Landes-Obermeistertag in Güstrow
Seidel: Energiekosten sind der Brotpreis des 21. Jahrhunderts
Aktuelle Energiepreise und Möglichkeiten der Einflussnahme waren die Themen des Obermeistertages 2008 in Güstrow. "Die deutsche Importrechnung für Öl, Gas und Kohle ist dieses Jahr laut Bundesbank um 23 Mrd. Euro auf 82 Mrd. Euro gestiegen und geht größtenteils zu Lasten der Kaufkraft der privaten Haushalte", sagte Wirtschaftsminister Jürgen Seidel am Mittwoch zur Eröffnung. "Handwerk und Industrie spüren die Entwicklung doppelt: Zum einen über die unmittelbar gestiegenen Energiepreise und zum zweiten mittelbar über gestiegene Materialkosten. Die Energiekosten sind der "Brotpreis" des 21. Jahrhunderts."
Über 100 Handwerker, Landesinnungs- sowie Obermeister, Vertreter der Handwerkskammern und Kreishandwerkerschaften diskutierten den Innovationsbedarf im Baubereich und die Entwicklung der Kosten. "Der rasante Energiepreisanstieg ist eines dieser Probleme", sagte Seidel. "Es sprengt jede Kalkulation, nimmt der Wirtschaft die Planungssicherheit und bedeutet Kaufkraftentzug für die Volkswirtschaft."
Seidel verwies auf die gerade angelaufene Kampagne "Haus sanieren - profitieren" der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). "Insbesondere dem Gebäudebereich kommt dem Energiesparen und Klimaschutz eine zentrale Rolle zu. Bundesweit entfallen rd. 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs auf den Gebäudebereich", sagte Seidel. 240.000 Ein- und Zweifamilienhäuser in Mecklenburg-Vorpommern sind vor 1990 errichtet worden. Wenn die Energieberatung hier nur bei einem Viertel der Gebäudeeigentümer Sanierungsaufträge auslöst, dann kommt für das Handwerk eine Auftragssumme von mehreren hundert Millionen Euro zusammen (bei 10.000 Euro pro Auftrag 600 Mio. Euro). Im Altbestand liegt ein enormes Energieeinsparpotential. Seit 1990 wurden in die Wohnungsbauförderung des Landes 2,84 Milliarden Euro investiert.
In der Kampagne werden Handwerker durch eine Schulung befähigt, anhand eines Analysebogens gewerkeübergreifend die energetische Situation eines Gebäudes darzustellen und den Besitzer auf eine mögliche Sanierungsnotwendigkeit und eine Energieberatung hinzuweisen. "Die Beratung soll Hausbesitzern auf verständliche Weise einen möglichen Sanierungsbedarf anschaulich darstellen", sagte Seidel. In erster Linie geht es um die Dämmung der Gebäudehülle, Austausch der Fenster und um eine effiziente Heizungstechnik. Die energetischen Schwachstellen zeigt der Energiepass auf. Energieausweise schaffen Transparenz über die energetische Beschaffenheit von Gebäuden und werden ab 1. Juli 2009 auch für Nichtwohngebäude Pflicht.
"Viele Maßnahmen sind angesichts der steigenden Energiepreise und mit angemessener Förderung wirtschaftlich", sagte Seidel. "Das Marktanreizprogramm, das den Einsatz erneuerbarer Energien zur Wärmeversorgung fördert, wird ab 2009 um 500 Mio. Euro aufgestockt. Trotz starker bundesweiter Nachfrage ist bei uns im Land der Mittelabfluss noch verbesserungsbedürftig."



