Website des Landesbaupreises Mecklenburg-Vorpommern




