Schlosspark Hohenzieritz

Finalist in der Kategorie "Bausumme ab 1.000.000 Euro"

Schlosspark HohenzieritzDetails anzeigen
Schlosspark Hohenzieritz

Schlosspark Hohenzieritz

Schlosspark Hohenzieritz

Der denkmalgeschützte Schlosspark Hohenzieritz befindet sich im Landschaftsschutzgebiet "Tollensebecken" in Mecklenburg-Vorpommern.

Nach einer langen Phase der Verwilderung und des Zuwachsens konnte der Park im Zeitraum von 1995 bis 2011 schrittweise wiederhergestellt werden. Von 1997 bis 2007 war die LVVG und ab 2008 bis 2011 die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten im Betrieb für Bau und Liegenschaften in Schwerin Auftraggeber.

Mit der Wiederherstellung war das Landschaftsarchitekturbüro Prof. Dipl.-Ing. BDLA Stefan Pulkenat aus Gielow beauftragt. Die Planung begann mit der Erarbeitung eines Parkkonzeptes mit denkmalpflegerischer Zielstellung 1997/98. Zur Umsetzung erfolgten in den Folgejahren die Betreuung gartenarchäologischer Grabungen, die Ausführungsplanung und Bauüberwachung (Objektplanung) und die Erstellung eines Pflegekonzeptes durch das Büro.

Eine besondere Schwierigkeit bei der Sanierung waren fehlende historische Gartenpläne. Alle Entscheidungen konnten daher nur durch Analogieschlüsse, langjährige Erfahrungen, Grabungen und intensive Diskussionen zu "neuen" Gestaltungen getroffen werden.

Folgende wichtigste Gestaltungsmerkmale und Parkelemente für den zwischen 1776 und 1790 von Thomson angelegten ersten Landschaftspark im englischen Stil in Norddeutschland konnten bei der Wiederherstellung des Parks wieder herausgearbeitet werden:

  • Gartenräume unter Erhaltung und Förderung ökologisch wertvoller Altbäume, Neupflanzung von Einzelbäumen, Baumgruppen, Sträuchern - vorher zugewachsen, waldartig, abgängiger Altbaumbestand.
  • Parkbegrenzung als AHA–Trockenmauer – vorher verfallen, zugewachsen, nicht erlebbar.
  • Sichtbeziehungen im Park, Sichtbeziehungen in die umgebende Landschaft, Verbesserung der Biotopstruktur – vorher zugewachsen.
  • Schneckenberg mit Schneckenweg – vorher zugewachsen, ohne Weg, Bodenmodellierung gestört.
  • Herausarbeiten Heiliger Hain, Förderung der Altbäume – vorher zugewachsen, verwildert.
  • Restaurierung der Weinlaube mit Hügel und Sichtenfächer – Reste der alten Laube waren verrostet und durch Baumstürze verbogen, das Gelände war um ca. 1,3 m aufgeschüttet.
  • Rosenlaube als moderne Konstruktion mit modernem Rosengarten unter Verwendung historischer Rosensorten – alte Rosenlaube verschollen, keine Unterlagen, komplette moderne Neukonstruktion aus Metall, neuer Entwurf für einen kleinen bescheidenen Rosengarten.
  • Umfeld um den Luisenpavillon mit Blumenrabatten, Wegen, Zaun, Luisenbank – vorher zugewachsen, ohne Weg und Bepflanzung.
  • Quellteich mit neuer Steinmauer – Teich war verschlammt, Uferkante verschüttet, zugewachsen.
  • Wasserfall – war komplett verschwunden.
  • Soll als Garten- und Biotopelement – war verfüllt.
  • Wiederherstellung des Wegenetzes als Grandwege mit Entwässerungsmulden, Teilabschnitte gepflastert – Wege zum Teil nicht mehr vorhanden, defekt oder mit falschem Verlauf.
  • Wiederherstellen der ursprünglichen Geländemodellierung – Beseitigung von Auffüllungen, Müllkippen, Geländestörungen.

Erste Not- und Sofortmaßnahmen wurden ab 1997 durchgeführt. In den Folgejahren erfolgte die schrittweise Parksanierung. Im Jahr 2008 begannen umfangreiche Wiederherstellungsmaßnahmen.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern stellte dafür rund 1,46 Millionen Euro bereit. Bis Ende 2009 war der erste Bauabschnitt, der u.a. die Rekonstruktion der historischen Parkmauer beinhaltete, fertig gestellt. Es wurde ein Parkplatz neu angelegt, der Schlossvorplatz saniert und eine Zufahrt zum Schloss gebaut. Weitere Bauabschnitte bis Ende 2011 beinhalteten Wegebaumaßnahmen, den Quellteich mit Wasserfall, die Rosenlaube mit Rosengarten und den Bereich um die Weinlaube.

Bei der Umsetzung der Planung für den Wasserfall zeigte sich als Glücksfall das Auffinden von Resten der alten Anlage, überdeckt von einer 1,5 m mächtigen Erdschicht. Der alte Wasserfall lag genau in der Achse der geplanten Neuanlage. Die oberen Teile der Kaskade waren zerstört und mussten neu angelegt werden. Die aufgefundenen Reste wurden erhalten und behutsam saniert. Eine Besonderheit und technische Herausforderung war die Herstellung der AHA-Trockenmauer (ohne Beton oder Kalkmörtel) aus Findlingen mit einer Höhe von 0,90 bis 1,20 m.

Mit dem Begriff "AHA" wird eine unsichtbare Parkbegrenzung bezeichnet, bei der eine Mauer oder ein Zaun in abschüssiges Gelände oder einen Graben eingefügt ist. Dadurch werden freie, unverstellte Blicke in die sich anschließende Landschaft ermöglicht, da die Begrenzung vom Park aus nicht zu sehen ist. Die umgebende Landschaft wird in die Parkgestaltung mit einbezogen. Das AHA wird seit dem frühen 18. Jahrhundert als Element der Gartenkunst eingesetzt.

Die wiederhergestellte Parkmauer begrenzt den 19,4 Hektar großen Park auf einer Länge von ca. 1.900 Meter. Sie folgt dem originalen Verlauf, der zum Teil noch sichtbar war. Die Abschnitte im Osten und Norden wurden an das sehr bewegte Gelände angepasst und als AHA-Mauer ausgeführt. Die Abschnitte nach Süden und Westen sind als freistehende Findlings-Trockenmauer ausgeführt.

Um die Ansichtsfläche und das Fugenbild zu verbessern, wurden die Steine zum Teil gespalten und behauen. Bei der Spaltung kamen sowohl traditionelle Verfahren mit Schlägel und Meißel sowie aus Kostengründen auch moderne Verfahren mit Bohrern und Eisenkeilen zum Einsatz. Für eine gute Stabilität und Schichtung der Mauer wiesen die Findlinge Durchmesser von 0,50 bis 1,20 m auf.

Die Verwendung von regionaltypischem Material war Vorgabe. Die heute heimischen Materialien aus der Region Jarmen-Neubrandenburg-Neustrelitz wurden während der Weichselkaltzeit als Geschiebe aus Mittel- bis Südfinnland und Ostschweden sowie aus dem Ostseegrund und Bornholm nach Mecklenburg-Vorpommern verlagert. Die Vielfalt und Schönheit der Gesteine ist an der Mauer durch die Bruchflächen auf kleinstem Raum ablesbar.

In der Mauer verbinden sich die Ästhetik des Naturmaterials und die Funktion als Parkeinfassung mit gleichzeitiger Öffnung zur unverbauten Landschaft zu einem Alleinstellungsmerkmal des Parks.

Nach Abschluss der Hauptsanierung von 2008 bis 2011 zeigt sich der Park als harmonische Anlage, die sich im Einklang mit dem Schloss, der Gartenkunst, der Natur und der Hohenzieritz–Prillwitzer Parklandschaft befindet. Die wiederhergestellten und neuen Teile sind zurückhaltend, wirken nicht aufdringlich, als ob sie schon immer so gewesen sind. Die modernen Ergänzungen ordnen sich der Gesamtanlage unter. Gartenszenen wurden als individuelle Parkräume hergestellt, die man entdecken kann. Alle einzelnen Elemente sind selbständige Gartenräume, die für sich wirken und doch ein Ensemble bilden. Über Blickachsen sind die Teilräume miteinander verbunden.

Text: Prof. Stefan Pulkenat

Kontakt

Objekt
Schlosspark Hohenzieritz
17237 Hohenzieritz
Bauherr
Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten im Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg Vorpommern, Geschäftsbereich Schwerin
Werderstr. 4
19055 Schwerin
Architekt
Prof. Stefan Pulkenat
Landschaftsarchitekt Dipl.-Ing./BDLA
Fritz-Reuter-Str. 32
17139 Gielow

Bauwerksdaten

Planungszeitraum: 01/2008 bis 06/2011
Baubeginn: 11/2008
Fertigstellungstermin: 09/2011
Bruttogeschossfläche: 19,4 ha