20. Obermeistertag des Handwerks in Ulrichshusen

Rudolph: Mehr betriebliche Gesundheitsförderung im Land gebraucht – Handwerk wäre ohne ehrenamtlich Engagierte kraftlos und rückwärtsgewandt

Nr.392/18  | 23.11.2018  | WM  | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit

Am Freitag hat in Gut Ulrichshusen (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) der 20. landesweite Obermeistertag des Handwerks in Mecklenburg-Vorpommern stattgefunden. Das Thema der Jubiläumsveranstaltung lautete „Handwerk trifft Gesundheit“. „Die demografische Entwicklung in Mecklenburg-Vorpommern zwingt Unternehmerinnen und Unternehmer immer mehr, neue Wege bei der Fachkräftesicherung und der Nachwuchsgewinnung zu gehen. Diesen Entwicklungen kann unter anderem durch die Förderung und Integration von gesundheits- und sicherheitsförderlichen Maßnahmen und Systemen im Betrieb, auch als Qualitätsmerkmal zur Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber, begegnet werden“, sagte der Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Dr. Stefan Rudolph vor Ort.

 

Mehr betriebliche Gesundheitsförderung im Land gebraucht

Wirtschafts- und Gesundheitsstaatssekretär Rudolph hat in Ulrichshusen für eine stärkere betriebliche Gesundheitsförderung geworben. „Aufgrund ihrer Größe fehlen in vielen Betrieben Kapazitäten für eine eigenständige betriebliche Gesundheitsförderung. Weniger Krankheitstage bringen allen Beteiligten mehr Erfolg. Deshalb ist es wichtig, entsprechende Angebote zu machen. Das ist ein klarer Pluspunkt für die Attraktivität des Arbeitgebers, der seine Mitarbeiter im Unternehmen halten möchte. Für die Weiterentwicklung von Wettbewerbsfähigkeit und menschengerechten, gesundheitsförderlichen Arbeitsbedingungen müssen alle Möglichkeiten genutzt werden, um ´Gesundheit und Sicherheit im Betrieb´ zu gewährleisten und zu verstetigen. Gleichzeitig sind entsprechende gesundheitspräventive Angebote auch ein attraktiver Anreiz, um neue Fachkräfte zu gewinnen“, mahnte Rudolph.

 

Beschäftigte bleiben aus gesundheitlichen Gründen durchschnittlich jährlich etwa rund 20 Tage ihrem Arbeitsplatz fern.

 

„Jede Unternehmerin und jeder Unternehmer kann in seinem Unternehmen präventive Sozialpolitik betreiben, wenn arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren, krankheitsverursachende Belastungen und ihre Wechselwirkungen sowie Arbeitsunfälle minimiert oder verhindert werden können. Die Sensibilisierung und Stärkung der eigenverantwortlichen Gestaltung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen in den Betrieben sollte daher weiter ein Unternehmerziel sein“, sagte der Wirtschaftsstaatssekretär.

 

Rund 1.800 Ehrenamtsträger aktiv - Dank für Einsatz

Abschließend ging der Staatssekretär auf die ehrenamtlich tätigen Handwerker ein. „Die Wahrnehmung des Ehrenamtes stellt aufgrund der aktuellen Auftragslage und des erhöhten Fachkräftebedarfs viele Handwerker zum Teil vor große zeitliche Herausforderungen. Deshalb kann das Engagement nicht hoch genug mit Blick auf den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen gewertschätzt werden“, sagte Rudolph. „Das Handwerk wäre ohne ehrenamtlich Engagierte kraftlos und rückwärtsgewandt. Nur dank der ehrenamtlich Aktiven mit ihrem fachlichen Wissen und ihrer beruflichen Erfahrung sind viele Aufgaben wie beispielsweise das Durchführen von Abschlussprüfungen und die Berufsausbildungsvorbereitung zu realisieren. Das Wissen qualifizierter Meisterinnen und Meister und Gesellinnen und Gesellen wird so an künftige Generationen weitergegeben“, sagte der Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit, Dr. Stefan Rudolph abschließend. Ehrenamtliche im Handwerk sind Mitglieder in Prüfungsausschüssen (Gesellen, Meister, Fortbildung), Vollversammlungsmitglieder oder Vorstände in Innungen und Kreishandwerkerschaften. Rund 1.800 Ehrenamtsträger gibt es bei den beiden Handwerkskammern (Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern und Handwerkskammer Schwerin).

 

Beispiele für Projekte in der Gesundheitsprävention

 

Einsatzbus sorgt für mobile Gesundheitsförderung

Als Beispiel für Gesundheitsprävention nannte Rudolph das Projekt PAKt-MV mobil. Daran arbeiten und forschen Mediziner und Wissenschaftler der Universitätsmedizin Greifswald. Ein extra ausgestattete Einsatzbus PAKt-MV mobil hat vier Funktionsräume, wo verschiedene Untersuchungen stattfinden können. Die erhobenen Parameter sind Grundlage für ein anschließendes Gespräch mit den Teilnehmern. „Es ist ein innovatives Gesundheitsangebot für kleine und mittelständische Unternehmen. Die mobile Gesundheitsförderung von Mitarbeitern ist in dieser Form einzigartig. Ziel ist es, bei Bedarf zu einer Einstellungs- und Verhaltensveränderung zu motivieren und die Teilnehmer auf dem Weg der Gesundheitserhaltung oder auch Gesundheitsverbesserung aktiv zu begleiten. Darüber hinaus soll ein effizientes betriebliches Gesundheitskonzept für Mitarbeiter von Unternehmen vor allem auch in ländlicheren Regionen entwickelt und auf seine Alltagstauglichkeit getestet werden“, sagte Rudolph. Das Projekt wird vom Wirtschaftsministerium mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von 2,25 Millionen Euro gefördert. Die Projektlaufzeit ist bis 2020 angelegt.

 

„Gesund-tut-gut in MV“ - Unternehmen für „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ gewinnen

Das mit dem Projekt ganzheitliches „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ im Handwerk aufgebaute Netzwerk soll ausgebaut und stabilisiert werden, um mehr Handwerksbetriebe für das betriebliche Gesundheitsmanagement zu gewinnen. „Ein besonderes Augenmerk gilt den Jugendlichen im Unternehmen. Durch gezielte Intervention sollen Lehrabbrüche vermieden und ein gesundes Betriebsumfeld geschaffen werden. Berufserkrankungen sollen durch eine angepasste Gestaltung von Arbeitsabläufen und die aktive Förderung der Selbstverantwortung der Beschäftigten für ein gesundheitsbewusstes Verhalten im Arbeitsalltag präventiv verhindert werden“, sagte Rudolph. Ein weiteres Ziel ist die Sicherung der Wirtschaftlichkeit bei der Einführung der „Betrieblichen Gesundheitsförderung“ für kleine Handwerksunternehmen über den Projektzeitraum hinaus durch Etablierung eines Netzes von Kontaktpersonen zur Erstansprache und Information von Unternehmern. Das Projekt wird von GESUNDtutGUT MV e.V. durchgeführt. Mitglieder des Vereins sind unter anderem die Kreishandwerkerschaften in Mecklenburg-Vorpommern und die Innungskrankenkasse Nord (IKK Nord). Das Projekt wird vom Wirtschaftsministerium mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Höhe von rund 266.000 Euro gefördert. Das Projekt läuft bis zum Jahr 2020.

 

Informationen zum Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind bei den Handwerkskammern derzeit über 20.200 Betriebe verzeichnet. Diese beschäftigen über 112.000 Menschen und 5.061 Lehrlinge. Es wird ein jährlicher Umsatz in Höhe von 9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Gemessen an den gesamtwirtschaftlichen Eckdaten können dem Handwerk in Mecklenburg-Vorpommern etwa 10 Prozent der Bruttowertschöpfung, rund 14 Prozent der Erwerbstätigen und etwa 25 Prozent des Ausbildungsmarktes zugerechnet werden.

 

  1. Obermeistertag

Der landesweite Obermeistertag hat in diesem Jahr zum 20. Mal stattgefunden. Er wird gemeinsam von den Landesarbeitsgemeinschaften der Handwerkskammern und der Kreishandwerkerschaften ausgerichtet. In diesem Jahr hat die Arbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften den Obermeistertag organisiert. Die Veranstaltung wird unterstützt von der Innungskrankenkasse (IKK) Nord.