Beispiele aus der Praxis

Die regionalisierte Arbeitsmarkt- und Strukturförderung des Landes Mecklenburg-Vorpommern fußt auf mehreren Förderinstrumenten, mit denen inzwischen mehrere hundert Projekte unterstützt werden konnten. Nachstehend sollen diese Förderinstrumente skizziert sowie ausgewählte gute Beispiele aus der Praxis vorgestellt werden.

Strukturentwicklungsmaßnahmen unterstützen Aktivitäten, welche lokale oder regionale Wirtschaftspotentiale heben oder strukturelle Herausforderungen – wie die der Arbeits- und Fachkräftesicherung – aufgreifen sowie der Schaffung bzw. Sicherung von Arbeitsplätzen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt dienen. In den vergangenen Jahren haben sich bei den geförderten Strukturentwicklungsmaßnahmen folgende Themenschwerpunkte herausgebildet.

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Themenschwerpunkte von Strukturentwicklungsmaßnahmen in den Jahren 2015-2018 (Verteilung der Projekte in %)

Themenschwerpunkte von Strukturentwicklungsmaßnahmen in den Jahren 2015-2018 (Verteilung der Projekte in %)

Themenschwerpunkt „Fachkräftesicherung“

Vier Welcome-Center in M-V

Im Rahmen des Themenschwerpunktes „Fachkräftesicherung“ konnten beispielsweise bislang vier Welcome-Center bzw. Welcome-Service-Center – in Rostock, Wismar/Grevesmühlen, Stralsund sowie Greifswald – gefördert werden. Diese Center sollen die jeweiligen Regionen durch Öffentlichkeitsarbeit bei Fachkräften aus dem In- und Ausland sowie bei Investoren bekannter machen, zuziehende Fachkräfte und deren Familienangehörige bei der Ankunft im neuen Arbeits- und Lebensumfeld unterstützen sowie bereits in Mecklenburg-Vorpommern angesiedelte Unternehmen bei der Fachkräftesicherung beraten. Exemplarisch für diese Center steht das zuerst an den Start gegangene Welcome Center Region Rostock in Trägerschaft des Region Rostock Marketing Initiative e.V. (www.welcome-region-rostock.de).

Projekt „LÖWENPITCH“ der zoneEINZ GmbH

Das – ebenfalls in diesem Themenschwerpunkt angesiedelte – Projekt „LÖWENPITCH“ der zoneEINZ GmbH versteht sich als modernes Talent-Recruiting-Event für Unternehmerinnen und Unternehmer, die junge Menschen dabei unterstützen wollen, berufliche und damit auch private Perspektiven in den ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns zu finden. Aufgrund des Erfolges in der Mecklenburgischen Seenplatte soll dieses Veranstaltungsformat zur Nachwuchs- und Fachkräftesicherung künftig auch in Vorpommern eingesetzt werden (www.loewenpitch.de).

Food Academy e.V.

Der Food Academy e.V. ist ein freiwilliger Zusammenschluss von etwa 25 Unternehmen und Institutionen rund um die Ernährungswirtschaft mit zusammen fast 4.000 Beschäftigten (www.foodacademy-mv.de). Vielfältige selbstorganisierte Aktivitäten von der Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler über den Auszubildendenaustausch bis hin zum berufsbegleitenden Meisterlehrgang dienen der Arbeits- und Fachkräftesicherung in dieser für Mecklenburg-Vorpommern wichtigen Branche. Bei der Entwicklung und Etablierung dieser Aktivitäten wurde der 2015 gegründete Verein durch Strukturentwicklungsmaßnahmen unterstützt.

Themenschwerpunkt „Tourismus“

Projekt „KulTouren – Kultur aktiv entdecken – unterwegs in M-V“

Beispielhaft für den Themenschwerpunkt „Tourismus“ steht das Projekt „KulTouren – Kultur aktiv entdecken – unterwegs in Mecklenburg Vorpommern“ des Kunstvereins Ribnitz-Damgarten e.V. Diese Strukturentwicklungsmaßnahme macht sichtbar, dass es auch abseits der Ostseebäder attraktive Anziehungspunkte für Touristen und Einheimische gibt, die es zu erkunden gilt (www.galerie-ribnitz.de/kultouren.php).

Strukturentwicklungsmaßnahme „Maritimes Zentrum Fischerei-Bootsbau-Ostseeküste“

Zu diesem Themenschwerpunkt zählt auch die vom Förderverein Marlen e.V. durchgeführte Strukturentwicklungsmaßnahme „Maritimes Zentrum Fischerei-Bootsbau-Ostseeküste“. Das Vorhaben soll zur Neubelebung des Baumhauses als touristischen Anziehungspunkt im Alten Hafen der Hansestadt Wismar führen. Für das Jahr 2019 ist der Einzug von vier Traditionsvereinen in das Baumhaus sowie die Eröffnung eines Ausstellungszentrums vorgesehen. Durch das Engagement aller Beteiligten konnten nichtinvestive Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) mit investiven Mitteln des Europäischen Meeres- und Fischereifonds (EMFF) verbunden werden.

Themenschwerpunkt „Stärkung der Regionalwirtschaft“

Im Rahmen des Themenschwerpunktes „Stärkung der Regionalwirtschaft“ werden ganz unterschiedliche lokale und regionale Entwicklungsansätze oder potentialträchtige Branchen gefördert.

Projekt „Aufbau des Zentrums für regionale Warenkreisläufe in der Mecklenburgischen Schweiz“

Exemplarisch dafür steht einerseits das Projekt „Aufbau des Zentrums für regionale Warenkreisläufe in der Mecklenburgischen Schweiz“ in Trägerschaft des Regionalen Unternehmensnetzwerkes DIE MECK-SCHWEIZER e.V. Dieses Vorhaben hat sich der Vermarktung von regionalen Erzeugnissen der Agrar- und Ernährungswirtschaft im Business-to-Business-Bereich verschrieben (www.meck-schweizer.org/ueber-uns/index.html).

„IT-Center Vorpommern“

Andererseits kann das Vorhaben „IT-Center Vorpommern“ der Wirtschaftsakademie Nord gGmbH benannt werden. Bis zum Jahr 2021 soll damit – in Zusammenwirken mit weiteren Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung – in der Hansestadt Stralsund ein zukunftsorientierter Anlaufpunkt für regionale und überregionale IT-Unternehmen entwickelt werden.

Integrationsprojekte

Mit Integrationsprojekten wird – in enger Zusammenarbeit mit den Jobcentern in Mecklenburg-Vorpommern – die Beratung, Information und Eingliederung von langzeitarbeitslosen Frauen und Männern mit besonderen Vermittlungshemmnissen unterstützt, um letztlich deren soziale und arbeitsmarktliche Integration durch Übergang in Erwerbsarbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu erreichen.

So vielfältig wie die individuellen oder strukturellen Vermittlungshemmnisse von langzeitarbeitslosen Menschen sind, so vielgestaltig sind auch die geförderten Projekte zu deren Arbeitsmarktintegration.

Insofern sollen nur beispielhaft folgende Integrationsprojekte vorgestellt werden:

Projekte „mittendrin Ludwigslust-Parchim“ und „mittendrin Bad Doberan“

Die Projekte „mittendrin Ludwigslust-Parchim“ und „mittendrin Bad Doberan“ in Trägerschaft der ibu institut für berufsbildung und umschulung gmbh richteten sich vornehmlich an ältere Langzeitarbeitslose. Mit den bislang zwei abgeschlossenen Vorhaben konnten immerhin 91 zuvor Langzeitarbeitslose (von 348 Teilnehmenden insgesamt) in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis geführt werden. Einen vergleichbaren Unterstützungsansatz zugunsten älterer Langzeitarbeitsloser verfolgte das Integrationsprojekt „Initiative 50 plus in der Region Neubrandenburg“ der BMD Bildungszentrum für Marktwirtschaft und Datenverarbeitung GmbH.

Projekt „INTEGRO Männercoaching“

„INTEGRO Männercoaching“ der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH unterstützte langzeitarbeitslose Männer mit ganz spezifischen Problemlagen wie Vereinsamung, Alkoholsucht oder Wohnungslosigkeit und konnte überraschend gute soziale sowie bemerkenswerte arbeitsmarktliche Integrationserfolge erzielen. Immerhin 15 % der Teilnehmenden aus dem Raum Rostock gelang der Übergang in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis.

Projekt „Jobvital 35+“

Das im Landkreis Rostock platzierte Projekt „Jobvital 35+“ der BilSE-Institut für Bildung und Forschung GmbH wurde in Kooperation mit dem Jobcenter und einer Krankenkasse durchgeführt. Es war insbesondere an Langzeitarbeitslose mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen adressiert und konnte insgesamt 197 Teilnehmende unterstützen.

Projekttyp SLALOM

Mit dem Projekttyp SLALOM werden landesweit Langzeitarbeitslose oder von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohte Menschen mit und ohne Migrationshintergrund – inklusiv – unterstützt. Bis zum 30.06.2018 konnten bereits fünf derartige Projekte begonnen oder abgeschlossen werden, die zusammen 1.957 Teilnehmende, darunter 802 mit Migrationshintergrund, bei der schrittweisen Integration in den Arbeitsmarkt förderten. Standorte der SLALOM-Projekte waren unter anderem Bad Doberan, Bergen auf Rügen, Gadebusch, Greifswald, Güstrow, Ribnitz-Damgarten, Schwerin, Stralsund, Rostock und Wismar.

Projekt „Multikulti Frauenpower – Multikulturelles Integrationsprojekt“

„Multikulti Frauenpower – Multikulturelles Integrationsprojekt“ ist ein Vorhaben der Bildungszentrum Nordost Klaus-Detlef Schnoor e.K., welches 37 langzeitarbeitslose Frauen – darunter 17 ohne und 20 mit Migrationshintergrund – bei der Bewältigung von individuellen oder strukturellen Vermittlungshemmnissen unterstützt.

Förderung der erwerbsbezogenen Mobilität

Im Zuge der Förderung der erwerbsbezogenen Mobilität sollen Ansätze entwickelt und erprobt werden, die dazu dienen, die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben zu verbessern. Wichtige Handlungsfelder stellen dabei die Verbesserung der Mobilität im ländlichen Raum, die Erhöhung der berufsfachlichen Mobilität, die Verbesserung der Kinderbetreuung sowie die Unterstützung von Beschäftigten mit pflegebedürftigen Angehörigen dar.

Durch Familiencoachprojekte neue Zukunftschancen eröffnen

Mit dem Förderinstrument Familiencoach werden Aktivitäten unterstützt, welche langzeitarbeitslose Mütter oder Väter mit besonderen arbeitsmarktlichen Problemlagen sowie deren Kinder mit erheblichem Betreuungsbedarfen informieren, beraten und integrieren. Durch die systematische Verbindung von sozialen, familienbezogenen und arbeitsmarktpolitischen Unterstützungsleistungen sollen allen Familienangehörigen neue Zukunftschancen eröffnet werden.

Exemplarisch für dieses Förderinstrument steht der „Familiencoach Wismar“ in Trägerschaft der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) gGmbH, welches Langzeitarbeitslose mit wirtschaftlich nicht selbstständigen Kindern unterstützt. Die Verbesserung der familienbezogenen Handlungskompetenzen der Mütter bzw. Väter sowie die schrittweise Heranführung der Teilnehmenden an den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sind die Ziele dieses Familiencoachprojektes. Durch die beiden bislang in der Hansestadt Wismar geförderten Projekte konnten insgesamt 66 Mütter und Väter, darunter 46 Alleinerziehende, Unterstützung erfahren. (http://www.faw.de/standorte/rostock/medienbereich/radiobeitrag-textversion/)

Kleinprojekte für sozialen Teilhabe

Die Kleinprojekte dienen dazu, für langzeitarbeitslose oder von Langzeitarbeitslosigkeit bedrohte Frauen und Männer sowie deren Familienangehörige Angebote der sozialen Teilhabe zu schaffen. Unterstützt werden dabei insbesondere sozialräumlich und lokal verankerte Vorhaben in den drei Handlungsfeldern Gesundheit, Sport/Bewegung und bürgerschaftliches Engagement.

Die Breite der genannten Handlungsfelder ermöglicht eine ungeheure Vielfalt von Kleinprojekten, die folgenden Beispiele verdeutlichen dies:

Projekt „Stärkung bürgerschaftlicher Teilhabe an der Zukunftsregion Malchin“

Der Projekthof Karnitz e.V. hat das Vorhaben „Stärkung bürgerschaftlicher Teilhabe an der Zukunftsregion Malchin“ auf den Weg gebracht. Bürgerinnen und Bürger aus der Region wollen gemeinsam und selbstaktiv sowohl eine Bürgerstiftung als auch eine Bürgerzeitung entwickeln. Auf dieser Grundlage sollen konkrete Ideen bis hin zu einem Zukunftskonzept entstehen, welches die Regionalentwicklung in Malchin und Umgebung fördert. Mit den Themenschwerpunkten Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung, Energiesouveränität sowie Ernährung sollen die Daseinsvorsorge und die Lebensqualität in der Projektregion verbessert werden (www.projekthof-karnitz.de/projekte-2/starkung-burgerschaftlicher-teilhabe-an-der-zukunftsregion-malchin/).

Projekt „Treffpunkt Altes Pfarrhaus – Gemeinsam statt Einsam“

Mit dem Projekt „Treffpunkt Altes Pfarrhaus – Gemeinsam statt Einsam“ wurde die sozio-kulturelle Belebung des durch Stiftungsmittel wiederhergerichteten, nunmehr nichtkonfessionell genutzten Pfarrhauses in Ziegendorf erreicht. Das Kleinprojekt wurde in enger Zusammenarbeit zwischen dem Verein Neues Landleben Bresch e.V., der Ortsgruppe Ziegendorfer Landfrauen sowie der Bürgermeisterin der Gemeinde Ziegendorf umgesetzt. An den verschiedenen Aktivitäten des zwischen 2015 und 2017 realisierten Projektes nahmen insgesamt 148 Personen teil, darunter viele am sozialen Rand der Gesellschaft stehende Einwohnerinnen und Einwohner aus Ziegendorf und den umliegenden Gemeinden. (https://www.neues-landleben.de/pfarrhaus/tag/Pfarrhaus.html)

Projekt „Altertümlicher Lehmbackofen“

Im Projekt „Altertümlicher Lehmbackofen“ des Bürgerhilfe e.V. Güstrow haben die 25 Teilnehmenden einen alten Lehmbackofen als Anlaufpunkt für den sozialen Austausch von Menschen aller sozialen Schichten und Generationen aufgebaut. Durch das gemeinsame Tätigwerden wurden neue soziale Kontakte ermöglicht, der Zusammenhalt gestärkt und Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Hervorzuheben ist die Herkunft der Teilnehmenden aus ganz unterschiedlichen Güstrower Vereinen, die aufgrund ihrer jeweiligen Ausrichtung üblicherweise nicht zueinander in Kontakt treten.

Projekt „Tafelgarten der Begegnung“

Das Vorhaben „Tafelgarten der Begegnung“ wird erwerbsfähige Leistungsbeziehende nach dem Sozialgesetzbuch II, Anwohnerinnen und Anwohner des Tafelgartens sowie Bewohnerinnen und Bewohner des nahe gelegenen Alten- und Pflegeheimes zusammenführen. Dieses in Trägerschaft der Evangelischen Suchtkrankenhilfe Mecklenburg-Vorpommern gGmbH befindliche Kleinprojekt ist im Schweriner Stadtteil Großer Dreesch platziert, und damit in einem Stadtteil mit ganz besonderen sozio-ökonomischen Herausforderungen wie Arbeitslosigkeit, Langzeitleistungsbezug, Armut, Vereinsamung und anderem mehr.

Projekt „Upcycling - aus alten Dingen neue machen“

Der Verein Werkelschün e.V. aus Deyelsdorf will mit seinem Projekt „„Upcycling“ - aus alten Dingen neue machen“ insbesondere langzeitarbeitslose, sozial isolierte Menschen ansprechen. Trotz eines geringen finanziellen Spielraumes soll den Teilnehmern beigebracht werden, sich zu trauen, sich handwerklich ein schönes Umfeld zu schaffen. Es soll aufgezeigt werden, wie man aus vermeintlichem Müll mit einfachen und kostengünstigen Mitteln neue nützliche Dinge schaffen und dabei Spaß haben kann. Hierbei werden Workshops zu den Themen „Möbelverwertung“, „Nähen“ oder „Nützliches für Garten, Freizeit, Schule usw.“ sowie persönliche Beratungen bei den Teilnehmern zu Hause durchgeführt und angeboten. Die Teilnehmer sollen so in die Lage versetzt werden, sich eigene Ideen zu überlegen und diese dann im Projekt umsetzen. Mithin soll hierdurch eine von Erfahrungsaustausch und Zusammenhalt geprägte Gemeinschaft entstehen. (http://www.ostsee-zeitung.de/Vorpommern/Grimmen/Die-Werkelschuen-haucht-Dingen-neues-Leben-ein)

Die Fachaufsicht für die drei letztgenannten regionalisierten Förderinstrumente liegt beim Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung Mecklenburg-Vorpommern, welches auch die weitergehende Öffentlichkeitsarbeit sicherstellt.

Publikationen und Dokumente

Publikationen

Kleinprojekte in Mecklenburg-Vorpommern

Ideen stiften, Perspektiven eröffnen, soziale Teilhabe stärken.

Stand: Juni 2016