Scheunentrio im Ostseebad Prerow
Finalist in der Kategorie "Bausumme bis 1.000.000 Euro"
Ausgangsbedingungen und Konzeption


Eck-Ansicht des Scheunentrios
Copyright @ Stefan Melchior
Eck-Ansicht des Scheunentrios
Copyright @ Stefan Melchior
Der Bebauungsplan stellte die Grundlage und den Planungsausgangspunkt für die Konzeptfindung dar. Dabei galt es besonders die vorgeschriebene eingeschossige Bauweise (LBO -2/3 Regel) zu berücksichtigen. Die vorgegebenen Baufelder auf dem Grundstück waren in ihrer Dimension äußerst gering und ließen kaum Spielraum zu. Zusätzlich war Reet als Material für die Dachdeckung im Bebauungsplan festgesetzt, so dass es eine Abstandsfläche von 6m zwingend einzuhalten galt. Die Grundstückslage unmittelbar an der Hauptstraße war ein weiterer Hauptaspekt bei den konzeptuellen Überlegungen.
Den Vorgaben des Bebauungsplans wurde inhaltlich entsprochen, jedoch haben wir versucht, die Festsetzungen in eine eigenständige Gestalt zu interpretieren. Die Hauptorientierung der Gebäude wurde als Reaktion auf die Verkehrslage in Ost-West-Richtung orientiert. Die zwischen den Gebäuden befindlichen Freiflächen wurden entsprechend der geforderten Abstandsfläche bemessen. Die Einfriedung durch Bepflanzung der Grundstücksgrenzen soll im Laufe der Jahre die Intimität der Grundstücke erreichen.
Hülle und Gestalt
Rohr als Material der Dachfläche war im Bebauungsplan vorgeschrieben. Dabei haben wir den Dachüberstand entfallen lassen und keine hohe Traufe ausgebildet, um die vorgeschriebene Abstandsfläche einhalten zu können. Eine Traufhöhe bei 4,50m ist als Abschluss eines Rohrdaches kaum denkbar, so dass die Weiterführung des Rohrs in die Fassade die konsequente Entscheidung darstellte. Diese Maßnahme wurde gestaltprägend für das Häusertrio.
Die Giebelseiten mit Ausrichtung nach Norden und zur Straße hingegen wurden mit einer Lochfassade ausgebildet. Diese wurde mit verschließbaren Schiebeläden als Sicht-, Sonnen- und Insektenschutz versehen.
Die Hauptöffnung des Gebäudes bilden die zweigeschossigen Glasfenster auf der Ost- und Westseite der Gebäude. Diese sind straßenabgewandt und dadurch wenig einsehbar. Diesen großformatigen Eingangsportalen sind eine Loggia mit einem überdachten Außenbereich vorgelagert. Zwei große, schwarze Scheunentore schließen die Loggia und geben den Häusern die Assoziation einer "Scheune".
Volumen und Nutzung
Die Nutzung und die Volumetrie des Hauses teilen sich in den Luftraum mit der Treppenanlage und dem Essbereich, dem Wohnraum und den abgeschlossenen Schlafräumen in den Obergeschossen (geschlossene Volumen).
Der Essbereich bildet den zentralen Raum des Hauses. Er ist nur durch eine Verglasung von den Freianlagen getrennt und befindet sich als offener Raum zwischen den geschlossenen Volumen. In ihm ist die komplette Gebäudehöhe erfahrbar, denn die Treppenanlage ist lediglich wie eine Skulptur zwischen den Volumen der Schlafräume eingehängt.
Die Privaträume im Obergeschoss sind als Mini-Suiten mit eigenem Bad und eigener Ankleide konzipiert. Auf der dritten Ebene, im Spitzboden gibt es ein weiteres Angebot von zwei Zimmern. Die Häuser versuchen die ökonomischen Raumaufteilungen mit der Großzügigkeit der Halle - die Essplatz, Eingang, Treppe und Flur zugleich ist - in eine räumliche Spannung zu versetzen und den Häusern ihre "Einzigartigkeit" zu verleihen.
Ökonomische und ökologische Maßnahmen
- effizienter Grundriss zur Optimierung der Flächennutzung
- geringe Baumasse durch kompakte Bauweise. Hüllfläche und Volumen (A/V) stehen in einem effizienten Verhältnis.
- einfache Haustechnik (Gasbrennwerttherme mit 40L WW-Speicher)
- homogene, einheitliche Ausbildung
- keine kostspieligen Oberflächen für Innen- und Außenmaterialien
- kein Keller, Kellerersatzraum als Nebengebäude
- hochwertige Holzfenster mit hochwertiger Verglasung (u=0,6 W/m²K)
- höherer Dämmwert durch Reet in der Fassade und im Dach
- hohe Dämmstandards der Baukonstruktion in Dach und Wand
- die gut wärmegedämmte Hülle unterschreitet die ENEV 2009 um ca. 30% und machte daher den Einsatz von regenerativen Energien nicht notwendig.
Text: Dipl. Ing. Norbert Möhring
Kontakt
Bauwerksdaten
| Planungszeitraum: | 12/2010 - 03/2012 |
| Baubeginn: | 03/2012 |
| Fertigstellungstermin: | 06/2013 |
| Bruttogeschossfläche: | 238 qm (je Haus) |
| Umbauter Raum: | 665 cbm (je Haus) |
Weitere Informationen
- www.landesbaupreis-mv.de Website des Landesbaupreises Mecklenburg-Vorpommern



