30 Jahre Städtebauförderung in M-V
Im April 1991 traten die ersten Städtebauförderrichtlinien des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Kraft. Dieser Beginn der Städtebauförderung kennzeichnet einen Wendepunkt des Bauens in unserem Land. Er war ein entschlossenes Bekenntnis von Bund, Land und Kommunen zur Rettung unserer Städte, die flächendeckend in einem dramatischen Zustand waren.
Die Städtebauförderung ist eine partnerschaftliche Aufgabe von Bund, Ländern und Gemeinden in Deutschland, die sich die Kosten per Drittelfinanzierung teilen. In diesem Jahr jährt sich die Städtebauförderung – das erfolgreichste Programm für eine zukunftsfähige Entwicklung unserer Städte und Gemeinden – zum 30. Mal.
Video: Eine Reise durch Mecklenburg-Vorpommerns Städte nach 30 Jahren Städtebauförderung.
Grußwort von Landesbauminister Christian Pegel
Liebe Besucherinnen und Besucher dieser Webseite,
seit 30 Jahren profitiert auch unser Bundesland von der gemeinschaftlichen Städtebauförderung von Bund, Ländern und Gemeinden. Das Antlitz unserer Städte hat sich seit Inkrafttreten unserer ersten Städtebauförderrichtlinien 1991 grundlegend verändert.
Viele von Ihnen haben sicher noch vor Augen, wie unsere Städte von Anklam über Greifswald bis Waren und Zarrentin in den ersten Jahren nach dem Mauerfall aussahen: Die Innenstädte grau, trist, die oft wertvolle Altbausubstanz dem Verfall preisgegeben. Aus den Plattenbausiedlungen hingegen zogen viele der früheren Bewohner in ein Häuschen in neu entstehenden Eigenheimgebieten.
Dies betraf nicht nur Mecklenburg-Vorpommern, sondern alle Bundesländer im Osten des wiedervereinigten Deutschlands. Anfang der 1990er Jahre griff hier die Städtebauförderung als partnerschaftliche Aufgabe von Bund, Ländern und Gemeinden ein. Mit ihrer Hilfe wurden die Innenstädte nicht nur gerettet, sondern zu neuem Leben erweckt. Denken Sie nur an unsere Welterbe-Städte Stralsund und Wismar als zwei Beispiele von vielen.
Zusehends wurde klar, dass Städtebauförderung nicht nur den Erhalt alter Substanz zum Ziel haben kann. Die Veränderungen der typischen DDR-Plattenbaugebiete stellten eine ganz neue Herausforderung dar. Der Fokus lag immer mehr auch darauf, den Leerzug der Plattenbaugebiete zu stoppen. Wohngebäude, Kitas, Schulen, Sportplätze wurden saniert, manches Übermaß an Beton zurückgebaut, Grünflächen und Spielplätze neu angelegt und vor allem wurde mit Stadtteilmanagern und Begegnungszentren viel für den sozialen Zusammenhalt getan.
Es ist sicher nicht vermessen zu sagen: Ohne die Städtebauförderung wären unsere Städte heute nicht so schön und so lebenswert wie sie sind. Das heißt nicht, dass es nichts mehr zu tun gäbe. Wir in Mecklenburg-Vorpommern widmen uns gerade verstärkt der Aufgabe, die soziale Durchmischung in den Städten zu befördern. Auch die Digitalisierung und der Klimaschutz werden unsere Städte verändern. Auch dabei kann und wird die Städtebauförderung ein wichtiges Instrument zur nachhaltigen Entwicklung unserer Städte sein.
Herzlichst
Ihr Christian Pegel
Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Zahlen & Fakten
In 30 Jahren Städtebauförderung in M-V flossen
- Ca. 3,4 Milliarden Euro, davon
- 1,1 Milliarde Euro Bundesmittel
- 1,5 Milliarden Euro Landesmittel
- 800 Millionen Euro kommunale Kofinanzierung
in
- 206 städtebauliche Gesamtmaßnahmen
- 14.000 geförderte öffentliche Bauwerke und Wohngebäude
- 3.800 Straßen, Wege und Plätze
in
- 123 Kommunen
Geförderte Städte und Gemeinden in M-V
Galerie
Beispiele für 30 Jahre Städtebauförderung in M-V:

Das imposante Giebelhaus in Parchim im Stil der flandrischen Renaissance aus dem 17. Jh. mit reich verzierter Fachwerkfassade konnte 2018-2019 nach langjährigem Leerstand behutsam restauriert und erweitert werden. Heute wird es als Einrichtung für Menschen mit Behinderungen genutzt.
Foto: Björn Pauli

Seit mehr als 15 Jahren widmet sich die relativ kleine Stadt Anklam einer großen Aufgabe, dem vollständigen Neuaufbau von drei Stadtquartieren an zentraler Stelle.
Das Verhältnis von Dimension der Aufgabe zur Stadtgröße, zur Wirtschaftskraft und bezogen auf den Zeithorizont ist außergewöhnlich.
Foto: Daniel Sumesgutner

Für das Gedächtnis der Universitäts- und Hansestadt Greifswald wurden mit dem Neubau des Stadtarchives beste Lagermöglichkeiten geschaffen. Ergebnis eines europaweiten Planungswettbewerbes ist ein Gebäude, das als Pendant zu den typisch norddeutschen Speichergebäuden als viergeschossiger Baukörper als eine Art „Wissensspeicher“ interpretiert wurde. Im April 2021 fand die Schlüsselübergabe statt.
Foto: Stadt Greifswald / Andrea Reimann

Sanierung und Neugestaltung der Lindenstraße in Malchin.
Foto: Axel Müller

Gegenüber der Nikolaikirche erstreckt sich der Gebäudekomplex des Stadtgeschichtlichen Museums der Hansestadt Wismar bestehend aus zwei Gebäuden mit einem idyllischen Innenhof und Garten an der Schweinsbrücke.
Foto: Christoph Meyer

Mit Sanierung der ehemaligen Tuchfabrik (erbaut Ende 19. Jh.) in Malchow inkl. des Pförtnergebäudes (erbaut um 1920) wurde eine stadtbildprägende Industriebrache in ein lebendiges, attraktives Wohnquartier umgewandelt. Es wurden 33 Mietwohnungen direkt am Wasser geschaffen.
Foto: Jörn Lehmann

Umgestaltung einer früheren Industriebrache in Neustrelitz: Seit 2001 verbinden der erweiterte Stadthafen und die Uferzone am Zierker See Baukultur und Denkmalschutz mit Naherholung und Tourismus. Städtische Investitionen gaben wesentliche Impulse für weitere private Entwicklungen in Wohnungsbau, Hotellerie, Gastronomie und Kultur.
Foto: Stadt Neustrelitz/Rebekka Meßner

Die Aufnahme der Stadt Ueckermünde in das Städtebauförderprogramm zu Beginn der 1990er Jahre war ein Glücksfall für die zu DDR-Zeiten stark vernachlässigte Altstadt. Heute ist die Altstadt sehens- und erlebenswert für Touristen und hat eine hohe Wohnqualität für die Einwohner.
Foto: Jürgen Kliewe, Stadt Ueckermünde

Die Stadt Woldegk sichert als typische Wiederaufbaustadt und Grundzentrum die Qualität der Daseinsvorsorge, wie hier mit dem Gesundheitshaus, im ländlichen Raum an einem konzentrierten Standort.
Foto: Jana Renner

Das städtebauliche Ziel der Stadt Stavenhagen der vergangenen Jahre, die Weststadt mit der historischen Altstadt städtebaulich-gestalterisch und funktionell zu verknüpfen, gelang nach dem Abbruch von Garagen durch die Errichtung neuer Wegebeziehungen eingebettet in einen umgestalteten Freiraum.
Foto: Marita Klohs

Der Schützenplatz in der Goldberger Altstadt wurde attraktiv neugestaltet und lädt heute zum bunten Markttreiben und zum Verweilen ein. Der bekannte Bildhauer Walter Preik aus Waren schuf eine bronzene Pferdegruppe, die den neuen Brunnen schmückt.
Foto: Robert E. Bittner

In der historischen Innenstadt von Grabow erinnern Bronzeskulpturen, die als Kunst im öffentlichen Raum gefördert wurden, an geschichtliche Ereignisse und prägende Persönlichkeiten. Diese erinnert an die Brautradition der 1770 gegründeten Rosebrauerei.
Foto: Juliane Struck

Durch Sanierung und Neubau ist im Seebad Ahlbeck ein Generationscampus mit Krippe, Kindergarten, Europäische Gesamtschule, Bürgertreff und erlebbaren Freiräumen für gemeinsame Aktivitäten entstanden.
Foto: Ullrich Schmidt

Im Ostseebad Heringsdorf wurde das ehemalige Gymnasium, das als erstes Schulgebäude in Mecklenburg nach dem 2. Weltkrieg errichtet wurde, saniert und zur Grundschule mit Hort umgebaut. Die Schule besuchen rund 270 Kinder, einige auch aus der polnischen Nachbarstadt Swinemünde.
Foto: IB D. Neuhaus und Partner GmbH

Mit dem Petriviertel - wo vor mehr als 15 Jahren noch Industriebaracken und Brachflächen das Umfeld bestimmten - ist ein neues Wohngebiet mit einzigartigem Charakter und ein Naherholungsraum für die Bewohner Rostocks entstanden.
Foto: Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung, Stadtentwicklung und Wohnungsbau mbH

Das 1251 gegründete Zisterzienser-Nonnenkloster Zarrentin liegt unmittelbar am Schaalsee und war nach der Wende in einem beklagenswerten Zustand. Nach umfassender Sanierung mit Hilfe von Städtebaufördermitteln beherbergt es heute Veranstaltungsräume, eine Bibliothek und die Verwaltung des Amtes Zarrentin.
Foto: BIG Städtebau GmbH

In Putbus wurde 1828 der „Circus“ als kreisförmiger Platz angelegt. Hier finden sich prachtvolle Wohnhäuser, aber auch eine Galerie und eine Druckerei sind hier schon viele Jahre beheimatet. Ein Großteil der Gebäude am Circus wurde mit Städtebauförderungsmitteln saniert.
Foto: Florian Melzer

In Schwerin finden die Kinder des Heine-Hortes seit 2018 beste Bedingungen im neu errichteten, lichtdurchfluteten und barrierefreien Gebäude vor. Die Kubatur orientiert sich an der umliegenden städtebaulichen Situation. An der straßenseitigen Fassade sind Paneele mit Zitaten des Dichters Heinrich Heine eingelassen.
Foto: Rimpel Leifels Architekten PartmbB

Mit Unterstützung aus der Städtebauförderung wurden die städtebaulich bedeutsamen Gebäude Am Bahnhof 4 und 5 in Eggesin saniert und zu einer Naturparkstation „Am Stettiner Haff“ für den Naturpark im Landkreis Uecker-Randow umgebaut. Die Naturparkstation nimmt ein wichtiges Bindeglied zwischen dem touristischen Anziehungspunkt Wasserwanderrastplatz und dem Ortskern ein.
Foto: Jana Renner

2020 wurde der Spielplatz „Rabenburg“ feierlich an die Bewohner des Programmgebietes der „Sozialen Stadt“ im städtebaulichen Sanierungsgebiet „Nordstadt-Ihlenfelder Vorstadt“ der Stadt Neubrandenburg übergeben.
Foto: BIG Städtebau GmbH, Büro Neubrandenburg

Eine 243m lange Fußgängerbrücke in Sassnitz überwindet in einer Kombination aus einer einseitig aufgehängten Leichtbau-Hängekonstruktion und einer Ständerbrücke als „Balkon zum Meer“ den ca. 27m Höhenunterschied zwischen Stadthafen und Oberstadt. Im Jahre 2008 erhielt die Brücke eine Anerkennung im Rahmen des Landesbaupreises M-V und zwei Jahre später den Deutschen Brückenbaupreis.
Foto: Christian Rödel

In Ludwigslust konnte das Areal Kirchenplatz in der Nähe des Schlosses in der barocken Stadtanlage anhand des historischen Vorbilds wiederhergestellt werden.
Foto: Stefan Schiefele

Die Integrierte Gesamtschule in Stralsund Grünhufe wurde durch einen attraktiven dreigeschossigen, barrierefreien Neubau erweitert, der im September 2016 feierlich eingeweiht werden konnte.
Foto: SES mbH
Ausblick
Die Herausforderungen an unsere Städte werden immer komplexer. Für eine nachhaltige Stadtentwicklung bilden die Integrierten Stadtentwicklungskonzepte eine solide Basis.
Folgende Aspekte müssen (auch) künftig im Fokus der Städtebauförderung stehen:
- Folgen des demographischen Wandels
- Wahrung des kulturellen Erbes
- Barrierefreiheit im öffentlichen Raum
- Klimawandel und Klimaschutz
- Energetische und nachhaltige Stadterneuerung
- Identität und Wiedererkennungswert der Städte
- Zukunftsfähige Innenstädte
- Intelligente Mobilitätskonzepte
- Leistungsfähige soziale Infrastruktur, insbesondere Bildungsinfrastruktur
- Digitale Infrastruktur
- Smart City-Lösungen
Mit den aktuellen Programmen der Städtebauförderung „Lebendige Zentren“, „Sozialer Zusammenhalt“ und „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ sind die Weichen gestellt für die Fortführung einer nachhaltigen Stadtentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern auch in den kommenden Jahren.






